Viele leere Wohnungen am Berg

Rorschacherberg hat im kantonalen Vergleich die höchste Leerwohnungsziffer, Rorschach folgt auf Platz drei. Warum die Gemeinde mit begehrter Wohnlage einen so hohen Wert erreicht, ist dem Gemeindepräsidenten unklar.

Jolanda Riedener
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Rorschacherberg hat die höchste Leerwohnungsziffer im Kanton, Rorschach liegt an dritter Stelle. (Bild: Linda Müntener)

Rorschacherberg hat die höchste Leerwohnungsziffer im Kanton, Rorschach liegt an dritter Stelle. (Bild: Linda Müntener)

REGION. Die Zahl der leerstehenden Wohnungen in der Region ist gestiegen. Im Vergleich zum vergangenen Jahr stehen am Stichtag, dem 1. Juni 2015, 71 Wohnungen mehr leer als im Vorjahr, wie die aktuellen Auswertungen der kantonalen Fachstelle für Statistik zeigen. Grundsätzlich gestaltet sich die Wohnungssuche im ganzen Kanton St. Gallen leichter als auch schon (Tagblatt vom 24. September 2015). Im kantonalen Vergleich liegen die Gemeinde Rorschacherberg sowie die Stadt Rorschach vorne. Genauer gesagt hat Rorschacherberg von 77 Gemeinden im Kanton den höchsten Anteil an Wohnungen, die zur Miete oder zum Kauf angeboten werden und am Stichtag nicht bewohnt waren. Die Leerwohnungsziffer ist in Rorschacherberg mit 4,76 Prozent entsprechend am höchsten (siehe Tabelle), gefolgt von der Gemeinde Au mit 4,73 Prozent. An dritter Stelle befindet sich die Stadt Rorschach mit einer Leerwohnungsziffer von 4,43 Prozent.

Beliebter Wohnraum am Berg

Dass gerade Rorschacherberg die meisten freien Wohnungen aufweist, verblüfft. Verblüfft ist auch der Gemeindepräsident Beat Hirs: «Rorschacherberg ist nach wie vor eine sehr beliebte Wohngegend.» Ihn machen diese Zahlen hellhörig. Laut Hirs mache diese Statistik wenig Sinn, vor allem wenn man sich das Verhältnis von Angebot und Nachfrage des Wohnraums in Rorschacherberg vor Augen halte. «Wohnungen in Rorschacherberg sind nicht günstig», sagt Hirs. Hätte es viele freie Wohnungen, müssten diese entsprechend günstiger werden. Dass dem nicht so ist, kann Hirs bestätigen: «Wir haben Schwierigkeiten damit, günstigen Wohnraum für Asylsuchende zu finden.» Wie genau das Bundesamt für Statistik die Leerwohnungen in Rorschacherberg erfasst hat, kann Hirs nicht erklären. Bei der Gemeinde erfasse man lediglich alle Gebäude in Rorschacherberg. Ob die Wohnungen aber bezogen worden sind, erfasse man nicht statistisch. Eine mögliche Fehlerquelle bei der Berechnung von leerstehenden Wohnungen könnte laut Hirs die Einwohnerzahl sein. So zählte Rorschacherberg Anfang 2014 6934 Einwohner, aktuell sind es 7140. Im vergangenen Jahr sind zwar 100 neue Wohnungen entstanden, die Einwohnerzahl hat gleichzeitig aber um 200 Einwohner zugenommen. Werden nicht die aktuellen Einwohnerzahlen verwendet, führe das zu einer Verzerrung.

Mehr Wohnraum in Rorschach

In der Stadt Rorschach ist die Leerwohnungsziffer von 3,27 auf 4,43 Prozent gestiegen, Wohnungen hat es in Rorschach nicht mehr als im Vorjahr. Die Einwohnerzahl dagegen sei leicht gestiegen, sagt der Stadtpräsident Thomas Müller. Die Anzahl leerstehender Wohnungen in Rorschach schwankte in den vergangenen drei Jahren. 2013 sind 223, 2014 nur noch 168 leere Wohnungen gezählt worden. Dieses Jahr ist die Anzahl leerstehender Wohnungen wieder auf 228 gestiegen und ähnlich hoch wie 2013. Thomas Müller sagt, dass sich die Quoten unter Umständen stark nach dem Stichtag unterscheiden. Müller, der zurzeit an der Herbstsessionen in Bern ist, stellt fest, dass neue Wohnungen in Rorschach nach wie vor sehr beliebt sind. Wenn dagegen ältere, billigere Wohnungen nicht vermietet werden, sei das für die Stadt nicht weiter schlimm, da mit diesen Wohnungen ein steuertechnisch uninteressantes Zielpublikum angesprochen werde.

Unterschiede in den Gemeinden

In Goldach ist die Anzahl leerer Wohnungen von 112 auf 91 zurückgegangen. Neubauten in Goldach sollen bald im Gebiet Sonnental entstehen. In Mörschwil (+2), Tübach (+7) und Untereggen (–3) bleibt die Zahl leerstehender Wohnungen tief, in Thal (+6) und St. Margrethen (–2) sind die Zahlen ebenfalls auf ähnlichem Niveau. In Rheineck (–29) und Steinach (–19) sind die freistehenden Wohnungen zurückgegangen, in Eggersriet (+17) dagegen hat es mehr Auswahl auf dem Wohnungsmarkt gegeben.