Vier Minuten schneller in der Stadt

In 21 Minuten mit dem «Siebner» von Abtwil Dorf zum Bahnhof St. Gallen. Das dauert den Abtwilern zu lange. Sie möchten eine schnellere, möglichst direkte Verbindung in die Stadt. Jetzt legt der Kanton vier mögliche Varianten vor.

Corinne Allenspach
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Rascher mit dem Bus zum Bahnhof gelangen, wollen die Abtwiler. (Bild: Urs Jaudas)

Rascher mit dem Bus zum Bahnhof gelangen, wollen die Abtwiler. (Bild: Urs Jaudas)

Abtwil. Ginge es nach den Abtwilern, so könnte der «Siebner» ab Cinedome möglichst ohne Halt zum Bahnhof St. Gallen fahren. Fragt man die St. Galler, sieht es freilich anders aus. Sie bevorzugen einen möglichst dichten Takt. Die verschiedenen Bedürfnisse unter einen Hut zu bringen, machen die Aufgabe, eine neue Buslinie zu planen, bereits knifflig genug. Erschwerend kommt die Topographie mit dem Tobel zwischen Stadt und Gaiserwald hinzu. «Hätten wir eine gute Lösung, die alle Bedürfnisse abdeckt und auch finanziell tragbar ist, wäre sie schon lange realisiert», sagte Laurent Reusser, zuständiger Planer beim Amt für öffentlichen Verkehr Ende 2010 im Tagblatt.

Der Wunsch nach einer neuen Buslinie kommt denn auch nicht vom Kanton, sondern von den Gaiserwaldern. «Ziel ist eine möglichst schnelle Verbindung für Abtwil nach St. Gallen», heisst es im Richtplan der Gemeinde.

Halbe Million pro Bus

Zwischenzeitlich hat ein externes Planungsbüro eine Studie ausgearbeitet. Vier mögliche Varianten schlägt es vor. Bei den ersten beiden würde der Bus über die Spisegg geführt, die beiden anderen gehen von einer beschleunigten Linie (mit weniger Haltestellen) über die Fürstenlandbrücke aus. Was allen Varianten gemeinsam ist: «Alle verursachen gegenüber heute Mehrkosten für die öffentliche Hand», sagt Reusser. Wie hoch diese sind, hänge vor allem davon ab, wie viele zusätzliche Fahrzeuge eingesetzt werden müssten. «Ein Bus mehr kostet rund eine halbe Million Franken pro Jahr», so Reusser.

Eine weitere Gemeinsamkeit: Bei allen Varianten würde die Fahrzeit von Abtwil Dorf bis zum Bahnhof St. Gallen um drei bis vier Minuten verkürzt. Heute benötigt der «Siebner» für diese Strecke rund 21 Minuten, mit einer der vorgeschlagenen Varianten wären es noch 17, beziehungsweise 18 Minuten. Ein weiteres Ziel wäre laut Reusser, dass Synergien mit den Buslinien nach Herisau und Engelburg genutzt werden könnten und dadurch weniger Busse durchs Abtwiler Dorf führen.

Stehend über die Spisegg

Reusser deutet auf die Planstudie. «Die Reisezeit ist heute eigentlich der einzige Nachteil für die Abtwiler», sagt er. Weil die Linie 7 als städtische Linie geführt wird, profitierten die Abtwiler dafür vom dichten Takt. Unter der Woche fährt der «Siebner» tagsüber alle zehn Minuten. Die Idee sei, diesen Takt auf Stadtgebiet auch weiterhin zu belassen oder in den Pendlerzeiten sogar zu verdichten. Mit einer neuen Linienführung wären die Abtwiler künftig bestenfalls noch im 15-Minuten-Takt mit der Stadt verbunden. «Abends und am Wochenende wäre es dann bedeutend weniger», sagt Reusser.

Er sieht auch andere Nachteile. Wegen der Topographie wäre es schwierig, mit einem Gelenkbus über die Spisegg zu fahren – nicht nur im Winter. Aber auch ein kleineres Fahrzeug hätte seine Tücken. «Stehplätze auf der kurvigen Strasse sind sicher nicht ideal.» Und einen garantierten Sitzplatz könne niemand erwarten. Gerade bei einer Linienführung über die Spisegg könne man sich also streiten, ob sich die Zeitersparnis von drei, vier Minuten ab Abtwil Dorf lohne. Zumal die Abtwiler am Bahnhof künftig umsteigen müssten, um zum Marktplatz zu gelangen, da sich Richtung Osten keine Verknüpfung mit einer anderen Linie anbiete. Reussers Fazit darum nach dem Variantenstudium: «Der jetzige Zustand ist trotz der Fahrzeit gar nicht so schlecht.»

Bedenkzeit bis Ende August

Vor wenigen Tagen hat der Kanton der Gemeinde Gaiserwald und der Stadt St. Gallen die Studie zur Vernehmlassung zugestellt. Die Gemeinden haben bis Ende August Zeit, sich für zwei Varianten auszusprechen, die vertieft werden sollen. Die Studie wurde ausserdem den drei in beiden Gemeinden tätigen Transportunternehmen zugestellt: VBSG, Regiobus und PostAuto.

Können sich St. Gallen und Gaiserwald auf eine Variante einigen, könnte laut Reusser frühestens 2013 ein dreijähriger Versuchsbetrieb starten. Und wenn beide je eine andere Variante favorisieren? «Dann wird es schwierig.»