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Visite in «Mittelstadt»

Die Diagnose lautet auf Krebs. Die Aussichten sind schlecht. Ein Anlass aufzugeben? Oder die verbleibende Zeit anzupacken? Wer's dennoch wagt, hat «Keine leeren Hände». So heisst der Titel des Romans von Conrad Eugster.
Josef Osterwalder
Conrad Eugster, Autor des Romans «Keine leeren Hände». (Bild: Ralph Ribi)

Conrad Eugster, Autor des Romans «Keine leeren Hände». (Bild: Ralph Ribi)

Im Buch von Conrad Eugster geht es um Sprechzimmer, Diagnosen, Untersuchungsbefunde. Um all das, mit dem der Autor auch beruflich zu tun hat, als Innerer Mediziner mit eigener Praxis. Vermittelt der Roman also eine ärztliche Botschaft? Handelt es sich um «narrative» Medizin? «Nichts von alldem», sagt Conrad Eugster; «es ist ein Roman, ich hatte einfach Lust, eine Geschichte zu erzählen.»

Ein Abschied ins Leben

Und diese Lust muss gross gewesen sein. Denn Conrad Eugster beobachtet genau, schildert einfühlsam die Personen, die Orte, den Verlauf der Gespräche. «Natürlich habe ich jenen Rahmen gewählt, den ich kenne», sagt der Autor. Entsprechend spielt im Leben des Krebskranken die Beziehung zu Ärzten eine wichtige Rolle. Aber bei Conrad Eugster ist der Patient nicht einfach «ein Krebskranker», sondern ein Mann, der – nebst vielen andern Lebensfacetten – auch mit seiner Krebsdiagnose fertig werden muss. So entwickelt sich eine Geschichte, die sich teils im Selbstgespräch des Patienten abspielt, teils ihren Bezugspunkt im immer kleiner werdenden Personen-Umkreis findet. Das scheint auf eine Sackgasse hinzulaufen, bis eine jener Begegnungen passiert, die man Wunder oder einfach auch Liebe nennen kann. Der geplante Abschiedsbrief wird zur Makulatur. Stattdessen endet die Geschichte mit einem mutigen Schritt ins Leben.

Medizin als Beziehung

Es sind die kleinen Hoffnungen, die Kraft geben. Dies erlebt Conrad Eugster als Arzt immer wieder. Er findet sie bei vielen seiner Patienten, die er teils über lange Jahre begleitet. Dies war für ihn auch ein Grund, die Spitallaufbahn zu verlassen und eine eigene Praxis zu eröffnen. Medizin baut auf Beziehung auf.

Was das bedeutet, hat er zum ersten Mal erlebt, als er, damals noch Student, in Schaffhausen eine Praxisvertretung übernahm. Da sagte ihm ein Patient, dass er in der kommenden Woche unmöglich kommen könne; dann sei die Traubenernte. Erst die Weinlese, dann die Krankheit.

Solche Geschichten erlebt der Arzt immer wieder, sie interessieren, beschäftigen ihn. Darum macht er auch gerne Hausbesuche. «Nicht aus Neugierde, sondern weil es wichtig ist, etwas vom Lebensumfeld eines Patienten zu spüren.»

Mit Empathie

Das ist es, was seiner Meinung nach den Hausarzt so bedeutsam macht. Wenn bei einem Patienten ein Spitalaufenthalt nötig wird, kann er die Spitalkollegen von Beginn weg in die richtige Richtung lenken. Er gibt ihnen soviel Informationen, dass sie bei der Anamnese nicht bei Adam und Eva und einer Untersuchungskaskade beginnen müssen, sondern das Augenmerk gleich auf das Wesentliche richten.

Im Roman Conrad Eugsters heisst die Hauptperson Rosmann, ein erfolgreicher, aber alternder Banker, der mit dem juvenilen Managementgehabe seiner Vorgesetzten nicht mehr klarkommt. Keine unbedingt sympathische, dafür aber realistische Person. Umso erstaunlicher, wie sehr ihn die Zuneigung einer Jugendfreundin zu berühren vermag. «Es gibt diese Frauen, die mit einer erstaunlichen Empathie zu einem Menschen stehen können.» Auch dies eine Erkenntnis aus langer Praxiserfahrung.

Auch ein St. Galler Roman

Conrad Eugster hat bereits vor sieben Jahren «Arbòstora», eine Sammlung von Erzählungen, veröffentlicht. Zwei weitere Manuskripte liegen in seiner Schublade. Das jüngste hat er in diesem Frühjahr veröffentlicht. Ein Buch, das auch ein wenig ein St. Galler Roman ist. Denn die nur leicht verschlüsselten Örtlichkeiten sind unschwer zu erkennen. Noch deutlicher spiegelt sich die Mentalität der Gallusstadt, der Eugster den Namen «Mittelstadt» gibt.

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