WAHLEN: Kandidat fürs Gossauer Stadtpräsidium: «Für manche bin ich ein Spinner»

Zum wiederholten Mal kandidiert Bruno Egli als Gossauer Stadtpräsident. Grosses Potenzial sieht er in fliegenden Taxis, einem Luna-Park und einem Gebäude, welches Hallenbad und Altersheim vereint.

Angelina Donati
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Bruno Egli hält nichts von politischen Floskeln, sondern will Ideen mit Hand und Fuss liefern. (Bild: Urs Bucher)

Bruno Egli hält nichts von politischen Floskeln, sondern will Ideen mit Hand und Fuss liefern. (Bild: Urs Bucher)

Angelina Donati

angelina.donati

@tagblatt.ch

Wenn es nach Bruno Egli ginge, wäre er zum Termin mit der Zeitung wohl mit einem fliegenden Taxi gekommen. So absurd das Ganze auch tönen mag: «In ­Dubai wird derzeit an einem ­solchen Modell getüftelt», sagt Bruno Egli. «Im Gegensatz zu den herkömmlichen Taxis garantiert diese Art von Transport eine störungsfreie und rasche Verbindung.» Befürchtungen, dass Egli damit seinen Job als Taxifahrer verlieren könnte, hat der 53-Jährige nicht. «Statt die Autos zu fahren, warte ich sie dann halt.»

Mit seinen unkonventionellen Ideen, die nur so aus ihm ­heraussprudeln, möchte er denn auch bei den Stimmbürgern punkten. Aufgewachsen ist Egli in Bernhardzell und wohnt seit 30 Jahren in Gossau. Jahrelang trat er gegen Stadtpräsident Alex Brühwiler an und am 26. November nun gegen drei Konkurrenten. Plakate liess er keine anfertigen. «Das ist nicht mein Ding. Was nützt es schon, einfach nur von den Plakaten zu grinsen?» Vielmehr brauche Gossau einen Stadtpräsidenten mit innovativen Ideen. «Und sollte sich mal ein Gedanke als falsch erwiesen haben, dann muss man in diesem Amt auch zwingend hinstehen und sich entschuldigen können.»
 

Begegnungsorte schaffen und Verkehrsstau reduzieren

Zu den Vorschlägen Eglis, wie die Stadt aufgewertet und moderner gestaltet werden kann, gehört ein Neubau, welcher das Hallenbad mit einem darüberliegenden ­Altersheim vereint. «Schwimmen ist besonders für ältere Menschen sehr geeignet, das ist gut für ihre Gesundheit.» Egli könnte sich auch vorstellen, aus dem Betrieb eine 24-Stunden-Begegnungszone mit zusätzlicher Spiele-Ecke und Café zu schaffen. Ohnehin fehle es in Gossau an solchen Angeboten. «Bei Restaurants herrscht ein Überangebot. Unkonventionelle Treffpunkte hingegen hat es praktisch keine.» Dabei denkt er zum Beispiel an Spieleabende mit Dart, Jassen und Gesellschaftsspielen. «Der Punkt ist, dass man mitmachen kann, aber nicht muss.» Schon vor 14 Jahren warb der vierfache Vater für einen Luna-Park auf der Bundwiese, und auch heute hält er daran fest.

Ausserdem spricht sich Egli für einen Bahnhof bei der Bischofszellerstrasse und für Bahnhaltestellen im Industriegebiet aus. Das würde das Verkehrsaufkommen im Zentrum abbauen, ist er sich sicher. Ohnehin sei der Stau auf der St. Gallerstrasse künstlich geschaffen worden: «Wegen der Einbahnregelung an der Säntisstrasse müssen Anwohner und Zulieferer oft zweimal um den ganzen Block fahren.» Das generiere unnötigen Mehrverkehr. «Die Behörden sind doch froh um den Stau. In ihren Augen handelt es sich nur um eine richtige Stadt, wenn sich Autokolonnen bilden.»
 

Erste Amtshandlung wäre Kündigung des Polizisten

Genauso irrsinnig findet Egli, wenn der «Parkplatzwächter» Kunden vor dem Café beim Bahnhof büsst, die nur kurz parkieren, um ein Gipfeli zu holen. «Das ist Abzockerei.» Eglis erste Amtshandlung als Stadtpräsident wäre denn auch, dem Polizisten zu kündigen. Ganz so einfach sei es aber nicht, da diese Stelle dem Sicherheitsverbund untergeordnet sei, wie sich Egli erkundigt hat. «Als richtig diskriminierend empfinde ich, wenn ich mit dem Taxi auf den Bahnhofplatz vorfahre, um Personen mit einer Behinderung mitzunehmen, und mich dann die Polizei abpasst, um mir eine Busse in die Hand zu drücken», entrüstet er sich. Zudem müsse Gossau endlich ein Taxi-Reglement einführen. Weil ein solches fehle, seien Einnahmen von gut einer halben Million Franken verprasst worden.

«Es ist mir bewusst, dass ich mich mit meinen Themen exponiere und manch einer in mir wohl einen Spinner sieht», sagt Egli. «Doch lieber so, als dass ich banale Sätze von mir gebe.» Ohnehin sei kein Studientitel nötig, um ein guter Stadtpräsident zu sein. Wichtig sei gesunder Menschenverstand und sich mit Herzblut für die Bürger einzusetzen.