WALDKIRCH: FDP erobert die zweite CVP-Hochburg

Aurelio Zaccari von der FDP ist der neue Waldkircher Gemeindepräsident. Im zweiten Wahlgang konnte er sich gegen zwei starke Mitbewerber durchsetzen.

Sebastian Schneider
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Der scheidende CVP-Gemeindepräsident Franz Müller gratuliert an der Wahlfeier im Restaurant Adler dem neugewählten Aurelio Zaccari (FDP). (Bild: Michel Canonica (Bernhardzell, 06. November 2016))

Der scheidende CVP-Gemeindepräsident Franz Müller gratuliert an der Wahlfeier im Restaurant Adler dem neugewählten Aurelio Zaccari (FDP). (Bild: Michel Canonica (Bernhardzell, 06. November 2016))

Zuerst fiel die Hochburg Andwil, jetzt muss die CVP auch in Waldkirch nach Jahrzehnten das Gemeindepräsidium abgeben. Mit Aurelio Zaccari, dem Leiter der Kantonalen Notrufzentrale, wechselt das Gemeindepräsidium zur FDP. Zaccari konnte sich gestern im zweiten Wahlgang bei einer Stimmbeteiligung von knapp 66 Prozent durchsetzen. Von 1587 gültigen Stimmen gingen 579 an ihn. Überraschend holte der CVP-Kandidat Sandro D'Antuono mit 489 weniger Stimmen als der parteilose Daniel Fürer, der mit 516 Stimmen nahe an den FDP-Politiker Aurelio Zaccari herankam.

Viel Schreibarbeit für Zaccari

«Die Freude ist riesig», sagte Aurelio Zaccari gestern Nachmittag. Vor der Wahlfeier, die von der Gemeinde im Restaurant Adler in Bernhardzell organisiert wurde, sei er wegen all der Gratulationen kaum zur Ruhe gekommen. «Ich bin fleissig am Schreiben, ich will allen möglichst rasch eine Antwort schicken», sagte Zaccari. Er habe auf eine riesige Unterstützung zählen dürfen und wolle sich dafür jetzt bedanken. Was zu seinem Erfolg geführt habe, sei nicht leicht zu beantworten. Ihm sei einfach wichtig gewesen, auch im zweiten Wahlgang aufzuzeigen, für was alles er sich bereits eingesetzt habe und wofür er sich noch einsetzen werde.

Die Lust an der Politik nicht verloren

Daniel Fürer, der gegenüber dem ersten Wahlgang Stimmen zulegen konnte, gab sich ob seines Resultates zufrieden. «Es zeigt, dass meine Arbeit von vielen Stimmbürgern in der Gemeinde geschätzt wird.» Die Konstellation als Parteiloser und als zweiter Bernhardzeller habe ja nicht wirklich für ihn gesprochen. Umso mehr sei dieses Resultat eine Bestätigung für sein Wirken als Gemeinderat und aktiver Bürger. Er könne Aurelio Zaccari nur zur Wahl gratulieren; «ich mag es ihm wirklich gönnen». Er werde voll und ganz zum neuen Gemeindepräsidenten stehen und seine Arbeit im Gemeinderat weiterhin mit viel Herzblut wahrnehmen. Er werde politisch aktiv bleiben und behält sich vor, sich wieder einmal um ein politisches Amt zu bewerben.

Ähnlich geht es dem CVP-Kandidaten Sandro D'Antuono. Für ihn sei der Wahlkampf eine spannende Erfahrung gewesen. «Ich habe so viel Schönes erleben dürfen», sagte er gestern. Klar, er habe sich etwas anderes erhofft. Wer aber in ein solches Rennen steige, der wisse auch, dass man verlieren kann. Der Wahlkampf habe ihn nicht ermüdet, sondern motiviert. «Politik macht mir Spass, man wird wieder von mir hören», verspricht D'Antuono. Auch wenn es jetzt zu früh sei, Konkretes anzukünden. Doch was könnte der Grund für das schlechtere Abschneiden im zweiten Wahlgang gewesen sein? «Womöglich haben persönliche Entscheide, die ich in meinem Leben getroffen habe, zu meinen Ungunsten beigetragen», sagte D'Antuono.

Einen zweiten Wahlgang gab es nicht nur fürs Gemeindepräsidium, sondern auch für den letzten Sitz im Gemeinderat. Bei einer leicht tieferen Stimmbeteiligung setzte sich Thomas Grob von der CVP mit 800 Stimmen klar durch. Seine Kontrahentin, Franziska Zillig-Müller von der SVP, vereinte 560 Stimmen auf sich. 68 Stimmen gingen an Vereinzelte.

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