Vier Ochsen für den Kloster-Klon

Von Hand, mit vier Ochsen und während 40 Jahren wird in Messkirch der St. Galler Klosterplan nachgebaut. Die Initianten stecken in den letzten Vorbereitungen für das Grossprojekt: Am 22. Juni wird die Baustelle eröffnet.

Malolo Kessler
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Modell des St. Galler Klosterplans, der in Deutschland auf 8,5 Hektaren Land nachgebaut wird. (Bild: Hannes Thalmann)

Modell des St. Galler Klosterplans, der in Deutschland auf 8,5 Hektaren Land nachgebaut wird. (Bild: Hannes Thalmann)

Das Städtchen ist klein, etwas verschlafen. Und es hat Grosses vor: Messkirch, idyllisch in Oberschwaben gelegen, baut ab diesem Sommer den St. Galler Klosterplan aus dem 9. Jahrhundert nach. Samt Kathedrale und gut 40 umliegenden Gebäuden sowie Wegen und Zäunen. Nur mit Muskelkraft und ein paar Ochsen– wie im Mittelalter eben. Das Projekt dauert denn auch eine ganze Weile: Es ist auf 40 Jahre ausgelegt und soll jährlich bis zu 150 000 Touristen anlocken. Derzeit laufen die letzten Vorbereitungsarbeiten für den Baubeginn, sagt Bert Geurten, Vorsitzender des Vereins Karolingische Klosterstadt.

Ochsen sind schon ausgebildet

Bereits bereit sind etwa Korbinian, Kilian, Karl und Jonathan. Diese klingenden Namen tragen die vier Ochsen, die in den letzten Monaten zu Zugtieren für die Arbeiten auf der Klosterbaustelle ausgebildet worden sind. «Die Ochsen sind unsere wichtigsten tierischen Mitarbeiter», sagt Geurten. Auch gefunden sind die menschlichen Mitarbeiter: Seiler, Schmiede, Schreiner, Korbmacher, Drechsler. Der Verein wurde teilweise regelrecht überrannt: «Auf die drei Steinmetz-Stellen haben sich 125 Personen beworben.» Auf 8,5 Hektaren Land, in einem Waldstück unweit von Messkirch gelegen, können die Besucherinnen und Besucher den Handwerkern dann beim Arbeiten zusehen. «Wir erstellen einen Rundweg mit 17 Stationen, an denen gewerkt wird.» Zwischen dreieinhalb und vier Stunden soll der Rundgang durch die mittelalterliche Baustelle dauern. Und er soll authentisch sein: «Wir wollen wirklich, dass es wie im 9. Jahrhundert zu- und hergeht.»

Dadurch, dass sich der Bauplatz ständig verändert, erhoffen sich die Initianten auch Besucher, die immer wieder kommen. Ziel ist laut Geurten, dass die Baustelle nach spätestens vier Jahren selbsttragend ist. Das Startkapital beträgt rund 1,2 Millionen Franken und setzt sich aus Beiträgen der Gemeinde Messkirch, des Bundeslandes Baden-Württemberg und EU-Geldern zusammen.

Brief an Doris Leuthard

Eröffnet wird der «Campus Galli», so der Name der Klosterbaustelle, am 22. Juni. Ursprünglich war der Baubeginn im April geplant. Das sei – angesichts aller Bewilligungen, die für ein derartiges Projekt nötig sind – zu ehrgeizig gewesen, sagt Geurten. Wie die Eröffnungsfeier gestaltet wird, weiss er noch nicht so genau. Wen er unbedingt dabeihaben will, das hingegen schon: Bundesrätin Doris Leuthard – «meine Schweizer Lieblingspolitikerin». Er werde ihr eigenhändig einen Brief schreiben und sie einladen.

Eine Chance für Beziehungen

Sowieso wünscht sich der Verein viele Gäste aus der Schweiz. Und vor allem aus St. Gallen. Stiftsbibliothekar Ernst Tremp, sozusagen Herr über den Klosterplan, habe bereits zugesagt. Das «Living History»-Projekt sei eine Riesenchance für eine gute Beziehung zwischen Deutschland und der Schweiz, zwischen St. Gallen und Messkirch. «Ich bin überzeugt, dass es ein Erfolg wird», sagt Geurten, der für den Klosterplan-Nachbau brennt. «So ein Projekt fasziniert einfach.» Eine kurze Pause, beim gesprächigen Deutschen eher selten, dann: «So etwas lässt die Menschen träumen. Das ist, was es ausmacht.»

Bert Geurten, Initiant des «Campus Galli». (Bild: pd)

Bert Geurten, Initiant des «Campus Galli». (Bild: pd)