Vom «Kiss and Ride» zum «Drink and Drive»

Gaiserbahnhof

Roger Berhalter
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Die Lokomotive der Appenzeller Bahnen im neuen Gewand. (Bild: PD)

Die Lokomotive der Appenzeller Bahnen im neuen Gewand. (Bild: PD)

Nein, dieses grellgelbe Ding ist kein Bauzug. Auch wenn die Appenzeller Bahnen gerade emsig daran arbeiten, den Gaiserbahnhof für die Durchmesserlinie fit zu machen. Bereits abgebrochen ist das alte Gleis an der St. Leonhard-Strasse. Wo bis vor kurzem noch Züge hielten, entstehen bald «Kiss and Ride»-Parkplätze, also eine Zone, wo man mit dem Auto kurz anhalten kann, um der Liebsten auf dem Weg zum Zug den Abschiedskuss zu geben.

Das neue Perron für die Züge Richtung Appenzell ist schon fertig, und seit neustem hält dort auch eine neue Lokomotive. Oder genauer: Eine alte Lokomotive in neuem Gewand. Sechs Spezialisten haben die Lokomotive drei Tage lang mit gelber Folie beklebt. Jetzt sieht sie von weitem aus wie ein Bauzug, von nahem aber erkennt man den bekannten Schriftzug des Appenzeller Alpenbitters. Die Lok macht Werbung für Kräuterlikör, und verkehrt täglich zwischen St. Gallen und Appenzell.

Von der «Kiss and Ride»-Zone geht’s also direkt zur «Drink and Drive»-Zone. Schliesslich darf man im Zug noch trinken, nicht so wie in den städtischen Bussen. Und Alkohol ist sowieso erlaubt, man muss ja nicht selber fahren. Den Alpenbitter sollte man aber schon selber mitbringen, in der Lok gibt’s keine Bar, es wird nichts ausgeschenkt. So weit geht die Kooperation der Appenzeller Bahnen mit der Appenzeller Alpenbitter AG dann doch nicht.

Nicht nur deswegen gefällt die gelbe Lok nicht allen. «Da wird einem ja schlecht!», rufen jene, die beim Anblick der Lokomotive gleich an den letzten Rausch denken. Immerhin während der Olma dürfte sich das neue Farb- und Werbekonzept aber bewähren: Dank des grellen Gelbs und des grossen Schriftzugs wird jeder Appenzeller nach dem Fest in der Stadt den Zug (und somit den Heimweg) problemlos wieder ­finden.

Wermuts- beziehungsweise Alpenbittertropfen: Die Züge der Appenzeller Bahnen fahren nur noch so lange, bis die Durchmesserlinie in Betrieb ist. Danach verkehrt zwischen Trogen und Appenzell neues Rollmaterial. Auch die Alpenbitter-Lok ist voraussichtlich nur noch bis Oktober 2018 unterwegs. Und dann? Vielleicht kauft sie ja ein Alpenbitter-Fan und stellt sie im eigenen Garten auf. Dann aber bitte mit Bar.

Roger Berhalter

roger.berhalt

er@tagblatt.ch