Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

VIELFLIEGER: Zugvögel in Wohnungsnot

Asphaltierte Strassen und Flachdächer rauben Zugvögeln den Lebensraum. In Wittenbach mussten kurz vor ihrer Rückkehr Nistkästen entfernt werden. Die Suche nach Ersatz ist nicht einfach.
Johannes Wey
Ein in Wittenbach evakuierter Mauersegler. (Bild: PD)

Ein in Wittenbach evakuierter Mauersegler. (Bild: PD)

Johannes Wey

johannes.wey@tagblatt.ch

Mit dem Abriss der Martinsblöcke für die Wittenbacher Zentrumsüberbauung verschwindet zumindest vorerst Wohnraum. Und das betrifft nicht nur die Mieter. Auch Mauersegler- und Mehlschwalbennester mussten kürzlich entfernt werden. Dies, damit sich die Zugvögel bei ihrer Rückkehr aus dem Winterquartier in diesen Tagen nicht mehr dort niederlassen. Die Demontage übernahm die örtliche Feuerwehr unter Mithilfe der Berufsfeuerwehr St. Gallen, da dafür eine Drehleiter nötig war.

Christian Müller führt die Wildvogelpflegestation St. Gallen. Er hofft, dass bald neue Standorte für Nester gefunden werden. Müller wohnt seit Jahrzehnten in Wittenbach und weiss aus eigener Erfahrung, dass sich nicht jede Hausfassade für ein Vogelnest eignet. «Bei unserem Häuschen haben wir natürlich auch Nester montiert. Aber sie werden kaum genutzt», sagt Müller. Er vermutet, dass die Höhe zu gering ist. Damit die Vogelnester unter dem Dachvorsprung genutzt werden, muss zudem der Anflugwinkel stimmen und es dürfen keine Hindernisse wie Bäume im Weg stehen. Und ob die Vögel die Nester dann auch als Zuhause akzeptieren, sei immer fraglich. «Wer mit dem Gedanken spielt, ein Nest aufzuhängen, kann sich gerne bei mir melden», sagt Müller.

Flachdächer und Asphalt rauben Lebensraum

Die Nistgelegenheiten für Mauersegler und Mehlschwalben sind laut Müller in den letzten Jahrzehnten seltener geworden. Flachdächer verhinderten beispielsweise, dass sich die Vögel selber ein Nest bauen könnten. Den Mehlschwalben fehle in asphaltierten Quartieren auch der Staub für den Nestbau. Deswegen können entsprechende «Gelege» vielerorts gekauft werden. Wittenbachs einzige grössere Mauerseglerkolonie ist an der St. Gallerstrasse zu Hause.

Oft wird den Zugvögeln, die, wie auch ihre Nester, geschützt sind, wenig Verständnis entgegengebracht. «Meist wird dann beklagt, dass die Vögel an die Fassade koten», sagt Müller. Allerdings könne mit einem Brett unter dem Nest Abhilfe geschaffen werden. «Wenn wir erfahren, dass solche Nester entfernt werden, informieren wir die Gemeinde.»

Hoffen auf die Zentrumsüberbauung

Müller hegt die Hoffnung, dass an den Neubauten am Standort der heutigen Martinsblöcke wieder Nester hängen können. Zumindest für die Mehlschwalben wären die Bauten aber wohl zu hoch, befürchtet er.

Bei der Bauherrin, der Migros Ostschweiz, hat man durchaus ein offenes Ohr für das Anliegen. Der Architekt werde die Möglichkeiten prüfen, sagt Sprecherin Silke Seichter. Ob es eine Lösung gebe, die sowohl den Tieren gerecht werde als auch architektonisch aufgehe, sei aber offen.

Hinweis

www.wildvogelpflegestation.ch

Bis vor kurzem boten die Dachvorsprünge der Martinsblöcke Nistgelegenheiten für Zugvögel. (Bild: Urs Bucher)

Bis vor kurzem boten die Dachvorsprünge der Martinsblöcke Nistgelegenheiten für Zugvögel. (Bild: Urs Bucher)

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.