Visitenkarte für Heiligen Vater

Patrick Sonderegger wird am 31. Januar seinem Wohnort den Rücken kehren und als erster Eggersrieter den Dienst bei der Schweizergarde im Vatikan antreten. Damit geht für ihn ein Traum in Erfüllung.

Gisela Tobler
Drucken
Teilen
Patrick Sonderegger freut sich auf die «Lebensschule» im Vatikan. (Bild: Hanspeter Schiess)

Patrick Sonderegger freut sich auf die «Lebensschule» im Vatikan. (Bild: Hanspeter Schiess)

EGGERSRIET. Schon als 13-Jähriger spürte er den Wunsch, dereinst im Vatikan den Papst zu beschützen. Patrick Sonderegger erinnert sich genau. Im Oktober 2005, Papst Benedikt XVI. war frisch im Amt, nahm er mit seiner Familie an einer Pilgerfahrt nach Rom teil. «Als Höhepunkt durfte ich beim Gottesdienst in der Kapelle der Schweizergarde ministrieren. Ich war sehr beeindruckt und fasste den Entschluss: <Ich will auch einmal in die Schweizergarde.>»

Vor vier Jahren konkretisierte sich der Gedanke, als Patrick Sonderegger im Vatikan bei der Vereidigung der neuen Rekruten dabei sein durfte, die alljährlich am 6. Mai im Innenhof des Apostolischen Palastes stattfindet. Das Ambiente, das bei diesem feierlichen Anlass herrschte, habe ihn unglaublich fasziniert.

Mit Leib und Seele Katholik

Seither ist viel passiert. Im Juli 2012 hat Patrick Sonderegger die Lehre als Schreiner abgeschlossen. Anschliessend ging er in die Rekrutenschule, wo es ihm so gut gefiel, dass er eigentlich gerne weitergemacht hätte. «Aber noch lieber wollte ich zur Schweizergarde.» Deshalb reichte er gleich zu Beginn der RS das Bewerbungsdossier ein, dem er auch ein Empfehlungsschreiben des Pfarrers von Eggersriet, Laszlo Szücsi, beigelegt hatte.

Was im Vatikan auf ihn zukommen wird, weiss er ohnehin längst: «Seit Jahren informiere ich mich über alles, was mit der Schweizergarde zu tun hat, habe Bücher gelesen, Filme geschaut und im Internet recherchiert.» Nein, da gebe es absolut nichts, was ihm missfallen würde. Auch die farbenfrohe Uniform nicht. «Ich bin mit Leib und Seele Katholik und stehe bedingungslos hinter allem, was von einem künftigen Schweizergardisten verlangt wird», bekräftigt Patrick Sonderegger. Und der Tag, an dem er seine persönliche Uniform erhalte, werde ein ganz besonderer sein. Mit der erfolgreich absolvierten Rekrutenschule erfüllt der Eggersrieter nun sämtliche Punkte des Anforderungsprofils. Dazu gehören auch einwandfreier Leumund und abgeschlossene Ausbildung sowie die Tatsache, praktizierender Katholik zu sein, was er mit seiner zwölfjährigen Tätigkeit als Ministrant hinlänglich unter Beweis gestellt hat. Auch der regelmässige Besuch der Sonntagsmesse im Kreise seiner Familie bereitet ihm bis heute Freude. «Bei den Vorstellungsgesprächen wird man auf Herz und Nieren geprüft, ob zum Beispiel auch der Charakter passt», erzählt Patrick Sonderegger weiter. Das könne er gut nachvollziehen, «denn als Schweizergardist werde ich mit meinem Auftritt sozusagen eine Visitenkarte für den Heiligen Vater darstellen».

Eine Lebensschule

Der Gedanke, am Montag, 6. Mai 2013, nun selbst als Schweizergardist vereidigt zu werden, erfüllt den jungen Mann, der am 19. Januar seinen 21. Geburtstag feierte, mit grosser Freude. «Ja, ich werde schwören, Papst Benedikt und seinen Nachfolgern treu, redlich und ehrenhaft zu dienen und gegebenenfalls mein Leben für sie hinzugeben», sagt Patrick Sonderegger. Wobei er natürlich schon hoffe, dass Letzteres nicht notwendig sein werde. «Meine Zeit im Vatikan betrachte ich als Lebensschule, in der man nicht nur vielseitig ausgebildet wird, sondern auch Kameradschaft und Aufrichtigkeit pflegt.»

Wie lange er in Rom bleiben wird, weiss Patrick Sonderegger noch nicht: «Fürs erste verpflichtet man sich für 25 Monate, dann sehen wir weiter.» Und worauf er auch noch ein bisschen stolz ist: «Ich bin der erste Eggersrieter, der in der Schweizergarde dient.»

Aktuelle Nachrichten