WAHLEN: Jeder sucht den «Stapi» selbst

Die Kandidatensuche für zwei Sitze im Gossauer Stadtrat wird konkreter: Erste Gespräche haben stattgefunden. Eine überparteiliche Findungskommission kommt nun aber doch nicht zustande.

Angelina Donati
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Die Nachfolge für den zurücktretenden Stadtpräsidenten Alex Brühwiler wird im November gewählt. (Bild: Benjamin Manser (25. September 2016))

Die Nachfolge für den zurücktretenden Stadtpräsidenten Alex Brühwiler wird im November gewählt. (Bild: Benjamin Manser (25. September 2016))

Um den frei werdenden Posten des Stadtpräsidenten sowie um den vakanten Stadtratssitz von Stefan Lenherr kursieren die wildesten Gerüchte. Offiziell gibt es aber noch keine Kandidaten, wie alle fünf Gossauer Parteien auf Anfrage bestätigen. Auch dass sowohl bei der CVP als auch bei der SVP die Präsidenten gewechselt haben, soll nicht als Indiz verstanden werden. CVP-Parteipräsidentin Seline Heim begründet ihren Rücktritt nach drei Jahren mit ihrer neuen beruflichen Herausforderung. Ab August ist sie Leiterin der Bäuerinnenschule des Kantons St. Gallen. Und SVP-Parteipräsident Markus Rosenberger findet, dass es nach sieben Jahren Zeit ist, das Amt in jün­gere Hände zu geben. Weil auch Benno Koller, der das Vizepräsidentenamt innehatte, den Zeitpunkt für einen Rücktritt als optimal erachtete, bleibt Rosen­berger als Vize erhalten: «Damit nicht alles Wissen verlorengeht.»

Der Kampf um die Sitzverteilung im Stadtrat nimmt nun nach den Hauptversammlungen der Parteien konkretere Formen an: Die CVP etwa will versuchen, ­beide Sitze zu besetzen und so­mit drei zu belegen. Bereits auch ­seien Gespräche mit zwei Anwärtern geführt worden, sagt Seline Heim. «Wir sind motiviert, gute Leute zu finden.» Angesprochen auf die Übervertretung der CVP im Stadtrat, sagt Heim, dass den Bürgern eine Auswahl gegeben werde. Genauso sieht es auch die FDP, die aktuell zwei der fünf Stadträte ausmacht. Auch sie sagt, dass es Interessenten für beide Vakanzen gibt. Einen möglichen dritten Sitz der Partei sieht Präsident Sandro Contratto sportlich. «Was zählt, ist doch einzig, dass am Schluss der oder die Beste gewählt wird.» Es handle sich hierbei ohnehin um eine Personenwahl, ist er überzeugt.

Parteien spannen nun doch nicht zusammen

Es sind auch genau diese beiden Parteien, die sich gegen eine Findungskommission für das Amt des Stadtpräsidenten aussprechen. Wie nämlich jetzt, nach einer erneuten Diskussion der Parteien, feststeht, findet ein ­Zusammenschluss der Parteien nicht statt. Während SVP, Flig und SP in einer überparteilichen Findungskommission lauter Vorteile sehen, können die beiden anderen Parteien der Idee nicht viel abgewinnen. «Eine Findungskommission macht in kleineren Gemeinden Sinn, um überhaupt an Personen zu gelangen, die keiner Partei angehören», begründet Seline Heim. Markus Rosenberger bedauert den Alleingang. «Es geht doch darum, die beste Lösung für die Stadt Gossau zu finden, und weniger um die Parteien.»

Alle Augen sind auf die CVP gerichtet

Während die CVP, die ihren Sitz verteidigen möchte, vorwärtsmacht, geben sich die anderen Parteien zurückhaltend und warten erst einmal ab. Erste Gespräche für beide Posten habe es zwar gegeben, wie von der SVP zu erfahren ist. «Noch aber können wir nicht sagen, ob wir zwei Kandidaten aufstellen oder niemanden», gibt sich Markus Rosenberger vage. Am Willen der SVP liege es definitiv nicht – so hatte die Partei auch bei früheren Wahlen stets versucht, Fuss in der Exekutive zu fassen. «Leider bisher aber erfolglos.» Auch bei der Flig wurde ein erstes Gespräch für das Amt von Stefan Lenherr geführt. «Wir können uns durchaus vorstellen, jemanden zu portieren», sagt Flig-Parteipräsident Alfred Zahner. «Nicht vorpreschen», lautet die Devise der SP. «Als eine der kleinen Parteien liegt es nicht an uns, mit ersten Namen auf­zuwarten», sagt Ruedi Blumer. Je nachdem, welche Kandidaten etwa von der CVP aufgestellt werden, will sich auch die SP über­legen, in den Wahlkampf einzusteigen.

Gegen Übervertretung und gegen Sesselkleber

Wenn es um die Machtverhältnisse im Stadtrat geht, sind nahezu alle Parteien gleicher Meinung. So stören sie sich an der Anspruchshaltung von CVP und FDP, die Mehrheit der Sitze belegen zu wollen. Und gleich mehrere Parteipräsidenten geben zur Auskunft, dass der neue Stadtpräsident oder die neue Stadt­präsidentin nicht allzu jung sein dürfe und somit zum Sesselkleber mutiere. Schliesslich sei der Wohnort Gossau Pflicht, und wer einmal hierhin gezogen sei, vor allem auch mit seinen schulpflichtigen Kindern, bleibe wohl auch für längere Zeit.

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