Viel Schall, kein Rauch

Die Klasse 1b des Notkerschulhauses hat bei einem Rap-Wettbewerb der Lungenliga den ersten Platz erobert. Gestern übten die Schüler ihren Song «Stop, bleib sauber» für die Aufnahme.

David Gadze
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Rapper Black Tiger sorgt dafür, dass die Reime messerscharf kommen. (Bild: Urs Jaudas)

Rapper Black Tiger sorgt dafür, dass die Reime messerscharf kommen. (Bild: Urs Jaudas)

Die Sekundarklasse 1b des Notkerschulhauses hat schon vor den Sommerferien Grund zum Feiern: Im Rahmen des «Experiments Nichtrauchen» hat sie beim Songwettbewerb «Let's rap about . . .», einer kantonalen Zusatzverlosung der Lungenliga St. Gallen, den ersten Preis geholt. Die Jugendlichen mussten einen eigenen Song zum Thema Rauchen texten und einsingen. Nun dürfen die 1bler ihr Stück «Stop, bleib sauber» am Montag in einem professionellen Studio in Zürich aufnehmen.

Beim Besuch in der «Flade» am Freitagmorgen bereiten sich die Schüler in drei Gruppen darauf vor. In der einen sammeln sie Ideen für die Umsetzung des Videoclips, in der zweiten feilen sie mit dem Basler Rapper Black Tiger, der in der Wettbewerbsjury sass, an den Reimen, und in der dritten erhalten sie Informationen zum Thema Rauchen. «In unserer Klasse hat schon vor dem Experiment niemand geraucht», erzählt die Klasse stolz.

Die Wörter müssen fliessen

Bei Black Tiger üben die Schüler die Reime, Einsätze, das Sprechtempo, den Takt. «Nur ein Zug ist schon genug, um süchtig zu werden und früher zu sterben», heisst es in einer Passage. Ständig wiederholen sie dieselbe Strophe, bis die Wörter zu fliessen beginnen. «Ihr müsst üben, bis sich der Mund an den Rhythmus des Textes gewöhnt», sagt Black Tiger.

Das Gesamtpaket habe bei dieser Klasse am meisten überzeugt, erklärt er den Sieg der 1b. «Es war mit Abstand der beste Song. Man hörte sofort heraus, dass sie einen grossen Einsatz geleistet haben. Die ganze Klasse hat sich sehr gut eingebracht», sagt Urs Baur, wie Black Tiger bürgerlich heisst. Er habe selbst 17 Jahre lang geraucht und sich körperlich kaputtgemacht. Dabei wäre er froh gewesen, hätte man ihn damals über die Risiken aufgeklärt. «Jetzt kann ich den Jugendlichen helfen, diesen Fehler nicht zu machen.»

Mit ihrem Musiklehrer Marco Palmiro Stoop nahm die Klasse den Song auf. Die Schüler hätten sehr intensiv gearbeitet. «In etwas mehr als einer Stunde waren die Aufnahmen fertig», sagt er.

«Nicht zu gangsterhaft»

Deutschlehrerin Judith Tobler hatte die Idee, die Klasse für den Wettbewerb anzumelden. Jetzt sammeln sie und der Filmemacher Thomas Karrer mit einer Gruppe Ideen für den Videoclip. Düster soll er sein, in einer schattigen Gasse mit älteren Häusern, vielleicht in einer Unterführung. Er soll ein Zeichen setzen, ohne zu klischeehaft zu wirken. «Wir müssen schauen, dass er nicht zu gangsterhaft wird. Rauchen ist ja kein Verbrechen», sagt ein Schüler. «Aber viele verstecken es, weil es niemand ausser den Kollegen erfahren soll», meint ein anderer.

Die Raucher werden jünger

«Die Prävention in den Schulen ist wichtig», sagt Marlis Schwizer von der Lungenliga St. Gallen. Doch trotz höherer Zigarettenpreise und verschiedener Präventionsmassnahmen hätten sich die Zahlen der rauchenden Jugendlichen in den letzten Jahren kaum verändert. «Das Einstiegsalter ist sogar gesunken. Und rauchten früher vor allem die Buben, holen Mädchen immer mehr auf.»

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