Vom Ruhrpott nach Winkeln

Die reformierte Kirchgemeinde Straubenzell hat einen neuen Pfarrer. Maik Becker wird in Winkeln einen Schwerpunkt setzen, aber auch als Kinder- und Jugendseelsorger wirken.

Josef Osterwalder
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Maik Becker, neuer evangelisch-reformierter Pfarrer in Winkeln, mit dem Spezialgebiet Kinder- und Jugendarbeit in ganz Straubenzell. (Bild: Ralph Ribi)

Maik Becker, neuer evangelisch-reformierter Pfarrer in Winkeln, mit dem Spezialgebiet Kinder- und Jugendarbeit in ganz Straubenzell. (Bild: Ralph Ribi)

Frischer kann man einen Pfarrer nicht bekommen. Maik Becker wurde erst vor vier Monaten ordiniert. Wobei das frisch auch auf die Art zutrifft, wie er spricht und seine Arbeit angehen will. Er möchte seiner Gemeinde und vor allem auch jungen Menschen das Bild einer zeitgemässen Kirche vermitteln.

Ein Bild für den Glauben

«Können Sie mein Gesicht nicht ein bisschen schmaler machen?», sagt der zum Tagblatt-Fotografen und lacht herzlich dazu. Man spürt, dass ein Stück nordrhein-westfälischer Unbeschwertheit in Winkeln eingezogen ist.

Christentum ist eine Religion mit Herz. «Ich stelle mir den Glauben oft wie einen Kelch vor: Sein Fuss steht fest auf dem Boden. Seine Schale jedoch öffnet sich nach oben. So ist auch der glaubende Mensch nicht nur fest im Boden der Tatsachen verankert, sondern öffnet sich auch zum Himmel hin.» Ein Bild, das dem Motto der St. Galler Kantonalkirche entspricht: «Nahe bei Gott, nahe bei den Menschen.»

Gute Erfahrungen mit Kirche

Maik Becker ist ein Kind des Ruhrpotts. Nicht mehr der staubig-russigen Kohlen- und Zechen-Landschaft von damals, sondern eines urbanen Siedlungsraums, der sich nach den Zechenschliessungen neu erfunden hat: grün und innovativ.

Aufgewachsen ist er in Essen, hat dort die Schulen bis zum Abitur besucht. Zu den prägenden Kindheitserfahrungen gehören die Gottesdienste in seiner Gemeinde. «Die waren wirklich ein Erlebnis, haben uns die biblischen Geschichten nahegebracht.

» Später hat er sich in der Jugendarbeit engagiert. «Und zwar bei den katholischen Pfadfindern der Nachbarpfarrei. Das ging ohne weiteres. Wir hatten eine sehr lebendige ökumenische Zusammenarbeit.» Die Pfadfinder streiften nicht nur in den Wäldern umher, sondern setzten sich auch für die Umwelt ein.

Erbe der bekennenden Kirche

Nach dem Abitur nahm Maik Becker das Theologiestudium auf, zunächst in Bochum, dann in Marburg an der Lahn, wo eine liberale Theologie gelehrt wird mit feministischen und befreiungstheologischen Ansätzen.

«Dort waren wir im Dauerkonflikt mit den rechtslastigen Burschenschaften.»

Weitere Stationen waren Bonn und Wuppertal, wo sich die Hochschule der denkwürdigen Barmer Erklärung verpflichtet fühlt. In dieser hatte die bekennende Kirche 1934 Jesus Christus als das eine Wort Gottes in die Mitte des Glaubens gestellt; eine klare Absage an die nationalsozialistischen Versuche, die Kirche zu germanisieren oder sonst wie unter die Fuchtel zu nehmen. Diese Barmer Erklärung war auch Teil seines Ordinationsversprechens.

Kinder und Jugendarbeit

«Ich empfinde Straubenzell als eine sehr lebendige Gemeinde», sagt Maik Becker; «sie hat klare Vorstellungen, wir Seelsorgende haben klar umrissene Aufgabenfelder.» Entsprechend freut er sich, dass ihm zusammen mit Regula Hermann die Kinder- und Jugendarbeit anvertraut ist. «Ich hoffe, dass es uns weiterhin gelingt, mit der Zeit zu gehen.»