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Von der Ostschweiz in den Osten

22 Schüler der Kantonsschule am Burggraben nahmen an einem Austausch mit Krakau teil. Paula Zimmermann und Adrian Mettler haben dabei polnische Herzlichkeit und Unterschiede in Tradition, Religion oder Fahrstil kennengelernt.
Kathrin Reimann
Adrian Mettler und Paula Zimmermann kehrten letzten Monat begeistert von ihrem Austausch in Krakau nach St. Gallen zurück. (Bild: Urs Bucher)

Adrian Mettler und Paula Zimmermann kehrten letzten Monat begeistert von ihrem Austausch in Krakau nach St. Gallen zurück. (Bild: Urs Bucher)

Für eine Woche in das Krakauer Leben eintauchen, bei einer Gastfamilie wohnen, das Gymnasium, Auschwitz, ein Salzbergwerk oder das ehemalige jüdische Viertel besuchen. 40 Schüler der Kanti am Burggraben hatten sich für einen solchen Austausch beworben. 22 von ihnen durften dann Mitte März in einen klapprigen tschechischen Nachtzug steigen und nach Krakau fahren. Die beiden 17-Jährigen Paula Zimmermann und Adrian Mettler waren vor allem von der polnischen Gastfreundschaft begeistert. Und das trotz Vorurteilen. «Die sich aber nicht bestätigten», wie Adrian Mettler sagt. Im Gegenteil: Obwohl viele Gastfamilien eher arm waren, hätten sie den Austauschschülern ihr letztes Hemd gegeben. «Bei manchen haben sich ganze Familien ein Zimmer geteilt oder in der Küche geschlafen, damit ein Schüler ein eigenes Zimmer hat», sagt Paula Zimmermann.

Tradition und Religion

Ausserdem hätten sie ständig Essen aufgetischt bekommen. «Die Polen essen viermal am Tag, und für sie ist es das Schlimmste, wenn ein Gast hungrig bleibt.» Auch wichtig ist den Polen ihre Religion. «In Krakau wimmelt es nur so von Kirchen», sagt Mettler. Auch seien die polnischen Austauschschüler sehr traditionell und religiös gewesen. Einen Tag lang besuchten die Austauschschüler aus St. Gallen das Gymnasium in Krakau, welches zwar sehr schön, aber auch heruntergekommen sei. «Ausserdem war die Schule etwa halb so klein wie unsere, hat aber gleich viele Schüler wie in St. Gallen.» Die polnischen Schüler hätten dann Vorträge gehalten und anschliessend traditionelle Tänze aufgeführt und die St. Galler aufgefordert, ihren Volkstanz zu präsentieren. «Das konnte keiner von uns, wir haben aber dafür <Es Burebüebli> gesungen», sagt Zimmermann.

Mit 60 km/h durchs Quartier

Unterschiede sieht sie zwischen den Austauschschülern auch, was das politische Engagement anbelangt. «Wir wurden an eine Demonstration gegen den Rechtsrutsch in der Regierung eingeladen. In meinem Umfeld kenne ich niemanden, der je an einer Demo war», sagt Zimmermann. Auch die Fahrweise der Polen nahmen die Schüler anders als in der Schweiz wahr. «Der Gastvater einer Kollegin war ein bekannter Anwalt, und deshalb durfte der Sohn so schnell fahren, wie er wollte», erzählt Zimmermann. Ihre Kollegin habe bei jeder Fahrt geglaubt, sie müsse sterben. «Als mein eigener Gastvater mit mir Auto fuhr, raste er ebenfalls mit über 60 km/h durch das Wohnquartier.» Und als sie mit ihrer Gastschwester shoppen ging, wurde ihr bewusst, wie wenig Geld diese besitzt. «Als ich sagte, mein Pulli war voll günstig, sagte sie, dass sie ihn sich nicht hätte leisten können.» Anders sei auch, wie sich die Schüler im Unterricht verhielten. «Die Polen sind extrem ehrgeizig», sagt Mettler. So gäbe es diverse Leistungswettbewerbe, und die Schulzimmer seien nach ehemaligen Spitzenschülern benannt. Nebst der Schule besuchten die St. Galler auch noch Museen, ein Salzbergwerk, einen speziellen Stadtteil und das ehemalige Konzentrationslager in Auschwitz, was für sie eine eindrückliche Erfahrung war.

Nicht das letzte Mal im Osten

Anfang Juni kommen die polnischen Schüler und Schülerinnen dann nach St. Gallen. «Wir freuen uns alle sehr auf ein Wiedersehen.» Geplant ist, mit ihnen eine Schokoladenfabrik, die Berge, den Bodensee, die Stadtbibliothek und Zürich zu besuchen. Ausserdem werden sie an das «Stägäfest» der Kanti eingeladen. «Ich fürchte mich jetzt schon vor dem Abschied von diesen offenen und herzlichen Menschen», sagt Zimmermann. Doch für die beiden Schüler ist klar: Es war nicht ihr letzter Abstecher in den Osten.

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