Von der Couch aus Pinguine retten

Das Fadenkreuz ist auf das Pinguinküken gerichtet. Genau auf die Mitte des Körpers. Rundherum stehen noch viele weitere Pinguine in der Landschaft. Diese sind als nächstes an der Reihe, wenn das Küken erledigt ist. Nein, keine Angst, hier fallen keine Schüsse.

Michel Burtscher
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Erwachsener Pinguin, Küken oder Ei? Freiwillige können Oxford-Wissenschaftern bei der Forschung helfen. (Bild: Screenshot www.penguinwatch.org)

Erwachsener Pinguin, Küken oder Ei? Freiwillige können Oxford-Wissenschaftern bei der Forschung helfen. (Bild: Screenshot www.penguinwatch.org)

Das Fadenkreuz ist auf das Pinguinküken gerichtet. Genau auf die Mitte des Körpers. Rundherum stehen noch viele weitere Pinguine in der Landschaft. Diese sind als nächstes an der Reihe, wenn das Küken erledigt ist. Nein, keine Angst, hier fallen keine Schüsse. Wir sind nicht auf einer barbarischen Pinguin-Jagd in der Antarktis. Ganz im Gegenteil sogar: Wir helfen den niedlichen Seevögeln – von zu Hause aus. Dazu braucht's keinen Doktortitel, nur einen Computer mit Internetanschluss.

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Es handelt sich hierbei um ein Projekt der Oxford University zum Schutz der Pinguin-Bestände. Die Forscher wollen herausfinden, wie sich der Klimawandel auf die Tiere auswirkt. Dazu haben sie in der Antarktis 50 Kameras aufgestellt, die bis zu 96 Bilder pro Tag schiessen. Darauf müssen Pinguine, Küken und Eier markiert werden – mit einem Fadenkreuz. Und weil so viele Bilder ausgewertet werden müssen, können unter www.penguinwatch.org alle mitmachen. Knapp 13 000 Freiwillige beteiligen sich bereits – Tendenz steigend. «Citizen-Science» nennt sich das: Laien helfen Wissenschaftern. Eine Warnung gleich zu Beginn, falls Ihr Interesse jetzt geweckt sein sollte: Abwechslungsreich, spannend oder unterhaltsam ist die Arbeit nicht gerade. Sie ist sogar ziemlich öde und mühsam: Wenn da auf einem Bild geschätzte 800 Pinguine, Küken und Eier abgebildet sind, kann man schnell einmal den Überblick und die Geduld verlieren. Man darf aber niemals vergessen: Diese Arbeit macht man nicht für den Spass, sondern weil sie einem guten Zweck dient.

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Man klickt sich dann also von Bild zu Bild zu Bild. Markiert dabei alle Tiere. Das ist für Laien, die Pinguine vor allem aus dem Kinderfernsehen kennen, ziemlich schwierig. Es gibt zwar eine Anleitung mit Bildern von erwachsenen und jungen Pinguinen. Wenn einer der Vögel der Kamera aber den Rücken zudreht oder weit weg ist, hilft dies wenig. Und die Eier machen es einem auch nicht gerade einfacher, sind sie meist doch kaum von Steinen zu unterscheiden. Da kann einem dann schon einmal der Gedanke kommen, dass das Ganze mit einem Doktortitel vielleicht doch ein wenig einfacher wäre.

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