Vom Park ins Parlament

GOSSAU. Einst als Listenfüller ins Gossauer Stadtparlament gewählt, soll Norbert Hälg jetzt den Chefsessel übernehmen. Vor seiner Antrittsrede spricht der bald höchste Gossauer auch über Baustellen: Den Verkehr, das Seniorenwohnen. Und den Stadtrat.

Martina Kaiser
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Kein «Biertischpolitiker»: Norbert Hälg (FDP) in seinem Garten im Park 11. (Bild: Ralph Ribi)

Kein «Biertischpolitiker»: Norbert Hälg (FDP) in seinem Garten im Park 11. (Bild: Ralph Ribi)

Aufstehen. Die versammelten Parlamentarier begrüssen und sie überzeugen, dass es in Gossau ein Parlament und nichts anderes als ein Parlament braucht. Weil die politischen Geschäfte so schneller, sorgfältiger und effizienter als mit einer Bürgerversammlung behandelt werden können. Und dann über die Medien sprechen. Über ihre Rolle als vierte Gewalt. Ja, so könnte er sich seine Antrittsrede vorstellen, sagt Norbert Hälg.

Am 3. Januar ist es so weit: Der 62-Jährige soll die Nachfolge von Stefan Harder als Parlamentspräsident antreten (siehe Kasten). Was danach kommt, unterscheide sich kaum von seiner heutigen Tätigkeit als Vizepräsident, meint er, der es vor drei Jahren als Listenfüller der FDP ins Parlament geschafft hat.

Kein «Biertischpolitiker»

Dort werden im nächsten Jahr einige Geschäfte behandelt, die Norbert Hälg am Herzen liegen: Das Seniorenwohnen beispielsweise. Oder der Verkehr, ein Dauerthema in Gossau. «Wie sagt man doch so schön: Viele Hunde sind des Hasen Tod. Und genau so ist es auch in Gossau. Wenn persönlich Betroffene immer gegen ein Projekt kämpfen, kann es nie realisiert werden», sagt Hälg. Er sei kein «Biertischpolitiker», er wisse, wie schwierig es sei, etwas zu bewegen. «Aber manchmal muss man eben Kompromisse eingehen. Das braucht Mut.»

Den wünscht er sich auch vom Stadtrat: «Er soll seine Meinung – gerade auch vor Abstimmungen und Wahlen – öffentlich kundtun und auch dafür kämpfen.» Das habe er in jüngster Vergangenheit beispielsweise bei der Abstimmung «Sieben statt fünf» vermisst.

Von der Bank zu «Roche»

Noch mehr als für die Politik interessiert sich Norbert Hälg für Kultur und Kunst. So war er 1990 bis 2009 Präsident des Gossauer Kulturkreises und 2008 Programmchef bei der ersten Kulturnacht arte notturna. Heute engagiert er sich im Förderverein Schloss Oberberg als Vizepräsident und Aktuar. Beruflich ist Hälg bei der Maquet AG in Gossau tätig, die unter anderem Operationstische, Beatmungsgeräte und Lampen herstellt. Oft ist der 62-Jährige aber im Park anzutreffen. Nicht im Andreaspark. In seinem Zuhause im Park 11, gleich neben der Andwilerstrasse. «Früher war das wirklich einmal ein Park», sagt Hälg und deutet auf den Plan im Wohnzimmer, auf dem sein Grundstück eingezeichnet ist, umgeben von einer riesigen Grünfläche. Neben dem Plan hängen Bilder aus dem 19. Jahrhundert. Von der Steinacher Mündung. Und vom Rietli am Goldacher Seeufer. Nein, er habe keinen Bezug zum Bodensee. «Mir gefallen die Bilder einfach. Sie sind einst von einer Künstlerin gemalt worden, die hier gewohnt hat.»

Hälg selbst ist in Gossau aufgewachsen, «am anderen Ende der Stadt». Er absolvierte eine Banklehre und besuchte dann die Kantonsschule in St. Gallen. Anschliessend studierte er an der HSG Handel und Absatz. Er zog nach Basel, wo er beim Pharmakonzern Roche als Ländersachbearbeiter tätig war. Im Rahmen seiner Arbeit besuchte Norbert Hälg auch Ärzte und Spitäler in Zentralamerika. Nach einigen Jahren kehrte er mit seiner Frau und den beiden Kindern nach Gossau zurück, zog in das Haus seines Schwiegervaters im Park 11. Er trat der FDP Gossau bei, wurde Sekundarschulrat, arbeitete bei einer Spitalbedarfsfirma in St. Gallen, war dann Geschäftsführer einer Baustoffhandelsfirma. Später wurde er Heimleiter im Behindertenheim Ekkharthof im thurgauischen Lengwil, bis er vor sechs Jahren zur Maquet AG wechselte.

Kein Mann der grossen Worte

Bis zur Parlamentssitzung sind es noch zwei Wochen. Zeit genug, um die Antrittsrede zu schreiben. Viel Zeit wird der 62-Jährige aber nicht brauchen, um nach den richtigen Worten zu suchen. Norbert Hälg ist kein Mann der grossen Worte.