Viel Widerstand bei der Bildung

Die Stadt Gossau will mittelfristig 4,3 Millionen Franken sparen. Mehr als ein Viertel davon, 1,3 Millionen Franken, entfallen auf den Bereich Bildung und Sport. Sechs der sieben geplanten Massnahmen stehen bereits in der Kritik.

Rafael Rohner
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Der Beitrag an Stadtbibliothek und Ludothek soll um 50 000 Franken gekürzt werden. (Bild: Michel Canonica)

Der Beitrag an Stadtbibliothek und Ludothek soll um 50 000 Franken gekürzt werden. (Bild: Michel Canonica)

Zehn mögliche Sparmassnahmen listet der Stadtrat im Bereich Bildung und Sport auf. Sieben davon empfiehlt er dem Parlament am 24. September zur Genehmigung. Die Aufgabe für die Parlamentarier wird knifflig, denn von diesen sieben Massnahmen stehen sechs bereits in der Kritik: Der Lehrerverein Gossau wehrt sich gegen das Vorhaben, die Klassengrösse zu erhöhen, Fördermassnahmen zu reduzieren oder Schwimmunterricht und Sportlager teilweise zu streichen. Das Gymnasium Friedberg und die Musikschule Fürstenland wollen geplante Beitragskürzungen nicht hinnehmen (Ausgaben vom 21. und 28. August). Und nun meldet sich auch der Trägerverein der Stadtbibliothek zu Wort. Die Beiträge an Bibliothek und Ludothek sollen von jährlich 400 000 Franken auf 350 000 Franken gekürzt werden.

Lobbyarbeit gefragt

«Die geplante Sparmassnahme ist ein Dämpfer», sagt Alfred Noser, Präsident des Trägervereins der Bibliothek. Erst kürzlich hätten die Stimmbürger für eine neue Stadtbibliothek gestimmt, und das Team sei am neuen Ort mit viel Schwung gestartet. So habe sich der Kundenstamm vergrössert, und die Schulen seien am neuen Angebot «sehr» interessiert. Trotz der angekündigten Sparmassnahme ist Noser aber zuversichtlich: Bis 2014 bestehe mit der Stadt noch ein Fixvertrag, bis dahin könne der Beitrag ohnehin nicht gekürzt werden. Jetzt gelte es, «zünftig» Lobbyarbeit zu machen, damit der Bildungsauftrag der Bibliothek nicht geschmälert werde.

Stimmt das Parlament am 24. September allen 37 Massnahmen zu, die der Stadtrat zur Annahme empfiehlt, wäre der Bereich Bildung und Sport am stärksten betroffen. Ab 2018 sollen in diesem Bereich 1,3 Millionen Franken gespart werden, was mehr als einem Viertel der geplanten Einsparungen entspricht. Gemäss Schulpräsident Urs Blaser beansprucht die Schule 60 Prozent der finanziellen Mittel im Stadthaushalt, was einen Nettoaufwand von 35 Millionen Franken ergebe. Es sei deshalb folgerichtig, dass sich die Aufgaben- und Leistungsüberprüfung auf sämtliche Bereiche des Stadthaushaltes erstrecke. «Zweimal hat sich die Bevölkerung für tiefere Steuern ausgesprochen», sagt Blaser. Anders als dies der Stadtrat und das Parlament empfohlen hätten. Zur Kritik des Lehrervereins an den geplanten Sparmassnahmen im Schulbereich will sich Urs Blaser nicht äussern. «Jetzt ist das Parlament am Zug.»

Die einzige vom Stadtrat vorgeschlagene Sparmassnahme im Bildungsbereich, die bislang noch nicht kritisiert wurde, betrifft die Führung. Diese soll reorganisiert werden. Mit einer weiteren Professionalisierung und einer schlankeren Führung könnten gemäss Stadtrat so ab 2017 rund 50 000 Franken eingespart werden. Eine Veränderung der Zusammensetzung des Schulrates erfordere eine Revision der Gemeindeordnung, heisst es im Bericht und Antrag ans Parlament.

Schwimmunterricht reduzieren

Wenig Protest löst bislang auch das Vorhaben aus, den Schwimmunterricht ab der dritten Primarklasse zu streichen. Das ist insofern überraschend, als die Schulgemeinde Andwil-Arnegg im Sommer 2012 ebenfalls die Hallenbad-Besuche reduzieren wollte und damit weitreichende Protestreaktionen auslöste. Auch die Gossauer Parteien SVP, Flig und SP kritisierten die Massnahme mit deutlichen Worten. Es dürfe nicht sein, dass auf Kosten der Sicherheit der Arnegger Kinder gespart werde, schrieb beispielsweise die SVP.

Vereine weiterhin unterstützen

Drei Massnahmen im Bereich Bildung und Sport, die das Malik-Projektteam zur Entlastung des Stadthaushaltes vorgeschlagen hatte, empfiehlt der Stadtrat nicht zur Umsetzung. Das Schulgeld an die Maitlisek soll nicht um 80 000 Franken gekürzt werden. Auch die 2011 geschaffene Teilzeitstelle des Sportkoordinators beabsichtigt der Stadtrat «nicht in Frage zu stellen». Und ebenfalls nicht verzichten will er auf die Vereinsförderung. So sollen Vereine aus dem Sport- und Kulturbereich weiterhin von der Stadt jährlich rund 150 000 Franken erhalten.