Vier Sorten Kindheitserinnerung

Bayram Asani blüht als Verkäufer von Soft-Ice und Brezel auf. An heissen Sommertagen hat er alle Hände voll zu tun mit den Maschinen, die sekundenschnell eine Erfrischung schaffen. Denn Soft-Ice gibt's in der Stadt sonst nirgends.

Olivia Hug
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Am Soft-Ice-Stand von Bayram Asani lockt die süsse Versuchung. (Bild: Olivia Hug)

Am Soft-Ice-Stand von Bayram Asani lockt die süsse Versuchung. (Bild: Olivia Hug)

Täglich schenken ihm Dutzende Menschen ein Lächeln. Das ist, was Bayram Asani an seiner Arbeit liebt. Bei richtigem Sommerwetter sind es gar viele Hunderte, die ihn anstrahlen. Vor allem Kinder. Und die mag er besonders gerne. «Weil sie ihren eigenen Willen haben», sagt Asani. Er ist nicht nur einfach der einzige Soft-Ice-Verkäufer der ganzen Stadt, er pflegt das Glaceverkaufen wie seine Berufung. Mit schlafwandlerischer Sicherheit bedient er die Maschinen, zapft die perfekte Menge Schoggi-, Pistache-, Erdbeer- oder Vanilleglace ab. Knausrigkeit liegt ihm nicht. Selbst das bestellte «klitzekleine Glace» bereitet er grosszügig zu. Mit Touristen posiert er gelegentlich für ein Foto. Mehrmals am Tag wechselt er die Sprache, sobald er merkt, dass seine Kundinnen und Kunden nicht Deutsch sprechen. Er spricht seine Muttersprache Serbokroatisch, Albanisch, etwas Russisch, Italienisch und Französisch. Ausserdem Portugiesisch. «Das habe ich gelernt, als 1980 so viele Portugiesen in die Schweiz kamen», erzählt Asani. Er arbeitete damals als Hilfskoch in einem Restaurant am Marktplatz. Weil die Immigranten kein Deutsch sprachen, lernte er kurzum ihre Sprache.

Fast wie Kochen

Seit 37 Jahren lebt der vierfache Vater in der Schweiz. Aufgewachsen ist der Albaner im heutigen Serbien, wohin er immer gegen Ende der Sommerferien reist. Erlernt hatte er eigentlich den Beruf des Maschinentechnikers. «Aber ich habe lange Zeit in der Gastronomie gearbeitet», sagt er mit sympathischem Akzent. Das Soft-Ice-Verkaufen sei gar nicht so weit weg von seinem Werdegang. Ausserdem seien da ja noch die frischen Brezel, die im kleinen Laden am Bohl ebenfalls angeboten werden. «Brezel zubereiten ist auch wie Kochen.»

Seit drei Jahren führt er die St. Galler Filiale der Brezelbäckerei Victoria, die auch das Soft-Ice-Angebot mit vier Sorten führt. Er hat drei Mitarbeiterinnen, die wie er in Schichten arbeiten. An heissen Sommertagen komme man auch zu dritt an die Grenzen. Manchmal sei er unablässig am Glacezapfen. Aber er liebt es, wenn sich wie an Mittwochnachmittagen eine Schlange von hungrigen Kindern bildet. Dann gehen Hunderte Glace über die Theke. Wie viele es genau sind, hat er nie ausgerechnet. «Aber so ein Tank kann dann schnell innert eines Tages leer sein», sagt Asani. 18 Liter Soft-Ice-Masse haben Platz. Aus einem Tank fliessen Schoggi und Pistache, aus dem anderen Erdbeer und Vanille. Letztere Geschmacksrichtungen gehören nebeneinander, weiss Asani: «Die meisten Kunden wollen seit jeher ein einfaches Erdbeer-Vanille-Eis.»

Kein Gelato, aber auch Glace

Die Kundschaft besteht nicht nur aus Kindern. Ihre Eltern geben gleich die Bestellung für die ganze Familie auf. Oder Erwachsene gönnen sich ein Glace nach dem Zmittag, bevor es wieder ins Büro geht. Soft-Ice erinnert fast alle ans Kindsein, an den Jahrmarkt oder an unbeschwerte Sommer. Dass Soft-Ice wegen seiner Konsistenz – und weil es als Pulver mit Wasser hergestellt wird – etwas Kitschiges, gar Chemisches an sich habe, lässt Bayram Asani nicht gelten. «Natürlich ist es kein italienisches Gelato. Aber gut ist es trotzdem und obendrein ein Schweizer Produkt.» Stolz präsentiert er die Verpackung aus dem Hause Nestlé. Er kann es nicht oft genug betonen: Alles hier sei frisch, alles sei sauber, fast alles sei aus einem Schweizer Rohstoff hergestellt. Und den günstigsten Kaffee der Stadt habe er auch. «Aber nur fast den besten», fügt er mit einem Augenzwinkern hinzu.

Kein Soft-Ice im Herbst

Doch zurück zum Soft-Ice. Das gibt es nämlich nur, solange Sommer ist. Im Herbst verschwinden die Tanks. Das habe schon manches Kind traurig gestimmt, sagt Asani. Weil er hier, mitten auf dem Marktplatz, ein fester Wert ist. Und weil es fast jedes Kind schafft, seine Mutter zu einem Glace zu überreden, wenn es hier vorbeikommt. «Die können richtig quengeln.»

Bild: OLIVIA HUG

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