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VIERBEINER: Goldacher Hunde helfen Blinden

Die Ostschweizer Blindenführhundeschule ist eine von vier Schulen in der ganzen Schweiz. Auch Pudel sind als Blindenführhunde geeignet. Trotz des Erfolgs hört für Gründer Jorge Moreno die Arbeit nicht auf.
Rossella Blattmann
Jorge Moreno gewöhnt Blindenführhund Sam an den Strassenverkehr in Goldach. (Bild: Rossella Blattmann)

Jorge Moreno gewöhnt Blindenführhund Sam an den Strassenverkehr in Goldach. (Bild: Rossella Blattmann)

Rossella Blattmann

rossella.blattmann@tagblatt.ch

In Goldach strahlt die Frühlingssonne, und vom See her weht eine leichte Brise. Jorge Moreno, Gründer und Geschäftsführer der Stiftung Ostschweizerische Blindenführhundeschule, öffnet die Türe. «Kommen Sie herein!», ruft er. Zwei Hunde, die momentan in Ausbildung sind, kommen freudig angerannt. Sam, ein dunkelbrauner Labrador, wedelt mit dem Schwanz. «Sam ist noch ein bisschen müde. Er braucht manchmal ein wenig Zeit, bis er in die Gänge kommt. Genau wie wir Menschen auch», sagt der Vater von zwei erwachsenen Töchter schmunzelnd.

«Um wach zu werden braucht Sam jetzt erst einmal einen Morgenspaziergang.» Moreno zieht dem Hund das Blindenführhunde-Geschirr an und nimmt auch den Blindenstock mit, damit Sam nicht nur Gassi gehen, sondern auch gleich ein wenig üben kann. 1997 gründete Moreno die Stiftung Ostschweizerische Blindenführhundeschule (OBS). Auch wenn ihn die OBS viel Zeit und Geld koste: Den Schritt in die Selbstständigkeit habe er nie bereut. «Ich habe den besten Beruf der Welt», sagt er.

Moreno kam 1989 als junger Architekturstudent aus Mexiko in die Schweiz. Das sei eine schwierige Zeit gewesen. «Ich musste Deutsch lernen und mich neu orientieren.» Sein Schwiegervater war blind. So sei er auf die Idee gekommen, sich zum eidgenössisch diplomierten Blindenführhunde-Instruktor ausbilden zu lassen. «Ich hätte nie gedacht, dass ich einmal in diesem Beruf lande. Heute bin ich froh darüber. Der Kontakt mit den Menschen und Hunden gibt mir sehr viel.»

Auch Königspudel eignen sich

Um die Stiftung Ostschweizerische Blindenführhundeschule aufrecht zu erhalten, brauche es viel Arbeit, sagt Moreno. Als Stiftung sei die OBS auf Spendengelder und den Einsatz von Freiwilligen angewiesen, die vor allem Öffentlichkeitsarbeit leisten. «Die Ausbildung eines Blindenführhundes kostet 60000 bis 70000 Franken», sagt er. Mit der Unterstützung der IV bezahle die OBS nur einen Teil der Ausbildungskosten. «Mit diesen IV-Geldern sind etwa 30 Prozent der entstandenen Kosten gedeckt. Die restlichen 70 Prozent kommen ausschliesslich durch Spendengelder zusammen.»

Die Ausbildung eines Blindenführhundes beginnt mit der Welpenauswahl. Nicht nur Labradors wie Sam, aber auch andere Hunderassen wie beispielsweise der Königspudel würden sich als Blindenführhunde eignen, sagt OBS-Gründer und Geschäftsführer Moreno.

Während der Junghunde-Trainingsphase leben die Welpen bei Patenfamilien, bis sie bereit sind, für sechs bis neun Monate von einem OBS-Instruktor ausgebildet zu werden. «Ich und die anderen Instruktoren nehmen die Hunde dann abends mit zu uns nach Hause.» Nachdem ein Experte des Bundesamtes für Sozialversicherung das Können des Hundes geprüft hat, und das Tier besteht, kommt der Hund für eine sechsmonatige Probezeit zu einem blinden Menschen. «Diese Phase ist zentral», betont Moreno. «Während dieser Einführungsphase lernen sich Hund und Mensch kennen. Harmonie ist dabei das Wichtigste.» Erst nach einer zweiten Prüfung durch einen Experten des Bundesamtes für Sozialversicherung dürfe ein Blindenführhund schliesslich definitiv bei einer blinden Person bleiben.

Befohlen wird auf Italienisch

«Ein Blindenführhund bleibt im Schnitt für sieben bis acht Jahre bei einem blinden Menschen», sagt Moreno. «Danach wird der Hund pensioniert, und kommt bei einer Patenfamilie unter oder bleibt als Familienhund seinem Besitzer erhalten.» Letzteres empfehle er aber nicht. Denn für blinde Menschen sei es deutlich schwerer, ohne Führhund und nur mit dem Blindenstock den Alltag zu bewältigen. «Auch ein Blindenführhund soll einmal auch einfach nur Hund sein dürfen und das Hundeleben geniessen.»

In der Schweiz ist italienisch die Sprache der Befehle für Blindenführhunde. «Italienisch ist eine deutliche Sprache mit vielen Vokalen und für die Hunde leicht verständlich», sagt Moreno. «Avanti» zum Beispiel ist der Befehl für «Wir gehen los» und Italienisch für vorwärts.

Sam, der braune Labrador, gehorcht bereits einwandfrei auf den Befehl «Avanti». Dennoch scheint er noch nicht bereit, den Heimweg anzutreten. Denn: Die Natur ruft. Von sich aus begibt sich Sam zum nächsten Gulli. «Libera! Stacca!» ruft Moreno. Und Sam befreit sich. Und lässt es laufen.

Hinweis

www.o-b-s.ch

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