Von Problemen anderer lernen

Planungsdiskussionen in Basel und Luzern gehen ähnlichen Fragen nach, wie sie sich in St. Gallen stellen. Etwa hinter dem Hauptbahnhof, in St. Fiden oder St. Gallen West. Das zeigten Beispiele, die im Architekturforum präsentiert wurden.

René Hornung
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Auch ein Fall für eine breitabgestützte Planung? Der Bahnhof St. Fiden. (Bild: Urs Bucher)

Auch ein Fall für eine breitabgestützte Planung? Der Bahnhof St. Fiden. (Bild: Urs Bucher)

Die Stadt St. Gallen plant in verschiedenen Gebieten ihre Zukunft. Das ist in Basel und Luzern nicht anders. Auch die Probleme sind in allen drei Städten immer wieder die gleichen. Das zeigten auswärtige Fachleute am Montagabend im Architekturforum im Lagerhaus auf Einladung des Bundes Schweizer Architekten (BSA).

Gefährliche Missverständnisse

Welche Zukunftsbilder sollen der Öffentlichkeit im Rahmen einer partizipativen Planung für ein Areal gezeigt werden? Diese Frage stellte Jürg Degen, der im Stadtkanton Basel die Areal- und Nutzungsplanung leitet. Am Beispiel des Rheinhafens erläuterte er, wie abstrakte Volumendarstellungen von der Bevölkerung plötzlich als Bauprojekte interpretiert wurden. An diesem Missverständnis entzündete sich gar Fundamentalopposition. Auf einem anderen Basler Planungsgebiet, dem Dreispitz, geht nach 14 Jahren Arbeit jetzt nichts mehr, weil die heutigen Mieter und Baurechtsnehmer mit den Planungszielen nicht einverstanden sind. Hier habe man wohl zu stark vom Amt aus geplant und etwas zu spät das Gespräch gesucht, räumte Degen ein.

Politik zog den Kürzeren

Aus Luzern wurden zwei Projekte vorgestellt: Architekt Cla Büchi zeigte, wie Anwohnerinnen und Anwohner die Initiative Industriestrasse bei den Stimmberechtigten durchbrachten und wie in einem partizipativen Prozess ein Quartierprojekt entstand. 160 Wohnungen und 150 Arbeitsplätze zu moderaten Mietpreisen sollen dort entstehen. Die Initiative war eine Reaktion auf die Absichten der städtischen Politik, das heute von vielen Künstlern und Kreativen genutzte Areal an einen Investor zu verkaufen. Jetzt wird es im Baurecht an Genossenschaften vergeben. Dieser Prozess sei allerdings steinig, denn die Politik habe ihre Niederlage immer noch nicht wirklich verdaut. Inzwischen sei man aber so weit, dass bald konkrete Bauprojekte ausgearbeitet werden könnten.

Verkehrsplaner mit viel Einfluss

Das zweite Luzerner Beispiel präsentierte Andreas Sonderegger, Partner von «Pool Architekten» in Zürich und auch Mitglied des Sachverständigenrates für Baukultur der Stadt St. Gallen. Es geht um die Entlastung und die Sanierung des Verkehrsknotenpunktes Seetalplatz in Luzern. Gleichzeitig sollen in der Umgebung des nahen Mündungsgebiets von Kleiner Emme und Reuss neue Überbauungen entstehen. Sonderegger thematisierte an diesem Beispiel den grossen Einfluss der Verkehrsplaner auf solche Projekte. Die Stadtplaner hätten den Ingenieuren neue Lösungen geradezu «abtrotzen» müssen. Hier geht es aber auch um unterschiedliche Interessen von Stadt und Kanton: Der Kanton besitzt grosse Areale in diesem Gebiet und möchte dafür eine möglichst hohe Ausnützung erreichen. Die Stadt wiederum versucht, auch öffentliche Räume und Plätze zu sichern.

Viele Stellen beteiligt

Eine ganz andere Rolle hat Johannes Eisenhut, der die St. Galler «Senn Development» leitet. Er zeigte im Architekturforum auf, wie viele politische und Verwaltungsstellen in eine grossen Planung involviert sind, und er plädierte für eine frühe und offene Kommunikation mit allen. Ein Investor könne sich heute nicht mehr einfach eine schöne Welt ausdenken, diese bauen und dann Käufer und Mieter suchen. Man müsse von Anfang an mit dem Zielpublikum den Kontakt suchen und dessen Erwartungen evaluieren. Dazu sei es oft nötig, an einem Prototyp zu testen, ob Erwartungen und Realität übereinstimmen. Architekten sollten sich vor solchen Prozessen nicht scheuen.

Partizipation und Kooperation

Die Diskussion nach den Präsentationen zeigte, dass der partizipative Prozess mit Einbezug der interessierten Kreise und der betroffenen Bevölkerung eine gute Methode ist, um zu einer «Bestellung» für ein zu überbauendes Areal zu kommen: Was soll darauf alles passieren? Wie soll der Mix von Wohnen und Arbeiten aussehen? Wenn es danach aber um die konkreten Gebäude gehe, sei eine «kooperative» Planung der bessere Weg, hiess es.