Volk beantwortet Baulandfragen

GOSSAU. Die Siedlungsentwicklung und insbesondere die Schaffung von Bauland für Industrie und Gewerbe erhitzt die Gemüter. Der Ball liegt nun beim Stimmvolk: Es wird über den Teilzonenplan Moosburg und die Initiative Sommerau befinden.

Rita Bolt
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Die Sommerau liegt beim Autobahnzubringer West. Ist es gutes Bauland für Gewerbe und Industrie? (Bild: Urs Bucher)

Die Sommerau liegt beim Autobahnzubringer West. Ist es gutes Bauland für Gewerbe und Industrie? (Bild: Urs Bucher)

So viele Zuschauer gab's im Parlament schon lange nicht mehr. Ein schöner Teil kam aus dem Gossauer Niederdorf. Verständlich: Die Niederdörfler sind Betroffene, denn das vom Stadtrat favorisierte Bauland für Industrie und Gewerbe liegt im Niederdorf. Von der Idee, dort neue Unternehmen anzusiedeln und eine Strasse zu bauen, sind nicht alle begeistert. Nach der Parlamentssitzung vom Dienstag (Ausgabe vom 3. 11.) können die Gegner aber einen Moment verschnaufen. Denn über den Teilzonenplan Moosburg wird das Stimmvolk am 13.

Februar 2011 entscheiden. «Wenn das Parlament den Teilzonenplan erlassen hätte, hätten wir vermutlich das Referendum ergriffen», sagt Claudia Steiger, Präsidentin der IG Niederdorf, einen Tag nach der Parlamentssitzung. Ein Dorn im Auge ist vielen Niederdörflern auch die geplante Verbindungsstrasse Flawiler-/Wilerstrasse. Sie befürchten Mehrverkehr. Auch hinsichtlich dieser Strasse könne die IG im Moment aufatmen.

Das Parlament hat beschlossen, den Projektierungskredit von 230 000 Franken nicht freizugeben, bevor weitere Ergebnisse vorliegen.

Stimmfreigabe erklärt

Die Ausgangslage zur Parlamentssitzung war spannend und Prognosen zu stellen, wer für welchen Bauland-Standort argumentiert, war schwierig. Die FDP- und Flig-Fraktion sowie die SP sprachen sich für den Erlass des Teilzonenplans Moosburg aus. Die SVP- und CVP-Fraktionen erklärten Stimmfreigabe. Reto Mock (CVP) sprach im Namen des Gewerbevereins.

«Einige Gossauer Betriebe wollen expandieren», sagte er. Beide Gebiete, Moosburg und Sommerau, seien gleichwertig zu betrachten. Er votierte für je ein Ja zum Teilzonenplan Moosburg und zur Initiative «Ja zur Umzonung Sommerau». Mit der Zustimmung zur Initiative wäre der Stadtrat beauftragt worden, einen Teilzonenplan Sommerau auszuarbeiten. Zu Wort meldeten sich die Landwirte Ernst Ziegler (SVP-Fraktion) und Fredi Mosberger (CVP-Fraktion).

Sie wollen nicht, dass bestes Ackerland wie in der Moosburg verbaut wird. Durch dieses Land solle noch eine 700 Meter lange und zwölf Meter breite Strasse gebaut werden, sagte Mosberger. Die Moosburg sei abzulehnen.

Stadtpräsident Alex Brühwiler äusserte sich einige Male. Auch zu den Gründen, warum der Standort Moosburg vom Stadtrat favorisiert wird. Aus raumplanerischen Gründen und weil die Moosburg von zwei Seiten her erschlossen werden könne, sagte er. Gossau wolle zudem aktive Bodenpolitik betreiben.

Der Preis pro Quadratmeter erschlossenes Bauland betrage zwischen 350 und 400 Franken.

Beide Gebiete aufgleisen

Ebenso viel Diskussionsstoff wie die Moosburg lieferte das Gebiet Sommerau. Mittel- und längerfristig müssten beide Gebiete erschlossen werden, sagte Stefan Lenherr, Vorsitzender der Vorberatenden Kommission, die beantragte, auch die Initiative «Ja zur Umzonung Sommerau» gutzuheissen. Er appellierte an seine Parlamentskolleginnen und -kollegen, beide Gebiete aufzugleisen.

Denn der Stadtrat habe in Sachen Bodenpolitik in den vergangenen Jahren tief geschlafen. Der Stadtrat seinerseits beantragte, die Initiative abzulehnen, das heisst, das Volk über das Geschäft befinden zu lassen. Gleicher Meinung wie der Stadtrat waren die FDP, die Flig und die SP.

«Spekulationsobjekt»

Richtig ins Zeug legte sich Flig-Parlamentarier Stefan Harder.

Er votierte für ein Ja zur Sommerau-Initiative, denn in 25 bis 30 Jahren würden beide Gebiete benötigt. Er kritisierte aber die IG Sommerau, «welche das Bauland zu Dumpingpreisen verschleudert». Die Sommerau verkomme zu einem Spekulationsobjekt. Trotzdem wollte Harder, dass der Stadtrat einen Teilzonenplan Sommerau erarbeitet.

Es kam anders. Das Stadtparlament sagte auch Nein zur Initiative «Ja zur Umzonung Sommerau» und beauftragte damit das Gossauer Stimmvolk, an der Urne darüber zu befinden.

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