Visionäres Projekt wird zum Lehrstück

Noch schneller im Internet surfen, aus möglichst vielen Fernsehsendern auswählen, grosse Datenmengen herunterladen oder verschicken, günstig telefonieren: Das will heutzutage nicht nur Gaiserwald, sondern die halbe Welt.

Corinne Allenspach
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Noch schneller im Internet surfen, aus möglichst vielen Fernsehsendern auswählen, grosse Datenmengen herunterladen oder verschicken, günstig telefonieren: Das will heutzutage nicht nur Gaiserwald, sondern die halbe Welt. Als die Cablecom vor Jahren anfing, analoge Fernsehsender abzuschalten, beschloss die Gemeinde, ein eigenes Kabelnetz aufzubauen. Mit Glasfasern und dem Ziel, künftig selber bestimmen zu können, welche Dienste bei TV, Internet und Telefonie zu welchem Preis angeboten werden.

Was als visionäres Projekt begann, ist mittlerweile zu einem Lehrstück geworden. Bereits die Erschliessung aller Liegenschaften im FTTB-Standard (Fibre to the Building) kostete über 40 Prozent mehr als erwartet: 3,3 Millionen Franken statt 1,9 Millionen. Jetzt werden die Gaiserwalder kräftig zur Kasse gebeten. Am 14. Juni entscheiden sie über einen Kredit von 3,65 Millionen Franken, damit das Glasfasernetz auf FTTH (Fibre to the Home) erweitert und künftig rentabel betrieben werden kann.

Viel Geld, auch für eine finanzkräftige Gemeinde. Der Gemeinderat räumt ein, Fehler gemacht zu haben. Der grösste: Man habe dem anfangs beauftragten externen Fachplaner zu sehr vertraut und seine Arbeit zu wenig hinterfragt. Von einem Debakel, wie es Gossau jüngst erlebte, als die Kosten für KEV-Beiträge an Solaranlagenbesitzer aus dem Ruder liefen, kann man nicht sprechen. Kritische Voten muss sich der Gaiserwalder Gemeinderat aber durchaus gefallen lassen. Trotzdem tun die Bürgerinnen und Bürger gut daran, am 14. Juni dem Millionenkredit zuzustimmen. Ein leistungsstarkes Glasfasernetz ist heute ein Standortvorteil für eine Gemeinde. Und ein Mehrwert für jede Liegenschaft.

corinne.allenspach@tagblatt.ch

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