Von Brücken und Bühnen

In der evangelischen Kirche in Wittenbach führen heute über 60 Kinder ein Krippenspiel auf. An der Hauptprobe gestern hat sich gezeigt, dass der Platz auf der Bühne knapp ist, aber reicht.

Sebastian Schneider
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Die detailreichen Kostüme haben es in sich: Die Heiligen Drei Könige kurz vor der Hauptprobe in der Kirche Vogelherd. (Bild: Michel Canonica)

Die detailreichen Kostüme haben es in sich: Die Heiligen Drei Könige kurz vor der Hauptprobe in der Kirche Vogelherd. (Bild: Michel Canonica)

WITTENBACH. Die Engel sind irritiert. Jetzt hätten sie doch soeben den Stern von Bethlehem zum Leuchten bringen müssen und jetzt müssen sie schon wieder arbeiten. Der «Chef» wolle, dass eine Brücke von der Erde zum Himmel gespannt wird. «Mit welchem Material denn?», fragt ein Engel.

Fleissig geprobt

Die Aufregung der Engel legt sich später in diesem Theaterstück, als sie erfahren, dass die gewünschte Verbindung von der Erde zum Himmel in Form von Gottes Sohn Jesus und nicht durch ihre Arbeit geschaffen wird. Über 60 Wittenbacher Primarschulkinder sind Teil des Krippenspiels, das heute am frühen Abend in der evangelischen Kirche Vogelherd aufgeführt wird. Seit November haben die Mädchen und Buben fleissig Lieder, Texte und Handlungen geübt. Gestern Mittwoch galt es schon ziemlich ernst. Denn am Morgen hat die Hauptprobe in der Kirche stattgefunden.

Grosser Aufwand

Licht, Mikrophone, Verkleidung und Bühnenbild. Bis die Technik stimmt, alle Kinder am richtigen Ort plaziert sind und mit der Probe begonnen werden kann, dauert es doch einige Momente. Und es bedarf einiger Anweisungen des Krippenspiel-Teams, zu dem sich zwei Religionslehrerinnen, fünf freiwillige Helferinnen, ein Jugendarbeiter, ein Techniker sowie freiwillige Jugendliche zählen. Ein Teammitglied ist Susy Zublasing, die das Stück «E Brugg, wo Himmel und Erde verbindet» selber geschrieben hat. «Das Schreiben ist mein Part. Jeder vom Team bringt seine eigene Fähigkeit mit ein.» Da jemand sehr musikalisch sei, die andere gut organisieren könne und wiederum jemand den kreativen Teil für Bühne und Kostüme übernehme, ergänze man sich perfekt. Das Resultat lässt sich jedenfalls sehen: Die Buben mit silbernen Helmen und Speeren in der Hand sind sofort als römische Soldaten zu erkennen. Die Protagonisten sprechen und singen durch Headsets, und verschiedene Leintücher, die während der Vorstellung ausgetauscht werden, stellen im Hintergrund Weide, Stall oder Schloss dar. Das wohl wichtigste Element ist aber die Holzbrücke, die Josef als Zimmermann für die römischen Soldaten fertigen muss.

Himmelsbrücke kostet nichts

Über die Holzbrücke will auch das Hirtenmädchen Noemi mit seinen Freunden und Schafen gehen. Doch die Römer verlangen dafür hohen Zoll, den die armen Hirten, die ohnehin das Letzte im Dorf seien, kaum zahlen können. Noemi kann das nicht verstehen und freut sich umso mehr über die Kunde der Engel, dass in dieser einen Nacht eine Brücke entstanden ist, die Erde und Himmel miteinander verbindet. Die Hirten sollen die ersten sein, die sie zu sehen bekommen. «Und das gratis», wundert sich Noemi.

«Man hat dich kaum verstanden», unterbricht Susy Zublasing eine Schülerin. Sie solle doch langsamer sprechen und das Mikrophon geradehalten. Während der Hauptprobe nehmen die Helferinnen letzte Optimierungen vor und schauen auch, dass die Kinder auf der Bühne richtig plaziert sind. «Die Bühne ist klein», sagt Zublasing. Vergangene Woche hätten die Kinder einen Auftritt in der Aula des OZ Grünau gehabt – auf einer Bühne, die etwa dreimal so gross ist. Trotz der Zwischenrufe ist das Krippenspiel-Team mit den Kindern zufrieden. «Hey, das habt ihr super gemacht», heisst es am Schluss. «Und hat's euch auch Spass gemacht?» «Jaaaa», schreien die Kinder im Chor.

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