Vor der Mathe ins Kung-Fu

Im Schulhaus St. Leonhard beginnen die Kinder den Tag mit Kung-Fu. Dabei sollen sich die Schüler für den Tag sammeln. Was als dreiwöchiges Experiment geplant war, fand bei Lehrern und Schülern grossen Anklang.

Elisabeth Reisp
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Die 3.- bis 6.-Klässler vom St. Leonhard machen jeden zweiten Morgen Kampfsport für eine verbesserte Konzentration. (Bild: Michel Canonica)

Die 3.- bis 6.-Klässler vom St. Leonhard machen jeden zweiten Morgen Kampfsport für eine verbesserte Konzentration. (Bild: Michel Canonica)

Fast wie kleine Mönche folgen die Schüler in beeindruckender Stille der Lehrerin aus der Turnhalle. Die Kinder haben soeben ihre morgendlichen Kung-Fu-Übungen gemacht. Die daraus gewonnene Ruhe sollen sie soweit als möglich in den Tag mitnehmen. Deshalb der schweigende Abgang. Und es klappt.

Fernsehen vor Schulbeginn

Die Schule St. Leonhard lässt ihre 3.- bis 6.-Klässler mit Kampfsport den Tag beginnen, dreimal die Woche. Was als Experiment zwischen Neujahr und Sportferien gedacht war, wird bis zu den Sommerferien weitergeführt. Auf Wunsch der Lehrer und Schüler und zur Zufriedenheit der Eltern. «Seit sie trainieren, beginnen unsere Schüler den Tag viel ruhiger und konzentrierter», sagt Lehrerin Christa Zingg. Die Kinder, die teilweise vor Schulbeginn bereits ersten Fernsehkonsum hinter sich haben, seien danach «geerdet» und «eingemittet».

Kung-Fu-Trainer Genaro Migliozzi weiss, was bei den Übungen mit den Kindern geschieht: «Die gegenläufigen Bewegungsabläufe im Kung-Fu regen beide Hirnhälften an.» Was die Kinder da machen, ist vor allem Hirntraining. Das Hirn habe ziemlich viel zu verarbeiten, sagt der Instruktor. Am Anfang «raucht das Hirn davon», später werde es fitter. Eine gestärkte Konzentration ist das Ziel. Dass die Kinder noch etwas Selbstverteidigung dabei lernen, sei ein «angenehmer Nebeneffekt».

Migliozzi ist streng und präsent, Faxen duldet er keine. «50 Liegestützen. Jetzt. Noch einmal grinsen und daraus werden 100», sagt er zu einem Schüler, der Unfug treibt. Der Knabe legt sich blitzschnell auf den Boden und beginnt zu stemmen. 16 Liegestützen macht er spielend, dann beginnen die Arme zu brennen. Er muss eine Pause einlegen, beisst sich aber weiter. Er schafft 44, Migliozzi klopft ihm auf die Schulter.

Dafür keine Waldstunde mehr

Kung-Fu war eines unter vielen Angeboten am letzten Sporttag. «Uns ist aufgefallen, wie konzentriert die Kinder gerade diesen Posten mitgemacht haben», sagt Schulleiter Urban Fuchs. Daraus entstand irgendwann die Idee des Morgentrainings. Die drei halbstündigen Trainings pro Woche gehe zulasten der «Waldstunde». Ob die Schule das Kung-Fu-Training nach den Sommerferien weiterzieht oder die Klassen wieder für zwei Stunden in der Woche in den Wald schickt, weiss Fuchs noch nicht.

Die Kinder hätten damit wohl kein Problem. Im Gegenteil, sie akzeptieren das Training und haben Freude daran. Die elfjährige Juliette findet, «es erleichtert und macht Spass». Und auch der Unfug treibende Schüler macht seine fehlenden sechs Liegestützen am Schluss fast freiwillig.

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