VOGELPFLEGE: Die Enten bleiben im Stadtpark

Die neue Wildvogelpflegestation im Naturmuseum ist in Betrieb und dürfte im März fertig eingerichtet sein. Kranke Wasservögel werden aber weiterhin in der Voliere im Stadtzentrum aufgepäppelt.

Roger Berhalter
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@tagblatt.ch

Christian Müller dreht derzeit täglich eine Runde. Der Leiter der Voliere-Gesellschaft muss nämlich jeden Tag Vögel an drei verschiedenen Standorten füttern. Erstens die Greifvögel in den Gehegen am Pfauengässlein, zweitens die Wasser- und Singvögel in der Voliere im Stadtpark und drittens die Wildvögel in der neuen Pflegestation im Naturmuseum im Neudorf.

Das soll sich ändern, spätestens wenn der Park des neuen Naturmuseums fertig ist. Geplant sind dort zwei neue Gehege, um Vögel auszuwildern. Ein grösseres für Greifvögel, das 3,5 Meter hoch und 36 Quadratmeter gross ist. Dort können die nebenan in der Pflegestation aufgepäppelten Falken und Bussarde das Fliegen trainieren, bis sie fit genug sind für die freie Wildbahn. Ein zweites, kleineres Gehege wird für Singvögel gebaut, drei Meter hoch und zwölf Quadratmeter gross. Wenn diese zwei Gehege stehen, braucht es das Provisorium am Pfauengässlein nicht mehr. Christian Müller muss dann nur noch zwischen zwei Standorten pendeln, zwischen Stadtpark und Naturmuseum.

Teich nur für Forschungszwecke

In den ursprünglichen Plänen für den Museumspark waren zusätzlich ein drittes Gehege sowie ein Ententeich vorgesehen. Beides kommt aber im aktuellen Bau­gesuch nicht mehr vor (Ausgabe vom 27. Januar). Zwar ist neben dem Museum ein kleiner Teich für jugendliche Forscher geplant, doch dürfen dort keine Wasservögel schwimmen.

«Der Ententeich fehlt uns natürlich», sagt Elisabeth Zwicky, Präsidentin der Stiftung Wildvogelpflegestation. Im Teich hätten sich Enten und Reiher aus der Pflegestation wieder an eine natürliche Umgebung gewöhnen und die Flügelmuskeln trainieren können. Diese Auswilderung vor Ort wird nun aber nicht möglich sein. «Wir werden die Wasservögel weiterhin in der Voliere auswildern müssen», sagt Zwicky. Dies bedeute mehr Aufwand, weil die Vogelpflege damit auf zwei Standorte verteilt sei. Eigentlich hätte sie im Naturmuseum an einem Ort zusammengefasst werden sollen.

Christian Müller, der die Wildvogelpflegestation leitet, vermisst weniger den Ententeich, sondern vielmehr das dritte Gehege. Es wäre für ihn eine willkommene Ausweichmöglichkeit gewesen. «In der Wildvogelpflege muss man flexibel sein und improvisieren können», sagt Müller. 500 bis 600 kranke oder verletzte Wildvögel nimmt er jedes Jahr in Obhut. Nicht alle Vogelarten würden sich vertragen, zum Beispiel lasse sich ein Bussard nicht mit einem Wanderfalken im selben Gehege halten. Deshalb wäre das Auswildern mit drei Gehegen einfacher als nur mit zwei. Jetzt blicken die Vogelpfleger aber voraus und konzentrieren sich darauf, die neue Pflegestation im Naturmuseum einzurichten. Dort stehen ein Behandlungs- und neu auch ein Quarantäneraum zur Verfügung. Noch fehlen zwar ­einige Innengehege, aber laut Christian Müller ist die Station schon gut gefüllt. Derzeit kümmert er sich um Turmfalken, Singvögel und um zwei Spechte. Bis März soll die Pflegestation fertig eingerichtet sein.

Museumsbesucher können beim Füttern zusehen

Die Wildvogelpflegestation im Naturmuseum ist nicht öffentlich zugänglich. Aber die Museumsbesucher können trotzdem zusehen, wie die Vögel aufgepäppelt und gefüttert werden. Ein Fenster, das sich in der Ausstellung gleich anschliessend an den Raum mit dem grossen Landschaftsrelief befindet, macht’s möglich. Auch die zwei Vogelgehege draussen im Park werden für alle Besucher zugänglich sein. Um Enten schwimmen zu sehen, muss man allerdings weiterhin in den Stadtpark gehen.

www.wildvogelpflegestation.ch

Die Voliere wird frühestens 2021 saniert

Wasservögel Kranke und verletzte Wildvögel werden in Zukunft im Naturmuseum gepflegt (siehe Haupttext). Eine vom Museum unabhängige Stiftung ist für den Betrieb und die Finanzierung der Pflegestation zuständig. Die Voliere im Stadtpark bleibt aber bestehen. Sie wurde 1938 gebaut und beherbergt rund 200 Tiere wie Austernfischer, Löffler und Nonnengänse. Die Anlage ist in die Jahre gekommen, eine Sanierung ist laut Voliere-Chef Christian Müller dringend nötig. Es fehlen Lagerräume und WC, auch die Gehege und der Teich sollen erneuert werden. Bis die Sanierung beginnt, dürfte es aber noch fünf Jahre dauern. Die Stadt hat in ihrer Investitionsplanung für die Jahre 2021 und 2022 rund 2,5 Millionen Franken dafür vorgesehen. (rbe)