Wachsen ohne Zersiedelung

Acht Jahre nach den letzten Einzonungen ist das Bauland in Mörschwil wieder knapp. Mit einem angestrebten Bevölkerungswachstum von einem Prozent pro Jahr ist dies nicht vereinbar. Der neue Richtplan zeigt Lösungen auf.

Kathrin Alder
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Bald Häuser statt Bäume? Das Gebiet Schulstrasse ist gemäss neuem Richtplan zukünftiges Bauland. (Bild: Urs Jaudas)

Bald Häuser statt Bäume? Das Gebiet Schulstrasse ist gemäss neuem Richtplan zukünftiges Bauland. (Bild: Urs Jaudas)

MÖRSCHWIL. Das Interesse in der Bevölkerung ist gross. Die fünf Tischreihen im Gemeindezentrum sind fast bis auf den letzten Stuhl besetzt. Gut 150 Leute eher mittleren Alters diskutieren eifrig miteinander, bevor Gemeindepräsident Paul Bühler die Informationsveranstaltung zum neuen Richtplan eröffnet. Die meisten haben den Plan vor sich auf dem Tisch liegen. «Hast Du gesehen, in unserem Quartier soll verdichtet werden», tönt es da. «Die sollen mir zuerst einmal erklären, was sie mit Verdichtung überhaupt meinen», wird auf der anderen Tischseite geantwortet. Keine Frage, der neue Richtplan gibt zu reden.

Grosser Bedarf an Bauland

Nach einigen Ausführungen zu Definition und Aufgabe eines Richtplans faltet Paul Bühler den alten auseinander und hält ihn hoch. «Ein wunderschönes Dokument, aus dem Jahre 1978, aber nicht mehr aktuell.» Das letzte Konzept zur räumlichen Entwicklung liegt zehn Jahre zurück. Darauf basiert der Zonenplan aus dem Jahr 2003. Da die meisten der damals eingezonten Gebiete heute bereits überbaut sind, besteht nun ein dringender Bedarf an neuen Einzonungen. Bevor der heute gültige Zonenplan allerdings revidiert werden kann, muss der Richtplan die Grundlagen aufzeigen. Ausgearbeitet wurde der Plan in Zusammenarbeit mit dem St. Galler Planungsbüro Eigenmann Rey Rietmann.

1478 Einwohner in 30 Jahren

Geschäftsleiter Daniel Rietmann übernimmt denn auch das Wort und verweist auf die Bevölkerungsentwicklung. «Seit 1980 ist das Dorf um 1478 Einwohner gewachsen. Im Vergleich zu den Wachstumsraten für den Kanton St. Gallen und den Wahlkreis Rorschach ist das Wachstum in Mörschwil gar überdurchschnittlich.» Ohne Berücksichtigung des jährlich angestrebten Wachstums von einem Prozent würde das Bauland für die nächsten zehn Jahre rein theoretisch ausreichen, sagt Rietmann. Mit dem Wachstum reiche das verfügbare Land aber gerade einmal dazu, die stetig wachsenden Platzbedürfnisse der einheimischen Bevölkerung zu stillen. Der Richtplan besteht aus den vier Kernbereichen Siedlung, Landschaft, Verkehr und Infrastruktur. Infrastrukturmässig wurde die Gemeinde in den letzten Jahren auf Vordermann gebracht. Hier besteht im Moment kein Handlungsbedarf. Bauland hingegen ist knapp. Zentral ist daher die Verdichtung bereits bestehender Wohnquartiere und die Gewinnung von neuem Bauland. Prioritär, also auf die nächsten zehn bis fünfzehn Jahre aus gesehen, sollen die Gebiete Hueb, Obermätteli, Schulstrasse und Häftlibach Süd für eine Wohnnutzung zur Verfügung stehen. Insbesondere, weil diese Gebiete bereits gut erschlossen sind und bestehende öffentliche Einrichtungen in der Nähe haben. «Ziel ist es, eine Zersiedelung zu verhindern», sagt Rietmann. Dadurch werde auch die Landschaft gestärkt.

Entwicklung ja, aber massvoll

In der Fragerunde äussern einige Bürger ihre Bedenken. Jemand fürchtet den Verlust von Landschaft, ein anderer stört sich daran, dass die Bevölkerung im Vorfeld nicht mit einbezogen wurde. Bühler versucht zu erklären: «Wir streben nach wie vor eine massvolle Entwicklung an. Aber eine Entwicklung muss auch weitergehen.» Und Rietmann fügt hinzu: «Mörschwil ist klar eine Wohngemeinde.» Allerdings müsse man dies heutzutage in einem grösseren Kontext sehen. «Raumentwicklung hört nicht an den Gemeindegrenzen auf. Wir leben nicht nur in politischen Räumen.» Zum Schluss gibt Bühler den Anwesenden einen Gedanken mit auf den Weg: «Natürlich hat Mörschwil vor 30 Jahren anders ausgesehen. Aber ohne Raumentwicklung würde jetzt wohl ein grosser Teil von Ihnen gar nicht hier wohnen.» Die Bevölkerung hat nun Zeit, bis zum 31. Dezember Stellung zu nehmen. «Bis jetzt sind die Rückmeldungen hauptsächlich positiv», sagt Bühler. Voraussichtlich im Frühjahr 2012 wird der Gemeinderat über den Richtplan beschliessen.