«Viele finden keine Nachfolge»

Nach acht Jahren gibt Remo Schelb das Präsidentenamt des Gewerbevereins Andwil-Arnegg ab. Im Verein sieht er eine wichtige Plattform für Firmen. Die Weiterführung dürfte dennoch schwierig bleiben.

Angelina Donati
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Remo Schelb Ehemaliger Präsident des Gewerbevereins Andwil-Arnegg (Bild: pd)

Remo Schelb Ehemaliger Präsident des Gewerbevereins Andwil-Arnegg (Bild: pd)

Herr Schelb. Sie gehören dem Gewerbeverein Andwil-Arnegg 16 Jahre an. Acht davon hatten Sie das Präsidentenamt inne. Weshalb sind Sie zurückgetreten?

Remo Schelb: Bereits im Vorfeld stand für mich fest, das Amt nicht zu lange auszuüben. Wenn immer dieselben Personen am Ruder sind, kann das schnell zu einer Verkrustung führen. Wichtig ist doch, dass der Verein Spirit hat. Nach acht Jahren ist es daher Zeit für neue Leute, die neue Ideen einbringen

Was war Ihre Motivation, Präsident zu werden?

Schelb: Nach gleich mehreren Rücktritten im Vorstand stand der Gewerbeverein im Jahr 2007 praktisch vor seiner Auflösung. Als ich an einem Workshop teilnahm, bei dem es um die Zukunft des Gewerbevereins ging, fügte sich eines dem anderen. Und so stellte ich mich spontan als Präsident zur Verfügung. Bewusst gesucht habe ich die Funktion aber nicht.

Das Amt ist ja ehrenamtlich und äusserst zeitaufwendig. War es schwierig, eine Nachfolge zu finden?

Schelb: Sehr sogar. Zwei Jahre waren wir auf der Suche nach einer Person, die sich des Präsidentenamts annehmen will. Mit Basil Keller sind wir zum Glück fündig geworden. Noch immer aber ist der fünfköpfige Vorstand mit einer Person unterbesetzt – und das schon seit vier Jahren.

Die Mitgliederzahlen sind zudem rückläufig. Wo sehen Sie die Gründe?

Schelb: Noch vor acht Jahren hatten wir 94 Mitglieder, heute sind es 83. Die meisten Austritte, die wir zu verzeichnen hatten, waren wegen Geschäftsschliessungen oder Standortverlagerungen. Dabei gehen viele Geschäfte ein, da sie die Nachfolge nicht regeln können. Ein Trend, der für die Gesellschaft alarmierend ist.

Macht es dabei einen Unterschied, ob es sich um einen Handwerks- oder einen um Dienstleistungsbetrieb handelt?

Schelb: Auf jeden Fall. Zweck des Gewerbevereins vor 95 Jahren war, den Unternehmen im handwerklichen Bereich eine Plattform zu bieten. Heute hat sich dies stark verlagert. Nur noch etwa die Hälfte unserer Mitglieder sind Handwerksbetriebe, die andere Hälfte sind Dienstleister. Auf die zeitlichen Begebenheiten können Dienstleistungsbetriebe viel rascher reagieren und sind weniger ortsgebunden.

Der Gewerbeverein steht also vor grossen Herausforderungen. Braucht es den Verein überhaupt noch?

Schelb: Das ist eine Überlegung, über die sich der Vorstand weiter Gedanken machen sollte. Fest steht jedoch, dass es zunehmend schwieriger geworden ist, in kleinen Strukturen den Anforderungen entsprechen zu können. Möglich ist dies nur mit Leuten, die sich einsetzen. Was heutzutage aber keine Selbstverständlichkeit mehr ist.

Könnte denn ein Zusammenschluss mit dem Gewerbeverein Gossau alle Zukunftsprobleme aus der Welt zu schaffen?

Schelb: Bereits vor etwa drei Jahren habe ich öffentlich vorgeschlagen, eine Dachorganisation des Gewerbevereins Gossau, der Handels- und Industrievereinigung Gossau (HIG), der Gossauer Fachgeschäfte und unseres Vereins zu prüfen. In diesem Zusammenschluss sehe ich lauter Vorteile, und zwar für alle Verbände und Vereine im Wirtschaftsraum Gossau. Schliesslich sind ja auch die Anliegen alle dieselben. Weiter entwickelt wurde diese Vision allerdings leider noch nicht.

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