WAHLEN: Politik kann auch «lustvoll» sein

Vor vier Jahren lancierte das Frauennetz Gossau das Projekt «Abenteuer Politik». Dessen Ziel war es, dass sich künftig mehr Frauen politisch engagieren. Geehrt wurden jene, die am meisten Module besucht haben.

Perrine Woodtli
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In ihrem Szenenspiel im Fürstenlandsaal theamtisierten die Frauen die niedrige Frauenrate in politischen Ämtern. (Bild: Urs Bucher)

In ihrem Szenenspiel im Fürstenlandsaal theamtisierten die Frauen die niedrige Frauenrate in politischen Ämtern. (Bild: Urs Bucher)

Perrine Woodtli

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tagblatt.ch

Frauen sollen vermehrt auf die Wahllisten gesetzt und gewählt werden. Dies hat sich das Frauennetz Gossau vor vier Jahren auf die Fahne geschrieben, als das Pilotprojekt «Abenteuer Politik» startete. Die Weiterbildungsreihe ist nun zu Ende gegangen. Am Donnerstag erzählten die Mitglieder vor 130 Gästen im Fürstenlandsaal, was sie während des Projektes gelernt haben.

Begleitet wurde das Projekt von der ehemaligen St. Galler Regierungsrätin Kathrin Hilber. In den vier Jahren seien Wissen erneuert und Erfahrungen gemacht worden. Auch Freundschaften seien entstanden, ergänzte Hilber und betonte: «Viele Gemeinden beneiden Gossau um das Frauennetz.» Die Frauen haben sich mit unterschiedlichen Themen wie der Medien- oder der Gesundheitspolitik ernsthaft befasst. Aufgrund dieser Ernsthaftigkeit sei das Projekt auch vom Kanton, der Stadt Gossau, den Ortsparteien, den Frauenvereinen und der Wirtschaft unterstützt worden.

Brigitte Meyer vom Kompetenzzentrum Integration und Gleichstellung des Kantons St. Gallen nannte das «Abenteuer Politik» ein «Vorzeigeprojekt». Das Projekt habe gezeigt, dass politisches Engagement durchaus «lustvoll» sein kann.

Politischen Rucksack mit neuem Wissen gefüllt

Das Projekt wurde im Rahmen eines Szenenspiels auf der Bühne zusammengefasst. Für das Szenenspiel versetzte das Frauennetz die Besucher in das Jahr 2020. Das Szenario: Das Schweizer Fernsehen thematisiert die niedrige Frauenrate in politischen Ämtern. Da das Frauennetz es geschafft hat, Frauen in der Ostschweiz dazu zu motivieren, dreht das Fernsehen einen Dokumentationsfilm über den Verein. Die Darstellerinnen machen in der ersten Szene deutlich, dass zuerst viele Unsicherheiten vorhanden waren. Sie entschliessen sich aber, etwas zu wagen. Ganz nach dem Motto: Taten statt Worte. Immer mehr Frauen stossen zum Frauennetz dazu. Mit der Teilnehmerinnenzahl wächst das Selbstbewusstsein. Doch nicht jeder freut sich darüber. Besonders männlichen Politikern bereitet das Frauennetz unruhige Nächte. Die Frauen nehmen zum Thema an einer Sitzung der Gossauer Parteipräsidenten teil. Diese beklagen sich, dass zu ihren Anlässen nie Leute kommen würden, dafür bei den Frauen umso mehr. Die Präsidenten sehen ein, dass die Frauen wohl doch nicht «nur Kaffee trinken». Zum Schluss erzählen die Frauen, was ihnen das vierjährige Projekt gebracht hat. Alle haben sie ihren politischen Rucksack gefüllt. Einige haben kandidiert, einige wurden gewählt und andere fühlen sich sicherer beim Abstimmen. Das Publikum belohnte die Darstellerinnen schliesslich mit viel Applaus.

Anschliessend wurden sieben Frauen geehrt, die am meisten Module besucht haben. Sie erhielten symbolisch einen Stuhl, passend zum Wahlkampfmotto «Wir wollen auch Sitze». Auch wurde verkündet, dass Brigitte Hollenstein nach 16 Jahren ihr Präsidentenamt im März abgeben wird. Vorstandsmitglied Silvia Galli Aepli wird dann ihre Nachfolge antreten.

«Der Besuch im Bundeshaus war ein grosser Höhepunkt»

Über das vierjährige Pilotprojekt «Abenteuer Politik» ist Brigtitte Hollenstein, Präsidentin Frauennetz Gossau, sichtlich zufrieden. Stolz ist sie auf verschiedene Faktoren. Im März gibt sie ihr Amt in die Hände von Vorstandsmitglied Silvia Galli Aepli.

Was war Ihr persönlicher Höhepunkt des Projekts «Abenteuer Politik»?

Hollenstein: Ein ganz grosser Höhepunkt war, als wir mit 100 Frauen in zwei vollen Cars nach Bern reisten. Mit den Informationen auf der Fahrt von Kathrin Hilber war das wie ein rollendes Schulzimmer. Im Bundeshaus wurden wir schliesslich von fünf Nationalrätinnen empfangen. Danach konnten wir uns mit ihnen austauschen. Das war schon sehr besonders und spannend. Danach jagte ein Höhepunkt den anderen.

Durchschnittlich 60 Frauen nahmen an jedem Weitebildungsmodul teil. Sind Sie zufrieden mit dieser Zahl?

Hollenstein: Wir waren überwältigt und hatten mit weniger Frauen gerechnet. Ich glaube, es liegt daran, dass wir politische Anlässe zu erlebbaren Events gemacht haben. Das hat die Teilnehmerinnen begeistert. Das Konzept hat offenbar einfach gestimmt.

Auf was sind Sie stolz?

Hollenstein: Ich bin stolz darauf, dass die Politik für Frauen attraktiver geworden ist. Als Projektleiterin macht es mich zudem besonders stolz, dass wir vier Jahre lang so gut überparteilich zusammengearbeitet haben. Wir haben miteinander ergebnisorientiert gearbeitet. Das hat eine tiefe Verbindung untereinander geschaffen. (woo)

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