Von der «Heisszeit» und Büchern

Der Appenzeller Verlag hat die zweite «Gallus-Stadt» herausgegeben. Das Jahrbuch enthält Texte rund um Bilder, Bücher, den Tourismus, den Tod und das Geothermieprojekt. Und eine Geschichte aus der Froschperspektive.

Malolo Kessler
Drucken
Teilen
Hauptpost soll zur Kantonsbibliothek werden (Bild: Hannes Thalmann)

Hauptpost soll zur Kantonsbibliothek werden (Bild: Hannes Thalmann)

Sie soll Geschichten erzählen, die für die Zeitung zu lang sind. Und für ein Buch zu kurz. Sie soll an Ereignisse im Stadtleben erinnern, an verstorbene Persönlichkeiten: die «Gallus-Stadt», das Jahrbuch, das der Appenzeller Verlag nun zum zweitenmal herausgegeben hat.

700 Exemplare verkauft

Der Verkauf der letztjährigen Publikation sei «knapp befriedigend» gelaufen, sagt Verleger Marcel Steiner. Bei einer Auflage von 1500 Stück wurden bislang rund 700 verkauft. Das Ziel wären 1000 Exemplare gewesen. «Es ist nach wie vor ein spannendes Projekt, eine Stadt braucht ein Jahrbuch», sagt Steiner. «Und auch wenn es etwas harzig angelaufen ist: Wir hoffen, dass die Reihe noch zum Fliegen kommt.» Mit der nun erschienenen «Gallus-Stadt 2014» ist das gut möglich. Das Buch hat im Vergleich zur «Gallus-Stadt 2013» dazugewonnen, rein optisch, aber auch thematisch und textlich. So geht es auf rund 200 Seiten um Geothermie, die Buchstadt St. Gallen, Tourismus, das Sterben, Brandmauern, Frösche und Fotos. Zudem enthält das Buch Nachrufe und eine Chronik, in der auch die eine oder andere absurde Stadtgeschichte rapportiert wird. Etwa, dass der prophezeite Weltuntergang am 21. Dezember auch in St. Gallen nicht stattgefunden hat.

Fast schon Tagesaktualität bietet die Geschichte mit dem Titel «Heisszeit» über das St. Galler Geothermieprojekt. Wissenschaftsjournalist Michael Breu hat sich des hochaktuellen Themas angenommen: Er erklärt sowohl den politischen Prozess rund um das Projekt als auch die teils komplexen Arbeiten im Sittertobel anschaulich.

Buch- und Fotostadt

Überzeugend ist auch der Text von Ostschweiz-am-Sonntag-Reporter Daniel Klingenberg über den Tourismus im Klosterviertel und jener von «Saiten»-Redaktor Peter Surber über die Buchstadt St. Gallen. Surber werweisst, ob St. Gallen das Zeug zur Buchstadt hat, und stellt einzelne Personen vor, die sich für das Buch einsetzen. Er schliesst mit der «hoffnungsfrohen, frei erfundenen» Litanei «Was St. Gallen zur Buchstadt macht»: eine 24-Stunden-Bibliothek beispielsweise. Oder Busse, über deren Bildschirme Gedichte auf Deutsch und Albanisch flimmern.

«Buchstadt? Fotostadt!» heisst quasi die Antwort auf Surbers Text. Sie stammt von Thomas Ryser. Der wissenschaftliche Mitarbeiter bei den Stadtarchiven rollt die spannende Geschichte des St. Galler Fotogeschäfts Foto Gross auf. Der Beitrag lebt nicht nur, aber vor allem auch von der guten Bebilderung: von historischen Aufnahmen aus dem Fundus des Fotogeschäfts.

Ein weiterer historischer Beitrag stammt von Peter Stahlberger. Er entführt zu den Brandmauern im Osten der Stadt. An Winkel, die viele wohl nicht kennen. Und erzählt anhand der «steinernen Geschichtszeugen» von Hoffnungen, Krisen und verdichtetem Bauen. Jonas Barandun hat es für seinen «Gallus-Stadt»-Beitrag hingegen in den Westen gezogen: in die Umgebung des Burgweihers. Der wissenschaftliche Mitarbeiter des Naturmuseums begibt sich auf Augenhöhe mit einer Krötendame und berichtet aus ihrer Perspektive von den Freuden und Leiden während der Frühjahrswanderung.

Einen Blick hinter die Kulissen des Hospiz-Dienstes bietet schliesslich der Text «Die Zeit des Sterbens zu einer Zeit des Lebens machen» von Journalistin Claudia Schmid. Angereichert ist der Beitrag mit Zitaten aus amtlichen Konzepten und von Stadtrat Nino Cozzio.

Drittes Jahrbuch geplant

Dass auch im nächsten Jahr eine «Gallus-Stadt» erscheint, steht laut Verlagsleiter Marcel Steiner bereits jetzt fest. Anschliessend werde dann Bilanz gezogen und entschieden, ob die Jahrbuch-Reihe auch in Zukunft fortgeführt wird.

«Gallus-Stadt 2014», 38 Franken, erhältlich im Internet unter www.appenzellerverlag.ch.

Wie der Geothermie-Bohrturm ins Sittertobel kam und wie in der Hauptpost eine Bibliothek entsteht: Zwei der Themen in der «Gallus-Stadt 2014». (Archivbilder: Urs Jaudas/Hannes Thalmann)

Wie der Geothermie-Bohrturm ins Sittertobel kam und wie in der Hauptpost eine Bibliothek entsteht: Zwei der Themen in der «Gallus-Stadt 2014». (Archivbilder: Urs Jaudas/Hannes Thalmann)

Aktuelle Nachrichten