Vorurteile nur schwer abbaubar

GOSSAU. Die vorberatende Kommission des Gossauer Parlaments will keinen Durchgangsplatz für Fahrende. Der Platz wird als nicht ideal empfunden. Für die Fahrenden wie auch für den Stadtrat sind die Gründe nicht nachvollziehbar.

Angelina Donati
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Durchgangsplätze für Schweizer Fahrende wie hier in Zürich sind Mangelware. Der Standort in Gossau wird als ideal erachtet. Es zeichnet sich aber weiter Widerstand ab. (Bild: keystone/Ennio Leanza)

Durchgangsplätze für Schweizer Fahrende wie hier in Zürich sind Mangelware. Der Standort in Gossau wird als ideal erachtet. Es zeichnet sich aber weiter Widerstand ab. (Bild: keystone/Ennio Leanza)

Die Emotionen um das Thema Durchgangsplatz Gossau gehen hoch. Nachdem am Montag bekannt wurde, dass sich die Mitglieder der vorberatenden Kommission mit knapper Mehrheit gegen den Durchgangsplatz zwischen St.Gallen und Gossau entschieden haben, werden die Stimmen laut. So kann es Daniel Huber, Präsident Radgenossenschaft der Landstrasse nicht fassen, dass die nationale Minderheit wie so oft nicht akzeptiert wird. «Dabei ist die Forderung des Bundes eindeutig. Im Kanton St.Gallen müssen mehrere Durchgangsplätze geschaffen werden.» Diesen Lebensraum würden die Fahrenden dringend benötigen.

Andere Kantone vorbildlich

Daniel Huber pflegte die Lebensweise der Schweizer Jenischen 25 Jahre lang selbst und weiss daher aus eigener Erfahrung, wie die Betroffenen die Zurückweisung täglich zu spüren bekommen. «Wir werden als Zigeuner beschimpft und man unterstellt uns, dass wir stehlen und Unordnung hinterlassen», sagt Huber. «Es ist mir unerklärlich, weshalb wir auch heute noch immer mit diesen Vorurteilen kämpfen müssen.» Die Jenischen, die in der Schweiz unterwegs sind, seien die «best kontrollierten Einwohner». Vom Entscheid der vorberatenden Kommission (VBK) des Gossauer Parlaments ist er enttäuscht. Die Chancen, dass sich die Parlamentarier kommenden Dienstag doch noch für den Platz aussprechen, sind laut Huber verschwindend klein. Andere Kantone hingegen würden mit gutem Beispiel vorangehen und aufzeigen, wie reibungslos das Zusammenleben funktioniere. Huber lobt besonders Graubünden und den Aargau. «Auch in St.Gallen muss es möglich sein.»

Standort ungeeignet

Konfrontiert mit den Vorbehalten gegenüber Fahrenden geben sich die Gegner des Durchgangsplatzes meist zurückhaltend. Man habe ja eigentlich nichts gegen sie einzuwenden, heisst es. Auch FDP-Kantonsrat Walter Locher, der als VR-Präsident der DGS Druckguss Systeme den Standpunkt von Industrie und Gewerbe und als Winkler die Sicht von Anwohnern vertritt, sagt, dass er die Lebensweise der Schweizer Fahrenden respektiere. Den Entscheid der vorberatenden Kommission begrüsse er aber dennoch. «Denn der Standort ist ungeeignet», sagt Locher. Für ihn steht fest, dass der angedachte Platz für Fahrende ein klarer Widerspruch zum Entwicklungskonzept ist, das Gossau zusammen mit der Stadt St. Gallen seit 2010 ausgearbeitet hat. Darin sei festgehalten, dass das Industriegebiet zu einem neuen Stadtteil mit wirtschaftlich attraktiven Nutzungen erweitert werden soll.

Gründe nicht nachvollziehbar

Der Gossauer Stadtpräsident Alex Brühwiler dementiert die Aussagen Lochers. «Die Nutzung des Areals für Fahrende steht in keinem Widerspruch zu künftigen Plänen für Gewerbeflächen.» Und auch die Gründe der VBK seien für den Stadtrat nicht nachvollziehbar. Einwendungen bezüglich Erschliessung, Lärm, Elektrosmog und nachbarrechtlichen Beeinträchtigungen seien im Baubewilligungsverfahren geklärt worden. Es liege nicht an der VBK, diese im zonenrechtlichen Verfahren neu aufzurollen. Auch sagt Brühwiler, die VBK blende die Tatsache aus, dass nicht nur der Kanton und die Stadt Gossau, sondern auch die Fahrenden selbst den Standort an der Wehrstrasse für gut befinden. Im Hinblick auf die Parlamentssitzung vom Dienstag sagt er: «Der Stadtrat würde es bedauern, wenn der Platz für Fahrende nach jahrelangen Verhandlungen und Vorbereitungen nicht realisiert werden könnte. Dann müsste der Prozess wieder von vorne beginnen.»