Wäsche entsteht im Kopf

RORSCHACH. Das zehnte Rendez-vous Ostschweizer Kunstschaffender im Kornhaus steht unter dem Titel «Die Wäsche entsteht im Kopf». An der Eröffnung entspann sich zwischen den vielen Gästen und den Künstlerinnen ein reger Austausch.

Gisela Tobler
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Daniela Siebrecht (links) und Andrea Vogel wollen mit ihrer Kunst Diskussionen auslösen. (Bild: Gisela Tobler)

Daniela Siebrecht (links) und Andrea Vogel wollen mit ihrer Kunst Diskussionen auslösen. (Bild: Gisela Tobler)

Beim Betreten des hohen, hellen Projektraumes auf der Nordseite des Kornhauses mischt sich Neugier mit einer gewissen Ratlosigkeit. Gerade mal acht Bilder der Künstlerinnen Daniela Siebrecht und Daniela Vogel sind zu sehen. Zwei Ölbilder von nackten, maskierten Frauen. Die eine sitzt vor dem offenen Kleiderschrank. Die andere verdeckt ihren Unterleib mit einem auf den Kopf gestellten Puppenhaus. Eine Trilogie zeigt einen jungen Mann, der eine bandagierte Hand schützend vors Gesicht hält. Es ist der Sohn von Daniela Siebrecht, die auf einer Ölskizze auch ihre Tochter festgehalten hat, wie sie morgens aus der Dusche kommt.

Blickfang Wäscheständer

Die zwei Bilder von Andrea Vogel muten wie weich fliessende Stoffe an. Sie lehnen an der Wand, erst beim näheren Betrachten entpuppen sie sich als mit Spray bearbeitete Glasplatten. Auch von ihr ist der Blickfang im Raum, ein überdimensionierter Wäscheständer aus weissem Stahl, der immerhin einen gewissen Bezug zum Ausstellungstitel «Die Wäsche entsteht im Kopf» herstellt. Im Kopf wohl deshalb, weil man sich als Betrachter erst intensiv mit dieser Kunst auseinandersetzen muss, um sie zu verstehen. So ist man doch froh über die einführenden Worte von Kunsthistorikerin Christiane Hoefert.

Textiles ohne Stoff

Was die beiden Künstlerinnen verbindet, ist ihre Ausbildung zur Textildesignerin. In diesem Sinne wäre eine Ausstellung mit textilem, stofflichem Inhalt zu erwarten gewesen. Der Bezug zum Textilen findet statt. Nicht offensichtlich, sondern in einem weiter gefassten Kontext, indem eine Basis geschaffen wird, um über Rollenbilder in der Gesellschaft, über Leistungsdruck und Schönheitswahn nachzudenken und zu diskutieren. Diese beabsichtigte Auseinandersetzung wird vom kunstinteressierten Publikum an der Eröffnung intensiv wahrgenommen, auch im Austausch mit Andrea Vogel und Daniela Siebrecht. Damit wird auch klar, dass die acht Bilder und der Wäscheständer den Raum optimal ausfüllen, selbst wenn dies auf den ersten Blick nicht ersichtlich war. Es ist eine Kunst, die nicht nur optisch wirkt, sondern auch durch die daraus entstehenden Gedanken und Diskussionen.

«Sculpture Massage»

Das zehnte Rendez-vous Ostschweizer Kunstschaffender im Projektraum am See im Kornhaus Rorschach findet noch bis 21. September statt, offen ist die Ausstellung jeweils Samstag und Sonntag von 11 bis 18 Uhr. Mit Spannung erwartet wird auch die Open-Air-Performance «Sculpture Massage» von Andrea Vogel vom kommenden Sonntag, 14. September, 11 Uhr. Dabei wird sich die Künstlerin mit der Bronzefigur von Hermann Haller auseinandersetzen. Die Skulptur wurde 1955 im Seepark aufgestellt und löste damals wegen ihrer Nacktheit in der Bevölkerung grosse Proteste aus.