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Vor dem «Götterschock»

ST.GALLEN. Am 21. Dezember 2012 erwarten esoterische Kreise den Weltuntergang. Aber Georg Schmid entzaubert die Untergangspropheten als Konstrukteure eines wilden Eso-Mix.
Daniel Klingenberg
Kein Weltuntergang: Esoterik-Kenner Georg Schmid im Palace. (Bild: Benjamin Manser)

Kein Weltuntergang: Esoterik-Kenner Georg Schmid im Palace. (Bild: Benjamin Manser)

Der 21. Dezember 2012 wird in der esoterischen Szene als Tag des Weltuntergangs gehandelt. Beleg dafür sei das Ende eines Maya-Kalenders. Je nach Sichtweise kommen an diesem Tag die Götter zurück oder ein neues Zeitalter bricht an. Georg Schmid, Leiter der Informationsstelle «Relinfo» über Kirchen, Sekten und Religionen in Rüti ZH, zeigte diese Vorstellungen als Konstruktionen, gespeist aus verschiedensten religiösen und esoterischen Traditionen. Und, falls jemand einen Weltuntergangs-Gläubigen kenne, legte er dem gut gefüllten Palace-Saal ans Herz: «Kümmern Sie sich am 22. Dezember um ihn, er braucht Sie dann als Beistand.»

«Leider nicht lesbar»

Georg Schmid und sein gleichnamiger Vater sind – neben Hugo Stamm – die bedeutendsten Kenner der Sekten- und Eso-Szene. Die Schmids – dass ihre Stimmen zum Verwechseln ähnlich sind, macht das Unterscheiden nicht ganz einfach – haben ein grosses Wissen, das sie wohlstrukturiert und ohne polemische Seitenhiebe weitergeben. Manchmal allerdings blitzt im etwas abgeschliffenen Bündner Dialekt Ironie auf.

Die aktuellen Weltuntergangs-Spekulationen – auch von Roland Emmerichs Film «2012» – gehen von der mittelamerikanischen Hochkultur der Mayas aus. Sie erlebte ihre klassische Zeit in den Jahren von 250 bis 900 nach Christus. Die Schöpfung datierten sie auf 3114 vor Christus – am 21. Dezember 2012 sollen 13 «Baktun», eine massgebliche Zeiteinteilung, abgelaufen sein. Und sie praktizierten die «Tages-Mantik»: Für das Vorhersagen der Zukunft waren bestimmte Tage entscheidend. «An ähnlichen Tagen sind ähnliche Ereignisse zu erwarten.» Was heisst, dass für den 21. Dezember etwas Ähnliches wie am Schöpfungstag – Untergang? Neuschöpfung? – zu erwarten wäre. Tatsächlich findet sich auf einer Stele die Inschrift, dass an diesem Tag ein Maya-Gott «herabsteigen» wird. Ein Teil, nämlich was er tun wird, fehlt aber: «Die entscheidende Passage ist nicht lesbar», sagte Schmid lapidar.

New Age und Maya-Kultur

Davon ausgehend gebe es zwei Theorien. Für den unverwüstlichen Erich von Däniken steht uns ein «Götterschock» bevor. Erstmals seit der «grossen Flut», wohl der biblischen Sintflut, kehren die Götter zurück. Falls dem dann doch nicht so ist, relativiert er vorsorglich diese These. Anders als andere Untergangspropheten hat von Däniken nämlich gute Chancen, dieses Datum selber zu erleben. Verbreiteter ist aber die Ansicht, dass kurz vor den nächsten Weihnachten ein neues Zeitalter beginnt: New-Age-Denken wird mit dem Maya-Kalender verlinkt.

Gruppenbild mit Wolken

Die Vorstellung ist, dass mit Hilfe «aufgestiegener Meister» wie Buddha, Jesus oder Moses – «diese Leute haben eine sehr basisdemokratische Religionsvorstellung» – bestimmte Menschen einen Aufstieg in eine neue Bewusstseinsdimension erlangen. Schmid zeigte auch ein wunderschönes «Gruppenbild auf Wolken» der Meister. Bereits jetzt helfen sie sogenannten «Lichtarbeitern» dieser Erde mehr Spiritualität zu vermitteln. Am 21. Dezember soll der Aufstieg der Menschen, die dafür bereit sind, abgeschlossen und damit ein «neues Zeitalter mit einem neuen Bewusstsein» Tatsache sein. Da man daran zweifeln kann, ob dies eintritt, gibt es auch hier verschiedene Relativierungen. Schmid schätzt, dass in der Schweiz bis zu 200 000 Menschen dieser Theorie oder Modifikationen anhangen.

Das Referat lässt keine Zweifel, dass die 21.-Dezember-Spekulationen aus kruden Denkecken kommen. Ist für Schmid damit auch eine Energiewende und bewussterer Umgang mit Natur und Mitmensch vom Tisch, wie es Bevölkerungskreise auch mit einer neuen Zeit verbinden? «Das habe ich keineswegs gesagt», wehrte er sich an der Palace-Bar. Aber im Referat sei es um Untergangsthemen gegangen, die bei der «Relinfo»-Beratung auftauchen.

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