WALDKIRCH: Der Schulpräsident hat genug

Andreas Bolzerns Ankündigung an der Waldkircher Bürgerversammlung erregte Aufsehen: Zu den Wahlen tritt er nicht mehr an. Gründe sind die hohe Arbeitsbelastung und das «Grundmisstrauen», das sich an der Vorversammlung zeigte.

Johannes Wey
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Mit der Umsetzung der neuen Schulstrategie 2017+ begann es in der Primarschule Waldkirch zu rumoren. (Bild: Urs Bucher)

Mit der Umsetzung der neuen Schulstrategie 2017+ begann es in der Primarschule Waldkirch zu rumoren. (Bild: Urs Bucher)

WALDKIRCH. Der Applaus war kräftig. Soeben hatte Schulpräsident Andreas Bolzern seinen Rücktritt auf Ende Amtsjahr verkündet und die Waldkircherinnen und Waldkircher hatten offenbar vollstes Verständnis. Hauptgrund für den Rücktritt sei die unerwartet hohe Arbeitsbelastung. Der Auslöser aber war wohl die heftige Kritik, die Bolzern von Teilnehmern der Vorversammlung hatte einstecken müssen. Er sprach von einem «ständigen Grundmisstrauen». «Ich ziehe die Konsequenzen, weil auch im neuen Jahr keine Besserung zu erwarten ist.»

Kritik an Kostenschätzung

Bei der Vorversammlung wurde Bolzern vorgeworfen, dass er die erste Kostenschätzung von elf Millionen Franken für das Schulhausprojekt Breite nach dem Projektwettbewerb auf 16 bis 18 Millionen hatte korrigieren müssen (Tagblatt vom 17. März). An der Bürgerversammlung ging er nochmals auf diesen Punkt ein. Für die erste Schätzung habe es wenige Grundlagen gegeben. Ausserdem sei nicht definiert worden, was in den elf Millionen alles enthalten sei – der jetzt geplante Baukörper alleine, ohne Schuleinrichtungen und Umgebungsarbeiten beispielsweise, wäre für diesen Betrag zu haben. Und schliesslich habe man sich bewusst für eine offene Kommunikation entschieden, als sich die höheren Kosten abzeichneten. «Das holt uns jetzt ein», sagte Bolzern.

Schulleiter wird verteidigt

Schwerer als die Diskussion um das Projekt Breite traf Bolzern an der Vorversammlung aber wohl die Kritik einer pensionierten Lehrerin: Grund für die vielen Kündigungen sei nicht wie im Geschäftsbericht erwähnt die neue Schulstrategie, sondern die Art und Weise, wie der Schulleiter mit den Lehrpersonen umspringe. Dies sei für ihn ein sehr emotionaler Moment gewesen, erklärte Bolzern bei der Bürgerversammlung: «Ich will nicht, dass meine Mitarbeiter öffentlich so angegriffen werden. Aber wegen des Amtsgeheimnisses musste ich mich zurückhalten.» Es sei schade, dass die pensionierte Lehrerin nicht im Vorfeld das Gespräch mit dem Schulleiter gesucht habe. Dieser habe das nach der Vorversammlung nachgeholt. Im Mitteilungsblatt vom Donnerstag stellen sich auch die Lehrpersonen geschlossen hinter den Schulleiter.

Bolzern bestätigte aber auch, dass die Umsetzung der neuen Strategie im Team zu Konflikten geführt habe. Zu deren Bewältigung habe es zwei Workshops gegeben, den letzten am 19. März. Er sei sich sicher, dass das Team nun wieder auf gutem Weg sei, sagte Bolzern.

Gerührter Gemeindepräsident

Nicht nur die Bürgerinnen und Bürger stärkten Bolzern nach seiner Rücktrittsankündigung den Rücken. Auch Gemeindepräsident Franz Müller, der im Herbst ebenfalls nicht mehr antritt, stellte sich hinter den Schulratspräsidenten und bedankte sich für dessen Arbeit. Der Entscheid sei für ihn völlig überraschend gekommen, sagte Müller unter Tränen. «Das geht mir sehr nahe.» Bolzerns Rücktritt sei auch ein grosser Verlust für die Gemeinde.