Vom Bahnhof ins Kornhaus

Eine ehemalige Luzerner Bahnhofsuhr wurde kürzlich ins Museum im Kornhaus gezügelt. Die Uhr überstand einst einen Grossbrand. Besitzer Werner Stübi zeigt sie nun der Öffentlichkeit.

Richard Lehner
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Werner Stübi (rechts im Bild) konnte beim Transport der Luzerner Bahnhofsuhr auf tatkräftige Unterstützung zählen. (Bild: Res Lerch)

Werner Stübi (rechts im Bild) konnte beim Transport der Luzerner Bahnhofsuhr auf tatkräftige Unterstützung zählen. (Bild: Res Lerch)

RORSCHACH. Eine Träne musste Werner Stübi am vergangenen Freitagabend schon verdrücken, als das Team des Museums im Kornhaus seine Bahnhofsuhr vom Dachboden der alten Kantonalbank an der Signalstrasse 14 ins Rorschacher Kornhaus zügelte. Beim Objekt handelt es sich nicht einfach um eine Uhr, sondern um die ehemalige Bahnhofsuhr des Bahnhofs Luzern. Am 5. Februar 1971, genau um 9.03 Uhr, stand sie beim damaligen Grossbrand still. Die Luzerner Bahnhofsuhr war einer der wenigen Gegenstände, die Brand des Bahnhofs fast schadlos überstand. Anschliessend wurde die Uhr zwanzig Jahre in einem Depot in Luzern eingelagert. Ein Bahnkollege bot sie Werner Stübi im Jahr 1991 für den symbolischen Preis von fünf Franken zum Kauf an. Sammler Werner Stübi liess sich die Gelegenheit nicht nehmen und erstand das Objekt. So ist es ihm zu verdanken, dass sich diese Bahnhofsuhr heute in Rorschach befindet und nicht im Verkehrshaus Luzern.

Millimeterarbeit beim Umzug

Seit 1991 diente die riesige Uhr dem Modellbahnclub Rorschach als Clubtisch. Bis vergangene Woche. Die ehemalige Bahnhofsuhr mit einem Durchmesser von 160 Zentimetern und einem Gewicht von über 100 Kilogramm brachte die Helfer am vergangenen Freitag ganz schön ins Schwitzen. Es erforderte Millimeterarbeit, das runde Uhrenmonster durch die schmalen Türöffnungen über vier Stockwerke hinunter ins Erdgeschoss zu transportieren.

Im Dachgeschoss der alten Kantonalbank – im Haus, in dem auch die Redaktion des Tagblatts Rorschach untergebracht ist – befinden sich nicht nur eine grosse Modelleisenbahn der Spur 0 (Massstab 1:45), sondern auch weitere Sammlerstücke aus der Rorschacher Eisenbahngeschichte. Ein Teil dieser Stücke – darunter auch das berühmte Chetteli vom Hafenbahnhof – ist ab 23. März im Museum im Kornhaus zu bestaunen. Prunkstück wird dabei natürlich die Luzerner Bahnhofsuhr sein, auch wenn sie nicht mehr tickt. Eine Reparatur des Uhrwerks käme zu teuer.

Funde öffentlich zugänglich

Für Werner Stübi geht mit dem Umzug der Uhr, von Kartonbilletten, Signallampen, Schildern und weiteren Objekten ein Traum in Erfüllung. Nach Jahren des Sammelns werden seine wertvollsten Funde der Öffentlichkeit zugänglich sein. Werner Stübi gebührt die Ehre, ein Stück schweizerischer Eisenbahngeschichte vor der Verschrottung gerettet zu haben.

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