Viele Küsse für Dornröschen

Das «Krone»-Areal ist wiederbelebt: Im Städtli wurde am Samstag die Wiedereröffnung der «Alten Krone» mit angebautem Luzenhaus und «Laterne» gefeiert und auf die bewegte Geschichte der Gebäudegruppe zurückgeblickt.

Monika von der Linden
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Carlo Schmid spricht als Präsident der Stiftung Pro Patria zur Festgemeinde im Innenhof der Gebäudegruppe auf dem Kronen-Areal. 1999 habe die Stiftung mit einem Beitrag von 20 000 Franken die ersten Räumungs- und Sicherungsarbeiten ermöglicht. (Bild: Monika von der Linden)

Carlo Schmid spricht als Präsident der Stiftung Pro Patria zur Festgemeinde im Innenhof der Gebäudegruppe auf dem Kronen-Areal. 1999 habe die Stiftung mit einem Beitrag von 20 000 Franken die ersten Räumungs- und Sicherungsarbeiten ermöglicht. (Bild: Monika von der Linden)

RHEINECK. «Unmögliches wird möglich, wenn es an Mut nicht fehlt.» Diese Worte des Stadtpräsidenten Hans Pfäffli fassen die ganze Geschichte des Kronen-Areals in einem Satz zusammen. Mehr als 30 Jahre habe das Gebäude-Ensemble das Bild der Altstadt beeinträchtigt. Heute störe die «Krone» nicht mehr, heute werte ein Juwel Rheineck auf, sagte Pfäffli zur Festgemeinde an der Einweihung am Samstag.

«Sie haben Rheineck eine Krone aufgesetzt,» spielte Regierungsrat Martin Klöti treffend mit Worten. Das «Krone»-Ensemble – «Alte Krone» mit angebautem Luzenhaus und «Laterne» – sei ein Monument, das Geschichte greifbar mache. Es sei überzeugend, wie die Liegenschaft hergerichtet und ein wichtiges Kulturgut erhalten geblieben sei, sagte der Vorsteher des Departements des Innern.

Schlechte wie gute Momente

Er kenne alle Details des Projekts und sei an an vielen Diskussionen beteiligt gewesen, sagte Titus Ladner, architekten : rlc ag. «Es gab viele negative Momente. Das frühere Wirtshaus hat aber auch schöne Momente erlebt, an die wir anknüpfen wollten», sagte der Architekt. Der Dornröschenschlaf sei zu Ende. Es habe aber mehr als einen Kuss gebraucht, um die «Krone» zu wecken.

Als Symbol der Übergabe wählte Titus Ladner keinen Schlüssel, da die Bibliothek/Ludothek schon länger offen sei. Das treffendere Symbol sei das ursprüngliche Wirtshausschild, welches wieder aufgetrieben werden konnte.

Wieder zurück in Rheineck

Dieses Wirtshausschild, das bereits vor 100 Jahren über dem Eingang der Laterne hing, war aber nicht verschollen. Magi Bélat verbindet persönliche Erinnerungen damit. Vor 47 Jahren, in der Silvesternacht, küssten sie und ihr Mann Ernst sich zum ersten Mal unter dieser alten Laterne. Vor rund 25 Jahren wurde das Schild abmontiert und Magi Bélat erstand es. Seither schmückt es ihr Heim in Speicherschwendi.

Doch die Freude über die Wiedereröffnung der «Krone» überwiegt. So entschloss sie sich am Freitagabend, es der Stadt zum Kauf anzubieten. Innert kürzester Zeit gelang es Hans Pfäffli, in Titus Ladner einen Sponsor zu finden. In der nächsten Woche wird Bélat das symbolträchtige Stück übergeben. «So wie das Judenzimmer wieder zurück in Rheineck ist, so kommt auch die alte Laterne zurück nach Rheineck», sagte Bélat.

Instandsetzung gerechtfertigt

Aus der Perspektive des Kantonalen Denkmalschutzes beleuchtete Pierre Hatz das Ergebnis, das nach dem steinigen Weg nun gefeiert wird. Es sei gelungen, die innere und äussere Bausubstanz eines Gebäudes zu retten und zu erhalten, die in die Zeit vor der Schlacht zu Sempach – nämlich bis 1370 – zurückreicht, sagte Hatz. Dass die «Krone» kein Abrissprojekt und eine Instandsetzung gerechtfertigt sei, habe viel Überzeugungsarbeit seitens des Heimatschutzes gebraucht.

Alois Hofmann ist anderer Meinung. Er wohnt seit 35 Jahren Jahren in Rheineck. Als er noch in Amriswil lebte, kam er häufig in die als Disco bekannte «Laterne». Die Ruine hätte er gerne abgerissen und wieder genauso aufgebaut gesehen. Wenn er auch nach wie vor überzeugt ist, dass diese Variante günstiger gekommen wäre, so lobte er doch das Ergebnis: «Ist super geworden», sagte der 75-Jährige. Diese Worte waren beim öffentlichen Rundgang häufig zu hören. Die Besucherinnen und Besucher zeigten sich beeindruckt, wie einzigartig die Wohnungen gestaltet sind.