Vom «Fräulein» zur Fachlehrkraft

Über dreihundert Frauen und einige geladene männliche Gäste feiern in der PHSG Rorschach das 100-Jahr-Jubiläum des St. Galler Arbeits- und Hauswirtschaftslehrerinnen-Verbandes. Exzellente Musik- und Tanzdarbietungen umrahmen spannende Reden.

Peter Beerli
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Maria Gloor informierte mit Aktuellem aus der Pfalz. (Bild: Corina Tobler)

Maria Gloor informierte mit Aktuellem aus der Pfalz. (Bild: Corina Tobler)

RORSCHACH. Die Lenzin Brothers warten mit nicht zu übertreffender vielseitiger Musik auf. Junge Frauen und Männer der Tanzwerkstatt reissen fast vom Stuhl. Bei diesem von Melanie Baumann moderierten Rahmenprogramm übersteht man auch die Reden, die nun mal zu einer Jubiläumsfeier gehören. Die Offenheit, mit der Historikerin Heidi Witzig über die Entwicklung eines Berufsstandes und damit der ganzen Gesellschaft referierte, übertrifft alle Erwartungen.

Es überrascht, wie stark Männer, die den Handarbeits- und Hauswirtschaftsunterricht nie aktiv miterlebten, von ihm geprägt sind. Stadtrat Guido Etterlin überbringt mit Witz und Sachkenntnis einen Korb Materialien von Müller Handarbeiten. Erziehungsrätin Maria Gloor wartet in Vertretung von Erziehungsdirektor Stefan Kölliker mit Aktuellem aus der Pfalz auf. Hansjörg Bauer vom Präsidium des Kantonalen Lehrerverbandes setzt sich für die Attraktivität des Lehrberufes ein. Rektor Erwin Beck von der Pädagogischen Hochschule St. Gallen berichtet über die Leidens- und noch viel mehr über die Erfolgsgeschichte des feiernden Verbandes.

Wandlung der Gesellschaft

Das Hauptreferat der Historikerin erinnert daran, dass es einst selbstverständliche Sache der Mütter war, die mit Hand und Herz verbundenen fraulichen Fähigkeiten ihren Töchtern zu vermitteln, sie zu lehren, alles selbst herzustellen und wieder zu verwenden. Später übernahmen «Fräuleins», verhinderte Frauen, im Handarbeitsunterricht diese Aufgaben. Sie opferten sich demütig und zu schlechten Arbeitsbedingungen für die Allgemeinheit auf.

Einsatz hat sich gelohnt

Es brauchte lange, bis der Handarbeits- und Hauswirtschaftsunterricht für beide Geschlechter als wichtig erachtet wurde. Doch die Verantwortlichen des Verbandes wussten und wissen selbstbewusst für die Anliegen ihres Bereiches zu kämpfen. So setzten sie einem ehemaligen Erziehungsdirektor ihr «so nicht» entgegen, als dieser ihr Tun als «ein bisschen Basteln» bezeichnete.

An der von Helen Rutz Meier geleiteten Hauptversammlung wurden Yvonne Morath in den Vorstand und Giovanna Lastra zur neuen Revisorin gewählt.