Vor wegweisenden Fragen

WALDKIRCH. Schulhaus, Strassensanierung, Suche nach neuem Gemeindepräsidenten: Das sind nur einige Themen, die Waldkirch aktuell beschäftigen. Bevor Gemeindepräsident Franz Müller Ende Jahr den Hut nimmt, will er noch vieles erledigen.

Angelina Donati
Drucken
Teilen
Franz Müller Gemeindepräsident Waldkirch (Bild: Ralph Ribi)

Franz Müller Gemeindepräsident Waldkirch (Bild: Ralph Ribi)

Herr Müller, noch bis Ende Jahr sind Sie Gemeindepräsident. Nach 26 Jahren gibt es einen Wechsel. Derzeit wird ja Ihre Nachfolge gesucht. Sind Sie involviert?

Franz Müller: Ja genau, im Mai 2015 hatte ich bekanntgegeben, dass ich nicht mehr kandidieren werde. Und nun wird mittels Inseraten nach einer Nachfolgerin oder einem Nachfolger gesucht. Involviert bin ich bei dieser Suche nicht. Das ist auch richtig so. Natürlich bin ich aber gespannt darauf, wer dann das Amt übernehmen wird.

Ihr Amt ist mit 100 Stellenprozenten dotiert. Der neue Gemeindepräsident soll noch 80 Prozent arbeiten. Lässt sich das mit den anfallenden Aufgaben vereinbaren?

Müller: Genau genommen arbeite ich 120 Prozent (lacht). Gemeindepräsident ist man schliesslich rund um die Uhr. Auch gibt es regelmässig Veranstaltungen, denen man aus Repräsentationszwecken beiwohnen sollte. Daneben nehme ich zusätzlich verschiedene Verwaltungsfunktionen wahr. Ob sich die Arbeit nun mit einem 80- oder mit einem 100-Prozent-Pensum bewältigen lässt, wird vom neuen Aufbau der Verwaltung abhängig sein.

Franz Müller Gemeindepräsident Waldkirch (Bild: Ralph Ribi)

Franz Müller Gemeindepräsident Waldkirch (Bild: Ralph Ribi)

Welche Kenntnisse und Eigenschaften sollte Ihre Nachfolgerin oder Ihr Nachfolger mitbringen?

Müller: Die Person müsste über fundiertes Sach- und Fachwissen in den Bereichen Recht, Finanzen und Personalführung verfügen. Auch bereits gemachte politische Erfahrungen sind von Vorteil. Er oder sie muss auch zwingend kritikfähig sein und einen breiten Rücken haben. Denn die Kritikfreudigkeit der Bürger nimmt stetig zu. Auch Verhandlungsgeschick und Kollegialität sind wichtig.

Sollte Ihr Nachfolger denn aus Waldkirch oder Bernhardzell sein?

Müller: Nein, nicht unbedingt. Es kann auch durchaus Vorteile haben, wenn jemand unvoreingenommen das Amt übernehmen kann. Nach einer Übergangsfrist muss er oder sie den Wohnsitz von Gesetzes wegen ohnehin nach Waldkirch oder Bernhardzell verlegen.

Vergangenes Wochenende wurde das Siegerprojekt des geplanten Neubaus des Primarschulhauses Breite den Bürgern präsentiert. Welche Reaktionen gab es?

Müller: Die einen fanden das Siegermodell «das doppelte Lottchen» eine gute oder die beste Lösung überhaupt. Andere hingegen bemängelten einige Punkte oder machten sich Gedanken zu den Kosten. Allerdings ist das Investitionsvolumen noch gar nicht bekannt.

Wie geht es mit dem Projekt weiter?

Müller: Um das Bauvorhaben weiter bearbeiten zu können, ist ein Kredit von voraussichtlich 386 000 Franken nötig. Über diesen wird an der Bürgerversammlung vom März im Rahmen des Budgets abgestimmt.

Was, wenn Nein gestimmt wird?

Müller: Das würde «zurück auf Feld A» bedeuten. Dass im Bereich Schulbauten Handlungsbedarf besteht, ist allerdings unbestritten. Mit einem eindeutigen Ja haben das auch die Bürger bei der Abstimmung über den Projektierungskredit für den Architekturwettbewerb klar signalisiert. Das Projekt ist vielfältig. Es geht um weit mehr als den Kindergarten Steig. Eine Auslagerung der Bibliothek schafft im Oberstufenzentrum mehr Platz, und auch dem Raumbedarf für Mittagstisch und Musikschule muss Rechnung getragen werden. Hinzu kommen die heutigen Schulbedürfnisse, die es abzudecken gilt.

Welches waren die wichtigsten Projekte 2015 nebst dem Architekturwettbewerb für das Schulhaus?

Müller: Dazu zählen zahlreiche Strassen- und Kanalisationsprojekte, die wir abschliessen konnten. Ein Vorwärtskommen gab es auch bei einigen Bachsanierungen. Wieder ins Rollen gebracht wurde die Sportstättenplanung. In einer Petition, die 338 Personen unterschrieben haben, wird der Gemeinderat aufgefordert, sich des Projekts anzunehmen. 2008 wurde dieses ja vom Volk mit 565-Nein- zu 535-Ja-Stimmen abgelehnt. Die neue Vorlage kann voraussichtlich 2017 unterbreitet werden. Ausserdem wurden die Bauarbeiten zum Wohn- und Pflegezentrum Wiborada abgeschlossen. Und auch das Nein der Bürger zum Verkauf des Baulands in der Dorfegg ist eines der Ereignisse.

Wie geht es denn weiter mit dem Projekt Dorfegg?

Müller: Noch immer sind Gewerbe und Parteien aufgerufen, Vorschläge zu machen. Bislang haben wir keine erhalten. Das Thema bleibt aber nach wie vor bestehen und muss erneut diskutiert werden. Es ist nun mal so, dass nebst älteren auch viele junge Erwachsene gerne in unserer Gemeinde leben möchten, es aber zu wenig neuwertige Wohnungen gibt.

Was liegt Ihnen besonders am Herzen?

Müller: Ganz klar: Die Schulhausfrage. Unsere Schule war bislang immer gut geführt. Und auch räumlich darf sie jetzt keine Einbusse erfahren. Mir ist es zudem ein Anliegen, in meinem letzten Amtsjahr das Strassensanierungsprojekt noch abschliessen und erste Pläne zu einem Glasfasernetz präsentieren zu können. Auch finanziell ist unsere Gemeinde auf einem guten Weg. Den Steuerfuss von aktuell 135 Prozenten können wir weiter halten. Trotz der vielen Investitionen ist unsere Gemeinde schuldenfrei geworden, was nicht selbstverständlich ist.

Noch im laufenden Jahr sollen die Bürger über den Investitionskredit des geplanten Primarschulhaus-Neubaus abstimmen. (Bild: Urs Bucher)

Noch im laufenden Jahr sollen die Bürger über den Investitionskredit des geplanten Primarschulhaus-Neubaus abstimmen. (Bild: Urs Bucher)

Aktuelle Nachrichten