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WALDKIRCH: Am Rande des Burnouts: SVP-Politiker Guido Brühlmann tritt aus dem Kantonsrat zurück

Der SVP-Politiker Guido Brühlmann verabschiedet sich aus dem Kantonsrat. Anzeichen eines Burnouts haben ihn bewogen, kürzer zu treten. Im Gemeinderat will er weiterhin bleiben.
Adrian Lemmenmeier
Landwirtschaft war Guido Brühlmanns Kernthema im Kantonsrat. Im Moment ist das Bauern für ihn vor allem ein Ausgleich, eine «schöne Routine». (Bild: Sabrina Stübi)

Landwirtschaft war Guido Brühlmanns Kernthema im Kantonsrat. Im Moment ist das Bauern für ihn vor allem ein Ausgleich, eine «schöne Routine». (Bild: Sabrina Stübi)


Am 23. und 24. April ist die nächste Session des St.Galler Kantonsrats. Für den Waldkircher Guido Brühlmann (SVP) wird es die letzte sein. Nach zwei Jahren im Kantonsparlament tritt der 46-Jährige zurück. «Gesundheitliche Gründe haben mich zu diesem Schritt bewogen», sagt er. Im Februar hätten sich bei ihm erste Anzeichen eines Burn-outs bemerkbar gemacht: Schlafstörungen, Herzrasen, Erschöpfung.

Keine Zeit mehr für sich selbst

In den letzten Monaten sei vieles zusammengekommen, erzählt Brühlmann bei einem Glas Wasser in seinem Haus in Waldkirch. Er ist im 90-Prozent-Pensum bei der Dirim AG und als technischer Betriebsleiter im Holzimprägnierwerk Waldkirch angestellt. Daneben besucht Brühlmann die Handelsschule, züchtet nebenberuflich Rinder, ist Gemeinderat in Waldkirch, Kassier bei einer Viehversicherungsgenossenschaft, Revisor bei der Wasserkorporation, Vater von zwei Kindern und Kantonsrat. «Ich hatte einfach keine Zeit mehr für mich selbst», sagt er.

Als sich die Überlastung körperlich bemerkbar machte, habe man in der Firma eine Krisensitzung abgehalten. «Es war klar, dass ich weniger arbeiten muss», sagt Brühlmann. «Die Frage war, worauf ich verzichte.» Die Wahl fiel auf den Kantonsrat. «Diese Arbeit war am weitesten weg von mir», sagt Brühlmann. Die Gemeindepolitik liege ihm näher, bei der Arbeit wollte er nicht reduzieren und die Tätigkeit als Landwirt liess sich nicht einfach so herunterschrauben. Er bedaure gegenüber der Partei und den Wählern, dass er schon nach zwei Jahren wieder abtrete, sagt Brühlmann. «Aber ich hoffe, dass mir der Rücktritt die nötige Luft gibt.»

Ruhe und Ausgleich findet Brühlmann derzeit vor allem in der Familie. «Meine Frau hat mir sehr geholfen», sagt er. Gemeinsames Musikhören oder Joggen tue gut. Auch die Arbeit auf dem Hof biete eine «schöne Routine».

Zwei Jahre, eine Interpellation

Im Kantonsrat sei er nicht der Aktivste gewesen, gibt Brühlmann zu. Seit er im Februar 2016 ins Parlament gewählt wurde, hat er eine Interpellation eingereicht, zur landwirtschaftlichen Strukturdatenerhebung 2017. «Ich wollte es langsam angehen», sagt Brühlmann. «Ich hatte ja nicht geplant, schon nach zwei Jahren wieder auszusteigen.» Besonders in Erinnerung geblieben sei ihm, wie er mit der Interessengruppe Sport im Rollstuhlclub St. Gallen die Gelegenheit gehabt habe, Rollstuhl-Basketball zu spielen. Sein Nachfolger Pascal Fürer (siehe Zweittext) werde sich als Bauernsohn sicher ebenso für die Landwirtschaft einsetzten, ist Brühlmann überzeugt.

Dem Thema Überlastung steht Brühlmann heute offener gegenüber. «Früher hätte ich gesagt: Mir passiert so etwas nie.» Er habe nach wie vor grossen Respekt vor Leuten, die viele Aufgaben parallel ausführten. «Aber wenn die Gesundheit winkt, muss man reagieren.» Kann er sich vorstellen, je wieder für den Kantonsrat zu kandidieren? «Man soll niemals nie sagen», sagt Brühlmann. Aber so wie er die Lage derzeit beurteile, habe er mit der kantonalen Politik abgeschlossen.

Pascal Fürer rückt nach

Die Nachfolge Guido Brühlmanns tritt Pascal Fürer an. Der 24-jährige Bäcker-Konditor hat in kürzester Zeit einen steilen politischen Aufstieg vollzogen: Vergangenen Sommer übernahm er das Präsidium der SVP Gossau-Arnegg von seinem Vorgänger Markus Rosenberger. Ein halbes Jahr später rückte er für Remo Schelb ins Gossauer Stadtparlament nach. Schelb war Anfang November 2017 überraschend zurückgetreten. Nun wird Pascal Fürer – kein halbes Jahr nach seiner ersten Sitzung im Gossauer Parlament – im Juni das erste Mal an einer Session im Kantonsrat teilnehmen. «In der Legislative des Kantons mitzuwirken, ist sicher eine Herausforderung», sagt Fürer. «Aber es ist auch ein Privileg. Ich freue mich sehr auf diese neue Aufgabe.» (al)

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