«Vieles ist kaputtgegangen»

Seit dem Cup-Aus des FC St. Gallen herrscht zwischen Verein und Fans Funkstille. Michael Blatter vom Fan-Dachverband und der Fan-Verantwortliche Urs Baumgartner äussern sich.

Merken
Drucken
Teilen
«Die Gespräche müssen weitergehen»: Michael Blatter.

«Die Gespräche müssen weitergehen»: Michael Blatter.

Die Saison ist vorbei. Steht Ihnen nach der FCSG-intensiven nun eine FCSG-freie Zeit bevor?

Michael Blatter: Nein, bei uns im Dachverband 1879 beginnt diese Woche bereits die Planung für die neue Saison.

Urs Baumgartner: Für mich als Fan-Verantwortlichen stehen Sitzungen und Weiterbildungen mit den SBB wegen den Extrazügen an. Und wir haben ja noch einige Baustellen zwischen den Fans und dem Verein.

Seit dem Cup-Halbfinal gegen Lausanne herrscht zwischen dem Verein und den Fans Funkstille.

Baumgartner: Die Niederlage war brutal. Einerseits aus sportlicher Sicht und andererseits wegen der Konsequenzen, die von der Clubleitung danach gezogen wurden. Durch das Choreo-Verbot ist zwischen dem Verein und den Fans sehr vieles kaputtgegangen. Und in der Aufregung ging vergessen, was wir gemeinsam erreicht haben. Zum Beispiel, dass es mit den St.

Galler Fans vor und nach Heimspielen rund um das Stadion nie Probleme gab, wofür wir von der Polizei auch mehrmals gelobt worden sind.

Blatter: Die momentane Situation ist für alle sehr unangenehm. Wir vom DV 1879 warten, bis der Verein einen Schritt auf uns zu macht. Es ist klar, dass wieder Gespräche geführt werden müssen. Aber so schnell wird man nicht wieder auf dem Stand von vor dem Spiel sein.

Mit den Choreos seien Pyros ins Stadion geschleust worden, lautet der Vorwurf des Vereins. Könnte sich die Situation entspannen, wenn sich der Dachverband klar gegen Pyros aussprechen würde?

Blatter: Vorweg: Wir warten bis heute auf den Beweis, dass die Pyros mit der Choreo ins Stadion gelangten. Zu unserer Haltung: Zu den Pyros haben wir keine. Gewisse Leute im Dachverband sind für das Abbrennen von Pyros, andere sind dagegen. Letztlich ist das Sache des Espenblocks.

Trotzdem, ihr wurdet ja in die Vermittlerrolle gedrängt und habt diese teilweise auch angenommen. So hat der Espenblock auf eure Initiative hin einen Flyer mit Verhaltensregeln erarbeitet.

Blatter: In diesem Fall war es für uns einfach, eine klare Meinung zu haben. Denn natürlich sind wir vom DV 1879 gegen Gewalt. Bei den Pyros ist die Sache komplizierter. Diese gehören für viele im Espenblock zur Fankultur. Ausserdem ist es meiner Ansicht nach klar falsch, Pyros und Gewalt gleichzusetzen.

Und wie ist Ihre Rolle, Herr Baumgartner? Sie sind als Fan-Verantwortlicher ja vom Verein angestellt.

Baumgartner: Ich sehe mich als Bindeglied zwischen Verein und Fans. Wenn im Espenblock der Wunsch nach Pyros da ist, muss ich das zur Kenntnis nehmen. Ich versuche, die Parteien wieder an einen Tisch zu bringen, um einen Kompromiss möglich zu machen.

Was haltet ihr von den verschiedenen Sicherheitsmassnahmen für Sportveranstaltungen, die derzeit landesweit diskutiert werden? Beispielsweise, dass in Stadien künftig nur noch Light-Bier ausgeschenkt werden soll?

Blatter: Die Massnahme ist meiner Ansicht nach nicht sinnvoll. Es ist für uns jedoch heikel, gegen repressive Massnahmen Stellung zu nehmen, weil dann jeweils schnell der Vorwurf kommt, der DV legitimiere Gewalt. Deshalb ist für uns auch der Aufbau der geplanten soziokulturellen Fanarbeit so wichtig.

Inwiefern?

Blatter: Professionelle Fanarbeiter wären neutral und könnten in der Öffentlichkeit eher sagen: «Das ist kontraproduktiv.» Und sie könnten besser vermitteln. Auch wir versuchen neutral zu sein, aber das ist schwierig, wenn man aus der Fanszene kommt und viele Leute im Espenblock kennt.

Zum Schluss: Was haltet ihr von den Ticketpreis-Erhöhungen, die der Verein bekanntgegeben hat?

Baumgartner: Der Aufschlag zwischen 30 und 60 Prozent ist happig.

Ich würde sagen: Der Entscheid ist das i-Tüpfelchen auf all das, was in den letzten Wochen passiert ist.

Interview: Peter Brühwiler

«Haben gemeinsam viel erreicht»: Urs Baumgartner. (Bilder: Urs Bucher)

«Haben gemeinsam viel erreicht»: Urs Baumgartner. (Bilder: Urs Bucher)