Wachsen, aber mit Mass

Freie Bauplätze in Mörschwil sind rar. Mit dem neuen Richtplan soll Wachstum wieder möglich sein. «Massvoll», wie der Gemeinderat betont. Einigen Mörschwilern ist das immer noch zu viel.

Corinne Allenspach
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Mörschwil vom Schloss Watt aus gesehen. Das Zentrum rund um die Kirche ist dicht besiedelt. Einzelne Lücken könnten noch gefüllt werden. (Archivbild: Urs Jaudas)

Mörschwil vom Schloss Watt aus gesehen. Das Zentrum rund um die Kirche ist dicht besiedelt. Einzelne Lücken könnten noch gefüllt werden. (Archivbild: Urs Jaudas)

MÖRSCHWIL. Rund 1500 Einwohner: Um so viele ist die 3500-Seelen-Gemeinde Mörschwil seit 1980 gewachsen. Im Vergleich zu den Wachstumsraten anderer Gemeinden im Kanton überdurchschnittlich viel, wie Daniel Rietmann vom St. Galler Planungsbüro Eigenmann Rey Rietmann sagte. Das war vor einem Jahr. Seither wurde über den Entwurf des neuen Richtplans im Dorf intensiv diskutiert.

Zu schnell und zu stark

Insgesamt gingen 36 Stellungnahmen ein. Unter anderem von den Ortsparteien, dem Gewerbeverein, der Schulgemeinde und Privaten. Die Landwirte wehrten sich praktisch geschlossen gegen eine zunehmende Zersiedelung und die Überbauung weiteren Kulturlandes, eine Arbeitsgruppe um Roman Rieger sprach sich für ein geringeres Bevölkerungswachstum aus. Die Gruppe «Naturverbundenes Mörschwil» – von Sekundarlehrer Peter Mäder und Landwirt Guido Schildknecht ins Leben gerufen – forderte gar einen Planungsstop (Tagblatt vom 4. Februar). Zu weiteren Details der Stellungnahmen will sich Gemeindepräsident Paul Bühler nicht äussern. Nur so viel: «Im Grundsatz fanden einige, Mörschwil wachse zu schnell und zu stark.» Der Kanton hingegen habe sich positiv zum Richtplanentwurf geäussert, betont Bühler: «Die vom Gemeinderat angestrebte massvolle Entwicklung wird begrüsst und unterstützt.» Der gleichen Meinung seien die Ortsparteien, die Schulgemeinde und der Gewerbeverein.

Ersatz für Richtplan von 1978

Vor kurzem wurde der neue Richtplan vom Kanton beurteilt und vom Gemeinderat genehmigt. Der rund zwei Jahre dauernde Richtplanprozess liegt als Karte im Gemeindehaus vor, mit ergänzenden Informationsblättern. Das Dokument ersetzt den Richtplan von 1978 und regelt die Entwicklung der Gemeinde in den Kernbereichen Siedlung, Landschaft, Verkehr und Infrastruktur für die nächsten 25 Jahre. Vor der Genehmigung habe der Gemeinderat die Stellungnahmen und Anregungen geprüft und beurteilt, sagt Bühler. Und entschieden, einzelne Entwicklungsgebiete zeitlich zurückzustellen. Zum Beispiel? «Dazu kann ich im Moment nichts sagen.» Wo und wann sinnvollerweise als erstes eingezont werde, müsse der Gemeinderat 2013 «genau überlegen und diskutieren». Und dann zuerst mit den betroffenen Grundeigentümern Kontakt aufnehmen, bevor man der Bevölkerung überhaupt einen Vorschlag machen könne.

35 Einwohner mehr pro Jahr

Wird Mörschwil nun dank der Stellungnahmen weniger rasch und weniger stark wachsen? «Das kann man nicht generell so sagen», so Bühler. Denn Wachstum könne die Gemeinde nur teilweise selber beeinflussen, hänge es doch stark von den betroffenen Grundeigentümern ab. Ziel des Gemeinderats sei es aber, nicht grosse Flächen auf Vorrat einzuzonen. Sondern, um das Wachstum besser steuern zu können, kleinere Flächen, über Jahre etappiert. Denn die Nachfrage nach Bauland ist in Mörschwil gross, wie Paul Bühler weiss. «Was eingezont ist, wird in der Regel in Kürze überbaut.»

Im Agglomerationsprogramm St. Gallen-Arbon-Rorschach wird Mörschwil als Gemeinde mit hauptsächlicher Wohnfunktion beschrieben. «Mörschwil wird auch weiterhin ein Dorf mit hoher Wohnqualität bleiben», versprach der Gemeindepräsident bereits vor einem Jahr. Der Gemeinderat stehe aber hinter dem Grundsatz einer «massvollen Entwicklung».

Gemäss neuem Richtplan soll das Dorf künftig um durchschnittlich ein Prozent oder 35 bis 40 Einwohner pro Jahr wachsen. Was Bühler stört: «Man redet immer nur von Einzonungen.» Aber Wachstum sei auch anders möglich: Durch inneres Verdichten, dem Füllen von Lücken im bestehenden Siedlungsgebiet. Potenzial dafür sieht der Gemeinderat etwa in den Gebieten Riederen und Alberenberg oder rund ums Alte Gemeindehaus.

Details zum Richtplan unter www.moerschwil.ch

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