WAHLKAMPF: Die SVP darf in den Stadtrat

Mit Daniel Lehmann habe man den Wunschkandidaten fürs Stadtpräsidium gefunden, sagt HIG-Präsident Roland Egli. Der Wirtschaftsverband wünscht sich, dass die SVP kleinere Brötchen backen will.

Sebastian Schneider
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Sebastian Schneider

sebastian.schneider@tagblatt.ch

Unternehmer Daniel Lehmann ist für die CVP Gossau-Arnegg ins Rennen um das Stadtpräsidium gestiegen. Rekrutiert wurde der Kandidat im Hintergrund von der Handels- und Industrievereinigung Gossau (HIG). Deren Präsident Roland Egli nimmt Stellung zur Rolle des Wirtschaftsverbands bei den Ersatzwahlen, die Ende November stattfinden.

Roland Egli, Daniel Lehmann, 50-jährig, Unternehmer, kandidiert fürs Stadtpräsidium. Sind Sie glücklich?

Daniel Lehmann entspricht tatsächlich zu 100 Prozent unserem Anforderungsprofil. Er hat sich zudem in verschiedenen überparteilichen Gremien und auch im Gewerbeverband engagiert und verdient gemacht.

Dann kann er auf Ihre Unterstützung zählen?

Natürlich. Wir empfehlen auch den anderen Parteien, Daniel Lehmann zu unterstützen.

Bekommt Lehmann auch Geld von der HIG für den Wahlkampf?

Der Vorstand hat einen Unterstützungsbeitrag gesprochen. Das Geld wird aber situativ eingesetzt.

Und wie sähe die Unterstützung der HIG aus, wenn zum Beispiel die SVP ebenfalls mit einem Unternehmer das Stadtpräsidium erobern will?

Wir wünschen uns einen gesunden Wettbewerb. Derzeit liegt aber der Fokus klar auf Daniel Lehmann. Für uns wäre es wünschenswert, wenn die SVP einen Stadtratskandidaten für die Nachfolge von Stefan Lenherr nominieren könnte.

Apropos Wettbewerb. Die HIG hätte ja noch drei andere Kandidaten in der engeren Auswahl gehabt.

Ursprünglich hatten wir vier Wunschkandidaten, drei hatten sich nicht zur Verfügung gestellt.

Zurück zu Daniel Lehmann. Er machte ja publik, dass er bereits seit zwei Jahren die Nachfolge seiner Firma, der Lehmann AG, regelt. Hatten Sie davon Kenntnis?

Von allen angefragten Unternehmern wussten wir, dass die Nachfolgeregelung erfolgt ist oder kurz vor dem Abschluss steht. Daher wurden sie von uns auch angefragt.

Aus welchem Grund braucht es überhaupt einen Unternehmer als Stadtpräsidenten?

Unser Wunsch ist, dass der neue Stadtpräsident das von Alex Brühwiler sehr gut aufgebaute Netzwerk zu den Nachbargemeinden und zur Region weiterführt. Netzwerken ist eine Disziplin, die ein guter Unternehmer beherrscht. Zudem sollen die Aufgaben als Projekte angegangen werden, wobei möglichst die eigenen Ressourcen eingesetzt werden. Gute Leute wollen gefordert werden, und solche sind in unserer Verwaltung zweifelsohne vorhanden.

Weshalb mischte sich die HIG überhaupt in die Wahlen ein? Trauen Sie den Parteien nicht zu, dass diese selber gute Leute finden?

Da die Themen der Industrievereinigung bereichsübergreifend sind, brauchen wir einen Stadtpräsidenten, der unsere Anliegen ernst nimmt und in den einzelnen Ressorts auch entsprechend vertritt. Klar, unser Wirtschaftsverband hat Ansprüche an die Politik. Doch wir wollen auch einen Beitrag leisten. Ob nun die Partei oder die Wirtschaft fähige Politiker nominiert, ist letztlich zweitrangig. Das Resultat zählt.

Wie schätzen Sie die ­Wahlchancen Lehmanns ein?

Aktuell hat der Kandidat die Unterstützung der Wirtschaft und der CVP. Zudem waren Gespräche mit Mitgliedern anderer Parteien durchaus positiv, womit ich mit sehr guten Wahlchancen rechne.

Wünscht die HIG auch einen Unternehmer im Stadtrat ­ als Nachfolger von Stefan Lenherr?

Beim Ressort Bau gehen unsere Wünsche noch weiter. Wir hätten gerne einen unternehmerisch denkenden Politiker mit Bau­wissen.