WACHSTUM: Region zieht die meisten Firmen an

Mit 615 Firmengründungen ist der Wahlkreis St. Gallen im Jahr 2014 absoluter Spitzenreiter. 422 Neueröffnungen gehen jedoch auf das Konto der Stadt. In Häggenschwil waren es lediglich deren 2.

Christoph Renn
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In Mörschwil gab es im Jahr 2014 15 Firmengründungen. Damit waren es drei weniger als im Vorjahr. (Bild: Ralph Ribi)

In Mörschwil gab es im Jahr 2014 15 Firmengründungen. Damit waren es drei weniger als im Vorjahr. (Bild: Ralph Ribi)

Christoph Renn

christoph.renn

@tagblatt.ch

Im ganzen Kanton St. Gallen wurden im Jahr 2014 rund 2300 neue Unternehmen gegründet. Diese Zahlen – neuere Zahlen gibt es noch keine – veröffentlichte das Bundesamt für Statistik (BfS) in diesem Jahr. Zu den Firmengründungen zählen gemäss BfS alle Unternehmen, die «aus dem Nichts» entstanden sind. Auch Selbständigerwerbende, Start-ups oder Neuansiedlungen werden mitgezählt. Nicht eingerechnet werden «Gründungsgeschehen im primären Sektor», also dem Landwirtschaftssektor.

Im Wahlkreis St. Gallen ­wurden im Jahr 2014 615 Neugründungen registriert. Das sind 103 mehr als im Jahr davor. Hier ist jedoch zu beachten, dass 422 Gründungen alleine auf die Stadt St. Gallen fallen. Doch auch die anderen Gemeinden müssen den kantonalen Vergleich nicht scheuen. Nach St. Gallen folgen die Wahlkreise Rheintal mit 344 und Wil mit 338 Neugründungen. Der Wahlkreis Rorschach verzeichnete lediglich 193 neue Unternehmen. Auf dem letzten Platz befindet sich der Wahlkreis Sarganserland mit 139 Neugründungen.

Muolen ist unter den besten zehn

Setzt man die Neugründungen der verschiedenen Wahlkreise jedoch in Relation zur Wohnbevölkerung, nähern sich die Zahlen einander an. So ergibt sich: Auf 1000 Einwohner kommen im Wahlkreis St. Gallen 5,1 neue Unternehmen. Das ist zwar immer noch der kantonale Spitzenwert. Doch mit 4,9 Gründungen folgt das Rheintal dicht dahinter. See-Gaster, Rorschach und Wil bringen es auf 4,6 Neueröffnungen. Abgeschlagen auf dem letzten Platz folgt hier der Wahlkreis Sarganserland, wo lediglich 3,5 Gründungen auf 1000 Einwohner fallen. Interessant wird es, wenn man die Einwohnerzahlen der einzelnen Gemeinden mit den Gründungen in Relation setzt. Im Toggenburger Lütisburg kommt so fast auf jeden hundertsten Einwohner eine Neugründung, das ist kantonaler Spitzenwert. Im Wahlkreis St. Gallen liegt Muolen im Jahr 2014 mit 6 Gründungen pro 1000 Einwohner an der Spitze. Im Vergleich: In der Stadt St. Gallen liegt der Wert bei 5,6, in Gaiserwald und Gossau bei 4,7 und in Wittenbach bei 4,1. Danach folgen Eggersriet mit 4 und Waldkirch mit 3,1. In Häggenschwil waren es nur noch 1,6 Gründungen pro 1000 Einwohner. In der Region St. Gallen verzeichnet Berg SG das schlechteste Resultat mit lediglich 1,2 Neugründungen, dicht gefolgt von Häggenschwil. Mörschwil erreicht einen Wert von 4,2. Kantonales Schlusslicht ist mit lediglich 0,7 Neugründungen die Rheintaler Gemeinde Eichberg.

«Das Wichtigste an Firmengründungen sind für die Gemeinden die neugeschaffenen Arbeitsplätze», sagt Paul Bühler, Gemeindepräsident von Mörschwil. In diesem Punkt sind sich alle ­Gemeindepräsidenten einig. Und auch hier zeigt sich, dass die ­Region St. Gallen im kantonalen Vergleich Spitzenreiterin ist. So wurden mit den Neugründungen im Wahlkreis St. Gallen 822 Arbeitsplätze geschaffen, einzig das Rheintal kann mit 344 einigermassen folgen. Und auch hier ist die Stadt St. Gallen mit 572 Stellen absoluter Spitzenreiter, gefolgt von Gossau mit 120. Danach folgen Wittenbach mit 47 und Gaiserwald mit 41 Arbeitsplätzen. Eggersriet hat es immerhin auf 12 gebracht, und in Muolen waren es 8. Häggenschwil ­mit 2 neuen Arbeitsplätzen wird ­wiederum nur von Berg SG mit 1 unterboten. Nicht ersichtlich ist jedoch, wie viele Stellenprozente diese Arbeitsplätze betragen. Jede beschäftigte Person zählt in dieser Statistik als Arbeitsplatz, unabhängig vom Beschäftigungsgrad.

Es gibt nicht unbedingt mehr Unternehmen

«Natürlich ist es erfreulich, wenn es neue Arbeitsplätze in Muolen gibt», sagt Gemeindepräsident Bernhard Keller. Doch müsse man die Zahlen vom Bundesamt für Statistik mit Vorsicht geniessen, da nicht nur neue Unternehmen registriert würden. «Unternehmen tauchen auch in der ­Statistik auf, wenn sich beispielsweise ein anderes aufgelöst hat und es einen neuen Besitzer gibt.» Dann sei es wieder eine Nullrechnung. Denn eines sei ­sicher: «Viel Gewerbe- und ­Industrieland gibt es in Muolen nicht mehr», sagt Keller.

Fredi Widmer, Wittenbacher Gemeindepräsident, äussert sich ähnlich zu den Zahlen. «Es sind schon viele gute Gewerbebetriebe in Wittenbach angesiedelt.» Doch Neugründungen bedeuteten nicht immer Neuansiedlungen, sprich: «Es gibt in der Endabrechnung nicht unbedingt mehr Betriebe.» Auch in Wittenbach sei das nötige Bauland bereits voll.