Von Volksentscheiden und Verantwortung

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Peter Jans
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Christoph Solenthaler, der Präsident der städtischen Hauseigentümer, sorgt sich um die Finanzlage der St. Galler Stadtwerke («Tagblatt» von gestern). Das ist gut so, denn diese Unternehmung gehört den Bürgerinnen und Bürgern der Stadt, und es ist unsere erste Pflicht, eine langfristig gesunde Finanzierung zu gewährleisten. Die St. Galler Stadtwerke (SGSW) sind dabei von ihrem Grundauftrag geleitet, die städtischen Einwohnerinnen und Einwohner ökologisch und wirtschaftlich mit Strom, Wärme, Gas, Wasser und Kommunikationsinfrastruktur zu versorgen.

Zu den gestern von Christoph Solenthaler erwähnten Zahlen ist immerhin zu sagen, dass die SGSW 2016 pro Vollzeitstelle nicht nur 633000 Franken Umsatz ausweisen, sondern 763000 Franken. Das und viel mehr lässt sich dem im Internet publizierten Geschäftsbericht entnehmen. Wie hoch die Ablieferungen der SGSW an die Stadt sein sollen, ist nicht zuletzt eine politische Frage. Fest steht, dass alle Leistungen mittels Gebühren von den jeweiligen Nutzerinnen und Nutzern finanziert werden. Mehr Ablieferungen hiesse somit auch höhere (Strom-, Gas-, Wärme-)Gebühren. Hier muss mit Bedacht abgewogen werden.

Eine Momentaufnahme lässt wenig Rückschlüsse zu, wenn sie nicht mit Blick auf die Entwicklung der letzten Jahre gemacht wird. 2010 hatten die SGSW ein Dotationskapital von der Stadt St. Gallen im Umfang von 100 Millionen Franken investiert. Dann kamen die Volksentscheide zum Bau eines Geothermiekraftwerks (netto 42 Millionen Franken), zur ersten Ausbauphase der Fernwärme (82 Millionen Franken) und zum Bau eines städtischen Glasfasernetzes (78 Millionen Franken). Damit erklärt sich, weshalb die SGSW zur Zeit einen weit grösseren Betrag als Dotationskapital verbuchen als früher. Dem Pionierprojekt der Geothermie war bekanntlich kein Erfolg beschieden. Die getätigten Ausgaben werden keinen Ertrag generieren. Sie mussten abgeschrieben werden und belasten die Rechnung der Stadtwerke stark.

Die Investitionen in die Fernwärme und das Glasfasernetz hingegen bringen Erträge und werden über ihre Nutzung in den nächsten Jahrzehnten refinanziert. Und ebenso wichtig: Die Stadt St. Gallen verfügt über eine energieeffi-ziente Versorgung mit sowieso anfallender Wärme aus der Abfallverbrennung. Und sie verfügt über ein Kommunikationsnetz, das für die Herausforderungen der digitalen Transformation schweizweit als beispielhaft gilt. Und das sind – genau wie der weitere Ausbau des Fernwärmenetzes – wichtige Investitionen in die Zukunft unserer Stadt.

Peter Jans

Stadtrat/Direktor Technische Betriebe