Von Calatrava, Markthalle und Parkgarage

Am 31. August 1996, vor bald 15 Jahren, feierten die St. Gallerinnen und St. Galler das grosse Einweihungsfest der Calatrava-Wartehalle am Bohl. Ein Volksfest mit Pauken und Trompeten. Und mit Freibier.

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Am 31. August 1996, vor bald 15 Jahren, feierten die St. Gallerinnen und St. Galler das grosse Einweihungsfest der Calatrava-Wartehalle am Bohl. Ein Volksfest mit Pauken und Trompeten. Und mit Freibier. Bauvorstand Erich Ziltener würdigte in seiner Ansprache das Kunstwerk, das speziell für diesen Platz geschaffen wurde. Ein Denkmal für den öffentlichen Verkehr. Wie andere Städte Bahnhöfe, Stationen mit besonderer Sorgfalt ausgestattet hätten, habe nun auch St. Gallen einer Halle städtebauliche Bedeutung gegeben. Und mit der Halle sei nun der ganze Bereich Marktplatz und Bohl neu gestaltet. Ein richtiger Begegnungsort.

Jetzt soll also dieses Kunstwerk abgebrochen und vielleicht irgendwo wieder aufgebaut werden. Nach Aussagen von Martin Engeler, dem Architekten der Neugestaltung von Marktplatz und Bohl, ist die Halle sowieso am falschen Ort (Tagblatt-Interview vom 7. April). Will sich der Architekt nun sein eigenes Denkmal schaffen?

Brauchen wir eigentlich eine neue Begegnungszone ? Oder wird es eher zu einer zusätzlichen Abfallgrube oder Problemzone? Nein, diese Kröte schlucken wir nicht. Nur damit einige sich ein Denkmal setzen können. Investieren wir diese 36 Millionen Franken besser in alternative Energien, in Sportanlagen wie eine neue Curlinghalle, ins Hallenbad oder in die Bildung, in Bibliotheken und in Museen. Und für den Markt lässt sich bestimmt eine andere gute Lösung finden.

Darum ein klares Nein bei der Abstimmung am 15. Mai.

Fredi Rechsteiner Vogelherdstrasse 2, 9016 St. Gallen

Neuer Marktplatz: Sicher und sauber

Pro Stadt führte vor kurzem eine Umfrage zu Attraktivitätskriterien einer Stadt durch. Dabei kam deutlich zum Ausdruck, dass Sicherheit immer wichtiger ist. Mit der Neugestaltung von Marktplatz und Bohl soll dieser geräumig und frei werden. Der offene und geräumige Platz bietet eine bessere Übersicht – dies erschwert Trick- und Taschendieben ihre «Arbeit» enorm. Dank der Neugestaltung werden wir im Herzen unserer Stadt zukünftig entspannter flanieren können: Es wird sicherer. Zudem erhalten wir, integriert in Markthalle und Zugang zum Parking, eine bediente WC-Anlage. Die Umfrage zeigte zugleich, dass die Sauberkeit einer Stadt ein zweites wichtiges Kriterium darstellt. Neue Gebäude bleiben länger schön – und sauber! Auch wird durch den neuen und freien Platz die Reinigung massiv erleichtert.

Die Marktplatzneugestaltung ist ein gelungenes Projekt. Es wurde im Dialog entwickelt und ist breit abgestützt. Entsprechend setzen sich querbeet fast alle Parteien und engagierten Organisationen für ein Ja zur Neugestaltung ein, und – das höre ich in persönlichen Gesprächen – viele Stadtbewohnerinnen und -bewohner sehen die Vorteile der Vorlage, welche die unterschiedlichsten Interessen berücksichtigt. Die Neugestaltung bietet uns die Möglichkeit, die Stadt für Einheimische wie auch Besucher attraktiver zu gestalten. Die Chance, die sich uns heute bietet, ist einmalig – nutzen wir sie! Überzeugt lege ich deshalb am 15. Mai ein Ja in die Urne.

Eveline Frischknecht

Vizepräsidentin Pro Stadt

Schlatterstrasse 12, 9010 St. Gallen

Ein Ja als Geschenk zum Geburtstag

Einige Gedanken zu meinem gestrigen 90. Geburtstag: Der 15. Mai wird zum Glücks-Abstimmungstag für die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger der Stadt. Was können und dürfen wir von der Neugestaltung «lebendiger Marktplatz» erwarten? Das Herz wird pulsieren, wenn wir zum Beispiel vom Molino auf einer Ebene ohne Hindernis zum Coop-City gehen können. Der Platz vor dem Waaghaus wird zum Verweilen einladen, jeder Besuch wird zum Erlebnis. Dank dem sanierten Klosterbezirk können wir uns dies heute schon gut vorstellen.

Und dann die Markthalle, auf die ich mich besonders freue, weil damit Charme à la française in der Stadt einkehren wird. Im Burgund und in Frankreich allgemein hat doch jede ähnlich grosse oder gar kleinere Stadt eine Markthalle, jeweils als Seele der Ortschaft. Alles Gründe für ein überzeugendes Ja zum Marktplatz und Bohl.

Josef Eigenmann

Lilienthalstrasse 1, 9015 St. Gallen

Marktplatz wurde seriös geplant

Leserbrief «Simulation statt Realität» von Tek Berhe, 16.4.2011

«Noch etwas Hohn und Spott» – so betitelt Tek Berhe in seinem Leserbrief die Marktplatzvorlage und versucht damit, die Arbeit der von der Stadt beauftragten Verkehrs- und Bauplaner ins Lächerliche zu ziehen. Das zeigt das Niveau, mit dem er und die Gegner der Vorlage gegen die Marktplatzneugestaltung kämpfen. Solche leere Aussagen können beim besten Willen nicht ernst genommen werden. Die Realität sieht anders aus. Wenn wir die Chance der Neugestaltung jetzt nicht packen, ist der Traum, die ganze Altstadt autofrei zu bekommen, für Jahre gestorben. Die Verkehrsmodelle, die dem Projekt zugrunde liegen, zeigen klar: Die Neugestaltung bringt Verbesserungen für alle Verkehrsteilnehmer. Die Parkgarage reduziert den Suchverkehr und garantiert eine ideale Erschliessung, der öV staut nicht mehr, Velofahrer und Fussgänger sind sicherer. Die Berechnungen sind seriös und fundiert. Im Parlament betonte auch Robert Furrer, VCS-Geschäftsführer und Vertreter der Grünen, die Seriosität der Berechnungen. Für mich ist klar, was glaubwürdiger ist: Hohn und Spott oder seriöse Experten. Deshalb am 15. Mai: Ja zur Marktplatzneugestaltung. Packen wir die Chance!

Heini Seger

Stadtparlamentarier SVP

Lilienstrasse 9; 9000 St. Gallen

Neugestaltung: Gewinn für alle

Leserbrief «Parkgaragengegner aufgepasst», Martin Boesch, 16.4.2011

Wie wahrscheinlich das von Martin Boesch skizzierte Szenario (dass die Parkgarage auch bei einem Nein gebaut werden könnte, Anm. der Red.) tatsächlich ist, kann ich nicht beurteilen – völlig aus der Luft gegriffen ist es nicht. Eines ist aber sicher: Es wäre völlig falsch, das überzeugende Gesamtprojekt wegen einzelner Kritikpunkte, die dem einen oder anderen nicht ganz passen, zu gefährden. Tatsache ist: Die Neugestaltung bietet die einmalige Gelegenheit, Bohl, Marktplatz und Blumenmarkt vom Such- und Balzverkehr zu befreien und damit einen wichtigen Platz in unserer Stadt bei idealer Erschliessung autofrei zu machen, die lottrigen Markthüttchen loszuwerden und endlich einen attraktiven Markt mit angemessenen Bedingungen für Kunden und Händler zu erhalten. Zugleich ermöglicht die neue Parkgarage eine ideale Erschliessung und sorgt damit für weniger Verkehr: Der Suchverkehr wird eliminiert, der Verkehr insgesamt gebündelt. Das belegen die Modelle, die dem Projekt zugrunde liegen, fundiert und seriös, wie im Parlament explizit auch von autokritischer Seite anerkannt wurde. Das neue Verkehrsregime bringt klare Verbesserungen für alle Verkehrsteilnehmer, namentlich auch für den öffentlichen Verkehr, für Velofahrer und Fussgänger. Mit der autofreien Neugestaltung von Bohl, Marktplatz und Blumenmarkt gewinnt unsere Altstadt deutlich an Attraktivität. Packen wir diese Chance mit einem Ja am 15. Mai – jetzt oder nie!

Martin Würmli

Präsident/Stadtparlamentarier CVP

Schreinerstrasse 7, 9000 St. Gallen

David kämpft gegen Goliath

Der Abstimmungskampf hat begonnen. Überall in der Stadt hängen Plakate der Befürworter. Es wird uns weisgemacht, wie gut die Neugestaltung des Marktplatz/Bohl für das Stadtbild sei. Doch etwas wird bewusst ausgelassen: der Bau der vierstöckigen Parkgarage. Sie soll auf zwei Stockwerken Privaten vermietet werden. Man muss nicht lange überlegen, wer diese Privaten sind. Einige Banken und Firmen sind nicht weit davon entfernt. Diese haben ein grosses Interesse, dass die Abstimmung angenommen wird. Weil sie aber nicht namentlich genannt werden wollen, bezahlen sie den Abstimmungskampf der Befürworter.

Alle Plakate, Inserate und so weiter kosten eine Unmenge von Geld, das die Gegner nicht auftreiben können. Denn es macht keinen Sinn, mitten in der Stadt eine Parkgarage zu bauen, wenn im gleichen Projekt eine autofreie Innenstadt proklamiert wird. Zudem hat es genügend Parkplätze und Parkgaragen in der Stadt. An einem Donnerstagabend oder Samstagnachmittag, also zu Spitzenstunden, sind stets mindestens 300 Parkplätze nicht besetzt.

Die Juso hat letzte Woche mit einer kreativen Aktion auf ihre Position aufmerksam machen wollen. Es wurde mit Kreide die Nein-Parole auf den Marktplatz gesprayt. Kreativ deshalb, weil es nicht möglich war, Aufmerksamkeit mit grossen Plakaten zu erregen, da das Geld schlichtweg fehlt. Kurze Zeit danach hat das Tiefbauamt auf Anweisung der Polizei die Malereien mit Wasser entfernt. Zudem hat die Juso eine Anzeige erhalten.

Hier wird offensichtlich, dass mit allen Mitteln versucht wird, die gegnerischen Argumente (wortwörtlich) zu verwischen. Es ist ein Kampf zwischen David und Goliath. Da mich die Argumente der Gegnerschaft überzeugen und ich mich nicht von gesponserten Kampagnen der Befürworter(firmen) beeinflussen lasse, stimme ich am 15. Mai Nein zur Parkgarage und somit Nein zur Vorlage.

Pascal Kübli

Stadtparlamentarier Juso

Wallstrasse 7, 9000 St. Gallen

Nein stimmen und neu planen

Ich gehe mit Herrn Röllin einig, dass der öV den geplanten Marktplatz zwischen Hecht, Waaghaus und Coop behindern würde. Warum nicht den ebenso grossen Raum Marktgasse/Neugasse für grössere Anlässe und als Treffpunkt nutzen? Er ist geschützt und flexibel erweiterbar in die Marktgasse hinein. Beim Klassik-Open-Air funktioniert es wunderbar. Als Ersatz für das grosse Vadiandenkmal besteht der Vadianbrunnen nebenan in der Marktgasse. Stadtgründer Gallus ist ja auch nirgends in der Stadt so gross präsent. Also lassen wir den öV samt Calatravahalle wie gehabt und planen neu mit weniger Kosten. Bei der geplanten Garagenein- und -ausfahrt kommt es wohl zu Problemen, denn das Verkehrsaufkommen ist dort bereits heute enorm und wird erfahrungsgemäss weiter zunehmen. Also am 15. Mai Nein stimmen und eine neue Vorlage ausarbeiten lassen.

Hans-Peter Niedermann,

Girtannerstrasse 25, 9010 St. Gallen