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«Vorsichtiger als Heterosexuelle»

ST.GALLEN. Trotz sprunghaftem Anstieg von HIV-Infektionen: In der St. Galler Schwulenszene herrscht ein hohes Bewusstsein über die Gefahren von ungeschütztem Sex. Dass Sextreffen vermehrt online arrangiert werden, erschwert aber die Prävention.
Tobias Hänni
Präventionsarbeit in der Schwulenszene: Informationsbroschüren am Eingang der Männersauna Mann-o-Mann. (Bild: Luca Linder)

Präventionsarbeit in der Schwulenszene: Informationsbroschüren am Eingang der Männersauna Mann-o-Mann. (Bild: Luca Linder)

«Schwule sind sich der Risiken einer Ansteckung durch HIV stärker bewusst als Heterosexuelle», sagt Johannes Schläpfer, Geschäftsleiter der Aids-Hilfe St. Gallen-Appenzell. Nachdem die HIV-Infektionen bei Schwulen im Kanton St. Gallen seit Anfang Jahr sprunghaft angestiegen sind (Tagblatt vom 18. Februar), möchte Schläpfer den Eindruck korrigieren, dass in der Schwulenszene jeder mit jedem ungeschützten Sex hat. «Nur eine kleine Minderheit hat mit wechselnden Partnern ungeschützten Verkehr.»

Diese Einschätzung teilt auch Pietro Vernazza, Chefarzt für Infektiologie am Kantonsspital St. Gallen. Er hat den Anstieg der Infektionen publik gemacht. «In der Schwulenszene herrscht ein hohes Bewusstsein über die Risiken.» Die Gefahr einer Ansteckung bestehe vor allem in Netzwerken regelmässiger Sexualpartner, die sich vertrauen und deshalb auf einen Schutz verzichten würden. «Steckt sich eine Person aus diesem Kreis an, sind die anderen schnell auch infiziert.»

Zahlen sind rückläufig

Generell entwickeln sich die Zahlen laut Vernazza aber positiv. «Seit 2008 sind die Neuansteckungen bei Männern, die Sex mit Männern haben, rückläufig.» Ein kleiner Anteil der jährlich etwa 250 Neuinfektionen werde in der Region St. Gallen registriert. «Zwischen vier und sechs Prozent», schätzt Vernazza (Kasten). Das Problem verharmlosen möchte er aber nicht. «Die lebenslange Behandlung eines HIV-Infizierten kostet eine Million Franken.» Wenn nur zehn Infektionen verhindert werden könnten, sei schon viel erreicht.

Internet erschwert Prävention

Auch wenn St. Gallen als Treffpunkt für Homosexuelle aus der Region und dem nahen Ausland gilt: In der Stadt gibt es weniger Lokale für Schwule als noch vor einigen Jahren. So ist etwa mit dem «Church» an der Linsebühlstrasse eine der letzten Schwulenbars in St. Gallen verschwunden. «Viele Homosexuelle gehen nach Zürich in den Ausgang», sagt Schläpfer. Ausserdem werde immer mehr übers Internet und mit Handy-Applikationen Kontakt zu möglichen Sexualpartnern geknüpft. «Sextreffen werden nicht mehr in Bars, sondern online abgemacht.»

Für die Präventionsarbeit ist diese Anonymisierung eine problematische Entwicklung. «Vor allem junge Homosexuelle erreichen wir so weniger gut als früher», sagt Schläpfer. Die Männersauna Mann-o-Mann sei eines der wenigen Lokale in der Stadt, wo die Schwulenszene noch fassbar sei. «Dort legen wir auch Broschüren auf und bieten regelmässig Aids-Tests an», sagt Schläpfer. Das Angebot stosse nicht auf Widerstand, sondern werde im Gegenteil sehr geschätzt.

Verantwortung beim Einzelnen

«Wir bemühen uns darum, dass sich unsere Gäste schützen», sagt Walter Kost, Geschäftsführer des Saunabetriebs. Als Mitglied des Vereins «Gay-Betriebe Schweiz» habe man sich unter anderem verpflichtet, Präventionsmaterial und Kondome in der Sauna aufzulegen. Ob diese konsequent benutzt werden, kann Kost nicht sagen. «Das liegt letztlich in der Eigenverantwortung jedes einzelnen Besuchers.»

Angst vor einer HIV-Epidemie sei bei den Saunagängern keine zu spüren. «Es wurde nur wenig über die Infektionswelle diskutiert», sagt Kost. Wer sich der Gefahren bewusst sei und sich entsprechend schütze, brauche keine Angst zu haben. «In der Regel wissen unsere Gäste um die Gefahren.»

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