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Von der ältesten bis zur jüngsten Platte

100 Jahre Jazz

Diese Übungsanlage kann eigentlich nur scheitern: In nur zwei Stunden will Richard Butz 100 Jahre Jazz abhandeln. Der Kulturvermittler und Jazzkenner unternahm am Donnerstag im Parterre 33 einen Streifzug durch die Jazzgeschichte – die komplette Jazzgeschichte. So viel vorweg: Die Übung ist gelungen.

Butz kann aus dem Vollen schöpfen. Jahrelang hat er Geschichte an der St. Galler Jazzschule unterrichtet, er organisiert regelmässig Konzerte unter dem Label «kleinaberfein», und er hört genau hin, wenn zwischen Kapstadt und London, Los Angeles und Teheran ein neues Jazz-Album erscheint. Besser als er kennt sich im Genre kaum einer aus.

Butz erzählt in lockerem Ton und formuliert prägnante Steckbriefe der grossen Jazzer. Louis Armstrong? «So einen Ton wie er hatte damals keiner drauf.» ­Benny Goodman? «Ein Intellektueller, der weisse und schwarze Musiker zusammenbrachte.» Charlie Parker? «Ein genialer Musiker, aber eine schwierige Persönlichkeit.» Butz prahlt aber nicht mit vielen Namen, sondern sortiert und erklärt die grossen Strömungen des Jazz. Von der allerersten Jazzplatte der «Original Dixieland Jazz Band» aus dem Jahr 1917 bis zum brandneuen ­Album des Saxofonisten Kamasi Washington. 100 Jahre in zwei Stunden, und keine Sekunde davon ist langweilig.

Im nächsten Jahr plant Butz weitere Abende im Parterre 33: 100 Jahre Jazz in Europa, 100 Jahre Jazz in der Schweiz, 100 Jahre Jazz und Weltmusik. Vielleicht, so witzelte er am Donnerstag, führe er die Reihe ja so lange fort, bis es heisse: 100 Jahre Richard Butz. (rbe)

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