WAHLKAMPF: Sieben Köpfe für zwei Sitze

In acht Wochen wählt Gossau einen neuen Stadtpräsidenten sowie einen neuen Stadtrat oder eine neue Stadträtin. Bei den Kandidierenden handelt es sich um eine bunte Mischung.

Angelina Donati
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Angelina Donati

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@tagblatt.ch

Bis zur letzten Stunde blieb offen, ob noch weitere Personen ihre Kandidatur für den Posten des Gossauer Stadtpräsidenten oder denjenigen des Stadtrates ein­reichen werden. Kurz vor dem offiziellen Abgabetermin gab die überparteiliche Findungskommission die Kandidatur ihres Anwärters Wolfgang Giella aus Chur bekannt (Tagblatt von Dienstag). Seit Montagabend stehen nun alle Kandidierenden fest, die sich am 26. November zur Wahl stellen werden.

Ob CVP, SVP, Flig oder SP – nahezu alle Gossauer Parteien sind im Wahlkampf vertreten. Einzig die FDP brachte niemand eigenes hervor. Wohl deshalb, weil sie mit ihren zwei bestehenden Stadtratssitzen schon heute von den anderen Parteien als «übervertreten» angesehen wird. Ins Rennen ums Stadtpräsidium schickte die CVP Daniel Lehmann. Kurz vor Bekanntgabe teilte der Gossauer mit, dass er seine Firma, die Lehmann AG, der Koster AG Holzwelten übergibt.

Ein Gossauer, ein Externer und zwei «Exoten»

Die CVP wählte den Alleingang bewusst und sprach sich gegen die Idee eines überparteilichen Komitees aus. Weil danach Stimmen aus der Bevölkerung laut wurden und eine «echte Wahl» gewünscht wurde, schlossen sich später die restlichen ­Parteien zusammen. Gemeinsam suchten sie eine geeignete Kandidatin oder einen geeigneten Kandidaten fürs Gossauer Stadtpräsidium. Fündig wurden sie mit Wolfgang Giella. Er ist für Gossau ein völlig Unbekannter. Aufgewachsen am Zürichsee, wohnt der wissenschaftliche Bibliothekar heute mit seiner Familie in Chur. Bis vor kurzem gehörte der 52-Jährige der SP Graubünden an, trat nun aber aus. Nicht zuletzt wegen seiner Kandidatur. Sollte er in Gossau gewählt werden, will er hier wieder einer Partei beitreten, wie er den Medien gegenüber sagte.

Den Wahlkampf von Lehmann und Giella mischen ausserdem zwei «Exoten» auf: die Goss­auer Max Brunner und Bruno Egli. Der 64-jährige Brunner war 40 Jahre lang als Landwirt im Nutzenbuech in Gossau tätig. Aktuell nimmt es der gelernte Zimmermann und Schreiner etwas ruhiger und reist viel, wie von seinem Bruder Alfons zu erfahren ist. Sowohl Max Brunner als auch Bruno Egli sind parteilos und haben sich das Ziel gesetzt, dass ein Stadtpräsidentkandidat nicht einfach durchgewinkt werden sollte. «Keiner der Kandidaten, mich eingeschlossen, ist in meinen Augen tatsächlich glaubwürdig», lässt sich der selbsternannte «Taxi-Tubel» Bruno Egli zitieren. Der 53-Jährige ist ausserdem überzeugt, dass ein Auswärtiger, wie eben Giella, bei den Gossauern einen schweren Stand haben dürfte. Sein Tipp: «Lieber einen leeren Wahlzettel einreichen, als einen Namen wählen, hinter dem man nicht steht.» Egli hofft auf einen zweiten Wahlgang und damit auf weitere Personen, die sich für das Amt des Stadtpräsidenten aufstellen lassen wollen. Wer auch immer das Rennen für sich entscheiden möge, sei der verdiente Sieger und Egli der Erste, der ihm gratuliere.

Stadtratskandidaten mit politischer Erfahrung

Im Rennen um den vakanten Stadtratssitz sind hingegen alteingesessene Politiker. Es treten Claudia Martin (SVP), Stefan Harder (Flig) und Monika Gähwiler-Brändle (SP) gegeneinander an. Alle drei Kandidierenden wohnen in Gossau. Die 59-jährige Gähwiler-Brändle ist Coach und Trainerin sowie Kauffrau, und der 55-jährige Harder ist als Personalleiter tätig. Beide sind aktuell im Gossauer Stadtparlament vertreten. Die SP-Parlamentarierin hat dieses Jahr zudem das Amt der Parlaments­präsidentin inne und ist somit höchste Gossauerin. Martin gehörte dem Gossauer Stadtparlament ebenfalls jahrelang an, von 2005 bis 2013. Heute amtet die 39-jährige Berufsschullehrerin als Kantonsrätin. Die Chancen, dass neben den amtierenden Stadträtinnen Gaby Krapf-Gubser (FDP) und Helen Alder Frey (CVP) eine weitere Frau dazukommt, sind demnach hoch.

Ob bei der Wahl des Stadtpräsidenten oder beim Stadtrat: Bei sieben Personen für zwei Sitze ist ein zweiter Wahlgang ziemlich wahrscheinlich. Dieses Datum hat Gossau auf den 28. Januar 2018 festgelegt.