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WAHLEN: «Ich bin eine klassische Mittepolitikerin»

Die 36-jährige Energieexpertin Sonja Lüthi fordert mehr Frauen in der Stadtregierung. Und sie kritisiert die Exekutive für ihre städtebauliche Passivität. St. Gallen brauche eine Aufbruchstimmung, sagt sie.
Stefan Schmid
Sonja Lüthi: «Ich möchte nicht spezifisch gegen den Autoverkehr vorgehen.» (Bild: Urs Bucher (St. Gallen, 21. August 2017))

Sonja Lüthi: «Ich möchte nicht spezifisch gegen den Autoverkehr vorgehen.» (Bild: Urs Bucher (St. Gallen, 21. August 2017))

Stefan Schmid

stefan.schmid@tagblatt.ch

Sonja Lüthi, warum sollte man Sie in den Stadtrat wählen?

Ich setze mich für eine innovative, zukunftsorientierte und nachhaltige Stadt ein. Besonders wichtig ist mir auch, dass die Frauen besser vertreten sind.

Momentan gibt es im Stadtrat nur eine Frau. Zu wenig?

Eindeutig. Es müssten mindestens zwei Frauen in der Exekutive sein. Besser wären drei. Wichtig ist, dass es qualifizierte Frauen sind.

Würde St. Gallen mit Ihrer Wahl linker oder bürgerlicher?

St. Gallen würde sicher grüner und liberaler.

Ich versuch es anders: Wo stehen Sie politisch auf einer Skala von minus 10 ganz links bis plus 10 ganz rechts?

Ich bin eine klassische Mittepolitikerin. In St. Gallen wird jemand, der gegen Autos und Parkplätze ist, häufig als links angesehen. Dieses Thema ist für mich aber ein grünes Thema. Auf Ihrer Skala bin ich etwa bei 0 oder leicht links davon.

Warum soll ausgerechnet die kleine GLP einen Sitz in der Stadtregierung bekommen?

Es geht hier nicht nur um Parteipolitik. Grüne Themen sind in einer Stadt wichtig. Es ist deshalb richtig, dass wir kandidieren. Das Volk soll nun entscheiden.

Warum wollen Sie Stadträtin werden?

Ich bringe berufliche Erfahrungen aus Privatwirtschaft, Verwaltung, und Forschung mit, und auch Erfahrungen aus der Politik. Mit diesem Rucksack und meinen Qualifikationen könnte ich als Stadträtin am meisten bewirken.

Das Stadtparlament lehnt die Mobilitäts-Initiative ab. Zufrieden?

Ja, sehr. Die Ressource Raum ist in einer Stadt beschränkt. Wir müssen uns überlegen, wie wir diesen Raum sinnvoll und effizient nutzen. Da mag es zusätzlichen Individualverkehr kaum leiden.

Soll die Stadt Pförtneranlagen aufstellen und den Stau in die Nachbargemeinden verlagern?

Ja, das ist ein möglicher Ansatz, den wir weiterverfolgen sollten.

Muss der Autoverkehr abnehmen?

Das wünsche ich mir. Ich möchte aber nicht spezifisch gegen den Autoverkehr vorgehen. Ich will stattdessen den ÖV fördern und Velowege attraktiver gestalten.

Der ÖV ist doch schon sehr gut. Was wollen Sie da noch mehr ausbauen?

Ich denke primär an den Bau einer Tramlinie. Das Tram ist zuverlässig, sicher und modern. Auch die Verbindungen Richtung Drei Weieren könnten verbessert werden.

Sind Sie für den Bau einer dritten Röhre auf der Stadtautobahn?

Das ist eine nationale Geschichte. Ich werde sie nicht bekämpfen. Mir ist der Verkehr auf der Autobahn lieber als in der Stadt.

Befürworten Sie den Bau einer Teilspange Richtung Riethüsli?

Ich bin gegen die Teilspange. Ein solcher Zubringer generiert mehr Verkehr. Zudem wird beim Güterbahnhof attraktives Bauland möglicherweise geopfert. Das finde ich falsch. Auch glaube ich kaum, dass die Bevölkerung bereit ist, diesen finanziellen Aufwand zu tragen.

Generell zur Stadtentwicklung: Das partizipative Verfahren um einen neuen Marktplatz braucht viel Zeit. Was würden Sie im Falle einer Wahl unternehmen, um zu einer Lösung zu kommen?

Ein lebendiger Marktplatz ist zentral für unsere Stadt. Es ist schade, dass wir hier noch nicht weiter sind. Die Zeiten, in welchen der Stadtrat pfannenfertige Projekte vorgelegt hat, sind aber vorbei. Das partizipative Verfahren ist daher richtig. Nur muss es zu einem erfolgreichen Ende gebracht werden. Ich hoffe sehr, dass wir am Schluss nicht wegen ein paar Parkplätzen wieder keine Lösung haben.

Was soll aus dem Areal beim Güterbahnhof werden?

Das ist ein gut erschlossenes, zentrumsnahes Gebiet, das sich für eine autofreie Siedlung geradezu aufdrängen würde. In St. Gallen fehlen im Gegensatz etwa zu Zürich oder Bern solche Projekte.

Ihre Ideen für St. Fiden?

Ich hoffe, dass trotz der Migros-Sanierung ein grösserer Wurf möglich ist. Zentral ist, dass die Stadt eine Führungsrolle übernimmt, vorausdenkt und nicht einfach abwartet. St. Fiden ist ein spannendes Gebiet. Ich könnte mir eine Kombination aus Gewerbe, Wohnbauten und Büroräumlichkeiten gut vorstellen.

Ist der Stadtrat zu passiv beim Gestalten der Stadt?

Ich finde schon. Die Baudirektion ist zwar neu besetzt. Doch die Vorgängerinnen waren eindeutig zu passiv. Beim roten Platz im Bankenviertel wurde die Entwicklung verschlafen, ebenso beim Bahnhof Haggen.

Muss die Stadt wachsen?

St. Gallen braucht eine Aufbruchstimmung. Das Visionäre muss wieder mehr Gewicht bekommen. Wie zu den hohen Zeiten der Textilblüte. Wir hatten das erste Schwimmbad, die erste Kläranlage, eine direkte Bahnverbindung nach Paris. Das Geothermie-Projekt war ein Schritt in diese Richtung. Leider erfolglos. Doch ich bin zuversichtlich, es gibt noch zahlreiche andere Projekte, mit welchen wir schweizweit für Aufsehen sorgen könnten.

Machen Sie ein Beispiel.

Auf gutem Weg sind wir beim Energiekonzept. Nur dürfen wir jetzt nicht stillstehen, sondern wir müssen mutig und mit Vollgas weitermachen.

Braucht St. Gallen mehr Einwohner?

Die Einwohnerzahl ist sekundär. Wichtiger scheinen mir die Lebensqualität und innovative Projekte.

Sind Fusionen mit Nachbarge- meinden damit kein Thema? Doch, doch. Das müssten wir sicher wieder anschauen.

Wen wollen Sie denn heiraten? Boris Tschirky und sein Gaiserwald?

Ich möchte lieber erst heiraten, wenn ich meinen Partner genug gut kenne (lacht lange). Spass beiseite. Ich habe keine konkrete Gemeinde im Kopf. Es gibt Bereiche wie das Energienetz GSG, wo intensivere Formen der Zusammenarbeit angezeigt sind. Wahrscheinlich ist es pragmatischer, so vorzugehen.

Ist St. Gallen attraktiv genug?

Wir sollten innovativen Firmen vermehrt rasch und unbürokratisch Bewilligungen erteilen. Im Zweifelsfall lieber mal ein Auge zudrücken. Attraktiv heisst für mich aber auch: Ausreichende Angebote im Bereich Kinderbetreuung und Tagesstrukturen bereitzustellen.

Liegt eine Steuersenkung drin?

Der Stadt geht es gut. Über nachhaltige Anpassungen kann man diskutieren. Es braucht aber eine Gesamtsicht, da gehören auch die Abgaben dazu.

Das ist kein flammendes Plädoyer für tiefere Steuern.

Es gibt schon Gründe, die für Steuersenkungen sprechen. Aber das muss ich genau anschauen, wenn es denn so weit ist.

Es gibt drei Kandidaten aus dem Mitte-links-Lager. Eine absurde Strategie.

Wir wollten mit den Grünen gemeinsam marschieren, doch sie haben sich anders entschieden. Klar ist, dass wir im zweiten Wahlgang die Kräfte bündeln müssen.

Treten Sie so oder so nochmals an?

Das hängt vom Wahlresultat im ersten Wahlgang ab. Wenn ich reelle Chancen habe, werde ich sicher dranbleiben.

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