VORURTEILE: Hier geht die Sonne auf

Regierungspräsident Martin Klöti hat mit seinen Gästen an seiner Tour de Clichés Vorurteile entsorgt. Und er ruft dazu auf, wieder stolzer auf die Region zu sein.

Christoph Renn
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Regierungspräsident Martin Klöti, HSG-Prorektorin Ulrike Landfester und Daniel Wirth, Leiter «Tagblatt»-Stadtredaktion (von links), entsorgten an der Tour de Clichés Vorurteile, die St. Gallen aufgedrückt werden. (Bild: Hanspeter Schiess)

Regierungspräsident Martin Klöti, HSG-Prorektorin Ulrike Landfester und Daniel Wirth, Leiter «Tagblatt»-Stadtredaktion (von links), entsorgten an der Tour de Clichés Vorurteile, die St. Gallen aufgedrückt werden. (Bild: Hanspeter Schiess)

Christoph Renn

christoph.renn

@tagblatt.ch

Eigentlich hätten am Donnerstagabend im Botanischen Garten sämtliche Klischees entsorgt werden sollen, die den St. Gallern aufgedrückt werden. Regierungspräsident Martin Klöti hatte deshalb zum lockeren Gespräch im Rahmen seiner Tour de Clichés geladen. Die Vorurteile-Entsorgung ist teilweise gelungen. Am Ende der offenen Gesprächsrunde zogen Klöti und Ulrike Landfester, HSG-Prorektorin für Internationalität und regionale Verankerung dann Bilanz: St. Galler müssen mehr miteinander sprechen! Nur dann könnten Klischees und Probleme aus der Welt, in diesem Falle aus der Stadt St. Gallen, geschaffen werden. Sei es zwischen Organisatoren, Behörden und Anwohnern, wie Klöti im Bezug auf den jüngsten Vorfall mit dem Weihern-Festival festhielt, oder zwischen der Bevölkerung und der Universität St. Gallen, wie Landfester ergänzte. «Denn Studenten und Professoren der Universität sind nicht, wie uns vorgeworfen wird, abgehoben. Diejenigen, die das behaupten, haben noch nie das Gespräch mit uns gesucht.» Einen Seitenhieb gegen die Organisatoren des Smash Little WEF konnte sie sich nicht verkneifen. Die gefühlte Abgehobenheit sei wohl eher ein Kommunikationsproblem.

Sind sie einmal in St. Gallen, bleiben sie

Daniel Wirth, Leiter der «Tagblatt»-Stadtredaktion, konfrontierte Klöti und Landfester mit den gängigsten Clichés. Im Duft brutzelnder Bratwürste, die auf dem Grill auf die Besucher der Tour de Cliché warteten, startete die Diskussion um den Senf. Für Ulrike Landfester ist der Fall klar: «Es ist eine Frage des kulinarischen Niveaus.» Nicht jeder schmecke die Geschmacksnuance einer Bratwurst, die zwar bei Senf, aber nicht bei einer deftigen Zwiebelsosse verloren gehe. Klöti zeigte hingegen Verständnis für Zürcher: «Dort würde ich die Wurst auch mit Senf essen», sagte er. «Doch wer einmal in den Genuss einer richtigen St. Galler Bratwurst gekommen ist, der kann nicht mehr mit.» Ähnlich entsorgte Klöti das Klischees, wonach die Schweiz nach Winterthur aufhört. «Wo geht denn die Sonne auf?», fragte er in die Runde. Nur wer St. Gallen nicht kennt, könne das sagen. Landfester stimmte Klöti zu und ergänzte: «Wenn wir neue Mitarbeiter suchen, müssen wir ihnen die Region zuerst schmackhaft machen.» Seien sie jedoch einmal in St. Gallen, bleiben sie.

Bescheidenheit nicht zelebrieren

Am Schluss der Diskussion wurde es politisch: Die hiesigen Politiker seien nicht entscheidungsfreudig, hallte es aus dem Publikum. «Doch, das sind sie. Aber wenn in St. Gallen etwas gemacht wird, dann richtig», sagte Klöti. Eher fehle der Mut, grosse Ideen wie die Expo 2027 umzusetzen. «St. Galler müssen grosszügiger denken», fügte Landfester an. «Bescheidenheit ist eine positive Eigenschaft der St. Galler, aber zelebrieren sollten wir sie nicht.»

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