VORFREUDE: Sandskulpturen heben ab

Noch dominieren dort Baumaschinen, doch ab August wird die Arionwiese in Rorschach zum 19. Mal von Sandkünstlern in Beschlag genommen. Für das neue Thema muss sich Urs Koller ordentlich ins Zeug legen.

Rudolf Hirtl
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Urs Koller, künstlerischer Leiter und Initiant des Festivals in Rorschach, wirft für das perfekte Foto kübelweise Sand in die Luft. (Bild: Rudolf Hirtl)

Urs Koller, künstlerischer Leiter und Initiant des Festivals in Rorschach, wirft für das perfekte Foto kübelweise Sand in die Luft. (Bild: Rudolf Hirtl)

Rudolf Hirtl

rudolf.hirtl@tagblatt.ch

Urs Koller, Leiter und Initiant des weit über Rorschach hinaus bekannten und beliebten Festivals, formt einen Haufen Sand auf einer Holztafel. Auf das Kommando des Fotografen schleudert er das weissgelbe Material in den Himmel. Nicht zu fest, damit es nicht zu sehr zerstiebt, aber auch nicht zu wenig, damit es in kleinere Brocken zerfällt. Er wiederholt den Vorgang so lange, bis das optimale Bild im Kasten ist. Am heissen Freitagnachmittag kommt der heimischer Bildhauer dabei ordentlich ins Schwitzen, macht dem diesjährigen Motto des Festivals alle Ehre. «survival of the fittest», also «Der Stärkste überlebt», ist nämlich die Vorgabe, die von zehn Zweierteams umgesetzt werden muss. Gebildet von einigen der weltbesten Carver, wie die Sandkünstler in der Szene bezeichnet werden.

Verfolg wird die Szenerie am Seeufer von Jan Hasler, Creativ Director der Werbeagentur Vitamin 2 aus St. Gallen. «Er hat mir spontan angeboten, die Gestaltung von Flyer und Plakat zu übernehmen», sagt Urs Koller und zeigt sich dankbar darüber, dass es immer wieder Menschen gibt, die ihre Hilfe für das Festival in Rorschach anbieten. Und wieso schmeisst er nun kübelweise Sand in die Luft? Ein Blick auf die Ideenskizze von Jan Hasler lässt es erahnen. Ein implodierender Sandhaufen. Quasi der Urknall des Festivals, dass im kommenden Jahr bereits den ­ 20. Geburtstag feiert. Aber auch ein Fingerzeig auf die Welt, die momentan völlig aus den Fugen zu geraten scheint.

«Wir können uns uneingeschränkt ausdrücken»

«An den Geschehnissen kann niemand vorbeisehen, Syrien, Sahelzone, Klimakatastrophe. Ich bin überzeugt davon, dass die Künstler tolle Skulpturen schaffen werden, die auch etwas aussagen», sagt Koller. Mit dabei sein werden auch Dmitriy Klimenko und Ivan Zverev aus Russland, die vergangenes Jahr Jury- und Publikumspreis gewonnen haben. «Sie haben ganz scheu angefragt, ob sie wieder teilnehmen dürfen. Sie haben nicht gewusst, dass sie als Sieger automatisch qualifiziert sind», sagt Koller und lächelt. Dmitriy Klimenko zeigt sich dankbar. «Rorschach ist das wertvollste Festival für uns, weil wir uneingeschränkt unsere Kunst ausdrücken können.» Wer sonst noch zu den zehn Teams gehören wird, steht noch nicht definitiv fest. Das Auswahlverfahren läuft noch.

Hinweis

19. Internationales Sandskulpturen-Festival, Künstler bei der Arbeit vom 12. bis 19. August, Ausstellung bis zum 10. September.