Von wegen fünf Wochen Ferien

Die Sommerferien stehen vor der Tür – und damit auch die alte Polemik um die Ferien der Lehrerinnen und Lehrer. Sind fünf Wochen unterrichtsfreie Zeit im Sommer zu viel? Zwei Lehrerinnen aus Rorschacherberg nehmen Stellung.

Valentin Schneeberger
Merken
Drucken
Teilen
Leere Schulzimmer: In einer Woche sind hier nur noch die Lehrer anzutreffen. (Bild: ky/Gaëtan Bally)

Leere Schulzimmer: In einer Woche sind hier nur noch die Lehrer anzutreffen. (Bild: ky/Gaëtan Bally)

RORSCHACHERBERG. Die Schülerinnen und Schüler können es kaum erwarten: Nur noch sieben Tage, dann ist das Schuljahr 2012/2013 Geschichte und die langersehnten Sommerferien stehen an. Auch den Lehrerinnen und Lehrern bleibt während der unterrichtsfreien Wochen Zeit, um sich vom Schulstress zu erholen. Sich fünf Wochen auf die faule Haut zu legen, scheint jedoch keine Option zu sein.

Aufräumen, Ferien, Vorbereiten

«Die erste Woche der Sommerferien habe ich mir fürs Aufräumen reserviert», sagt Jenny Tolomei. Die 25-Jährige unterrichtet seit einem Jahr im Schulhaus Steig in Rorschacherberg. Sie ist Klassenlehrerin einer 1. Realschulklasse. «Ich muss Bücher zurückgeben und Unterrichtsmaterial sortieren. Danach gönne ich mir zehn Tage Ferien im Ausland.»

Wieder zurück in der Schweiz will sie sich optimal auf das neue Schuljahr vorbereiten. Denn auf sie und ihre Klasse warten im zweiten Oberstufenjahr neue Herausforderungen. «Die Schüler müssen sich mit dem Thema Berufswahl befassen. Zudem erhalten sie ein neues Englisch-Lehrmittel für das zweite Unterrichtsjahr. Dieses will ich noch besser kennenlernen, damit ich die Lektionen vorbereiten kann», sagt sie.

Vorbereitung ist alles

Jenny Tolomei kennt die Sprüche über die vielen Ferien der Lehrer. Dagegen wehrt sie sich entschieden: «Ich nutze einen wesentlichen Teil der Schulferien für die Vorbereitung. Schliesslich will ich, dass mein Unterricht spannend und aktuell bleibt.» Besonders als Junglehrerin sei die Vorbereitung extrem wichtig, da in gewissen Situationen noch keine Routine vorhanden sei.

Auch für Berufskollegin Sabine Schultze, die bereits seit über 20 Jahren unterrichtet, ist eine gute Vorbereitung das A und O. Nebst ihrer Aufgabe als Klassenlehrerin einer 1. Sekundarschulklasse unterrichtet sie im Schulhaus Steig auch Mathematik, Bio, Physik, Chemie, Informatik und Lebenskunde. «Ohne eine Vorbereitungszeit von mindestens drei Wochen geht es nicht», sagt sie.

Neues Schulmaterial müsse bestellt und altes aussortiert werden. Und auch die Unterrichtsplanung bis zu den Herbstferien nehme viel Zeit in Anspruch. «Diesen Sommer habe ich zwei Wochen Ferien eingeplant», sagt die 51-Jährige. Dann wolle sie ihren Laptop beiseite lassen und sich entspannen.

Stress vor den Ferien

Bevor es soweit ist, steht für die Lehrerinnen noch einiges auf dem Programm. «Gegen Ende des Schuljahres kommt viel zusammen», sagt Sabine Schultze. Vor den Sommerferien müssen noch die Zuweisungsanträge gestellt, Elterngespräche geführt und Schlussveranstaltungen organisiert werden. «Die Belastung so kurz vor Schulschluss ist teilweise schon fast grenzwertig», sagt sie.

Einzig das Ausstellen der Zeugnisse bereite nicht mehr so viel Aufwand wie früher. «Ein Grossteil der Notenberechnung übernimmt heute der Computer. Wir müssen die Zeugnisse praktisch nur noch unterschreiben.»